Südseeboot entert Humboldt Forum

Nächtliche Präzisionsarbeit: Das erste Großobjekt  - ein polynesisches Luf-Boot - wird aus Dahlem in das künftige Humboldt Forum im Berliner Schloss gebracht.Foto:© SHF / David von BeckerNächtliche Präzisionsarbeit: Das erste Großobjekt - ein polynesisches Luf-Boot - wird aus Dahlem in das künftige Humboldt Forum im Berliner Schloss gebracht.Foto:© SHF / David von Becker

Von Katharina Zawadsky.

Großer Bahnhof am Dienstagmorgen auf der Berliner Schlossbaustelle: Das erste Großobjekt wurde aus dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen in Dahlem in das künftige Humboldt Forum im Berliner Schloss eingebracht. Mit dem Humboldt Forum entsteht Ende 2019 ein neues kulturelles Stadtquartier in der Mitte Berlins. Durch das Zusammenführen herausragender Sammlungen mit bedeutenden Exponaten, darunter Objekte und Kunstwerke aus Asien, Afrika, Amerika, sowie in vielfältigen Veranstaltungen soll hier eine zeitgemäße Museumspräsentation entwickelt werden, die zu neuen Erkenntnissen über die Welt von gestern, heute und morgen anregt.

Termingerecht und im Kostenplan ist nun das weltweit einzigartige Luf-Boot aus Ozeanien unter prominenter Begleitung an seinem künftigen Platz angekommen. Kulturstaatministerin Monika Grütters wohnte zusammen mit dem Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum Hans-Dieter Hegner und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, dem nicht alltäglichen Akt bei.

 Foto:© SHF / David von Becker


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Immerhin musste das in einer 18 Meter langen Kiste verpackte Boot mir aller gebotenen Vorsicht und Präzision aus der Eingangshalle in den Ausstellungssaal im ersten Obergeschoss gehievt werden, nachdem es in der Nacht mit einem Schwertransport über dafür eigens gesperrten Straßen quer durch die Stadt von Dahlem nach Mitte transportiert worden war.

Foto: © SHF / David von Becker

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Unter den wachsamen Augen zahlreicher Journalisten und Beteiligter auf Seiten der Museen und der Baustelle gab die Kulturstaatsministerin kurz vor 9 Uhr das Signal „Hebt an!“ für das Aufziehen des Bootes. Über ein speziell errichtetes Gerüst mit entsprechendem Hebezeug wurde das Boot dann in seiner Verpackung in die künftige Ausstellungshalle gehievt.

Dort bleibt es zunächst in seiner Kiste, bis nächstes Jahr die Arbeiten auf der Baustelle insgesamt abgeschlossen sind. Erst dann, wenn Staubfreiheit hergestellt ist und die Klimaanlage sowie der Brandschutz usw. funktionieren, können die Ausstellungen eingerichtet und aufgebaut werden und bis dahin muss das Boot in der Verpackung sicher auf der Baustelle gelagert werden.

„Ich bin wirklich stolz auf das gute Zusammenwirken aller Beteiligter bei den Museen wie auf der Baustelle, dass wir diesen Meilenstein geschafft haben. Es ist nicht trivial, unersetzliche und weltweit einmalige Kulturgüter wie das Luf-Boot auf einer Baustelle sicher zwischenzulagern. Aber alle baulichen Voraussetzungen wurden dafür geschaffen wie wir auch die berechtigten Forderungen der Kuratoren für die sichere Aufbewahrung, sagte Hans-Dieter Hegener.

Und die Kulturstaatsministerin konstatierte: „Mit dem heutigen Einzug der Großobjekte in das Humboldt Forum ist es offensichtlich: Die Bauphase geht zu Ende. Der Kulturbetrieb steht – im wahrsten Sinne des Wortes! – vor der Tür. Das Südseeboot ist das erste Objekt der Dahlemer Museen in diesem Haus. Tausende weitere werden folgen – wenn auch nicht mit einer solchen Entourage wie die Großobjekte. Einen Ortswechsel von Ausstellungsobjekten dieses Umfangs hat es in der Geschichte der Staatlichen Museen noch nicht gegeben“.

Insgesamt ist das zukünftige Humboldt Forum im Berliner Schloss allerdings noch eine Baustelle. Die Bauarbeiten werden erst in etwa einem Jahr abgeschlossen sein. Das Boot musste aber wegen seiner schieren Größe schon jetzt in den zukünftigen Ausstellungssaal im 1. Obergeschoss eingebracht werden. Große Öffnungen von ca. 4 x 6m in zwei Wänden der monumentalen Eingangshalle wurden extra für diesen Transport offen gelassen und werden nun erst zugemauert.

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Das Boot von der Insel Luf hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Gebaut wurde es 1890 auf einer der westlichen Inseln, die heute zum Staat Papua Neuguinea gehören. Mit solchen Booten fuhren die Männer von Luf im 19. Jahrhundert auf das offene Meer, trieben Handel und führten Krieg. Aber solche Zwecke erfüllte dieses Boot nie, denn aufgrund des Bevölkerungsrückgangs auf der Insel konnten die verbliebenen Männer es nicht zu Wasser lassen. Es blieb im Bootshaus, wo es 1903 Max Thiel für die Handelsfirma Hernsheim & Co sah und erwarb. Nach einem Zwischenstopp auf Matupi in Neubritannien gelangte es 1904 in das damalige Museum für Völkerkunde in Berlin. Nun ist das spektakuläre Objekt also offenbar endgültig angekommen

 

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