Von Hans-Peter Gaul
Zu einem Gala-Konzert des Sofia Philharmonic Orchestra hatten das Bulgarische Kulturinstitut Berlin und die Botschaft Bulgariens Ende April in die Berliner Philharmonie eingeladen. Seit Beginn ihrer Auslandstourneen vor 85 Jahren genießt das bulgarische Orchester weltweit einen ausgezeichneten Ruf.

So gab es auch in Berlin Standing Ovations für das Orchester mit seinem Dirigent Nayden Todorov. Seit 2017 ist der 1974 in Plowdiv geborene Musiker, der sich auch als Kulturminister Bulgariens einen Namen gemacht hat, Musikdirektor der Sofia Philharmonie.

Unter seiner Leitung verfolgt das Orchester eine konsequente Linie: Es gestaltet Programme, die nicht nur Werke präsentieren, sondern einen Kontext schaffen. Musik wird dabei als Brücke zwischen Tradition und Gegenwart sowie zwischen nationaler Identität und einer gemeinsamen europäischen Zukunft verstanden.
Maestro Todorov präsentierte an diesem Abend mit seinem Orchester zum Teil weniger bekannte Werke, in der sich unterschiedliche Ausdrucksformen auf natürliche Weise kreuzen. Ein interessanter Ansatz. So traf die französische Raffinesse von Camille Saint-Saëns auf die romantische Welt Robert Schumanns sowie die symphonische Weite von Antonín Dvořáks 8.Sinfonie.

Das Violinkonzert von Camille Saint-Saëns wurde beeindruckend interpretiert von der in Hongkong geborenen, erst 13jährigen Violinsolistin Sherry Tse, die seit ihrem achten Lebensjahr auf internationalen Konzertbühnen steht und inzwischen bei zahlreichen renommierten Wettbewerben Preise erringen konnte.
Auch Pianistin Soojung Park konnte mit ihrer Interpretation von Robert Schumanns Klavierkonzert das Publikum begeistern.
Berührender Moment in der Konzertpause: Nayden Todorov begrüßte den in Berlin lebenden 102jährigen Oboisten Dimitar Titov als das einst langjährigste Mitglied des Orchesters.
Fotos: Hans-Peter Gaul , Tihomir Patarinski, Ingrid Müller-Mertens