Festliche Preisverleihung des Opus Klassik im Konzerthaus Berlin. Foto Mo Wüstenhagen
Am letzten Wochenende (10. und 11. Oktober) kamen Klassikfans live im Berliner Konzerthaus und auch bei der ZDF-Übertragung der Gala voll auf ihre Kosten. Im festlich illuminierten und trotz der nicht unbeträchtlichen Ticketpreise ausverkauften Konzerthaus, feierte das ebenfalls angemessen festlich gekleidete und erwartungsvoll gestimmte Publikum die überwältigende Vielfalt des preisgekrönten Klassik-Jahrgangs 2026.

Der Opus Klassik, gern auch der „Oscar“ der klassischen Musik genannt, wird als Nachfolger des Echo Klassik seit 2018 verliehen und zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen dieses Genres in Deutschland. Eine unabhängige Experten-Jury kürt jährlich die Preisträger. Ausgezeichnet werden Künstler, Aufnahmen, Ensembles und besondere Projekte aus unterschiedlichen Bereichen in 30 Kategorien.
Schauspielerin Désirée Nosbusch bezauberte als Moderatorin nun schon zum wiederholten Male und beweist einmal mehr, dass die sogenannte „Ernste Musik“ alles andere ist als steif und elitär. Unterstützt durch das brillante Konzerthausorchester unter der Leitung von Anna Rakitina, präsentiert sie charmant und souverän ein frisches, fröhliches Programm, in dem grandiose solistische Leistungen aber auch leise, besinnliche Töne und mitreißende Ensembleleistungen begeistern und zu Herzen gehen. Diesmal besonders beeindruckend, das sich neben den etablierten Stars besonders vielversprechende, beeindruckende junge Talente präsentierten und gefeiert wurden.

Beschwingt gleich der Beginn: Startenor Jonas Kaufmann ( Opus Klassik in der Kategorie „Audiovisuelle Musikproduktion des Jahres“) und Sopranistin Katharina Konradi (Solistische Einspielung Gesang des Jahres) eröffnen die Gala schwungvoll mit dem Operetten-Duett „Tanzen möcht‘ ich“ von Emmerich Kálmán, inklusive einem schmissigen Tänzchen. Das Publikum ist amüsiert: So einen fröhlichen Einstand hat es bei der Opus-Gala noch nicht gegeben. Gelöste, erwartungsvolle Stimmung breitet sich aus.
Und so geht es Schlag auf Schlag oder besser Note für Note weiter mit einem musikalischen Feuerwerk der Extraklasse das mitreißt aber auch für Gänsehautmomente sorgt. Kurze Videoeinspielungen informieren über die jeweiligen Preisträger und Preisträgerinnen und ihren beeindruckenden Werdegang, oft seit frühester Kindheit.



Natürlich wurden auch wieder internationale Weltstars mit dem Opus Klassik geehrt, so Lang Lang (Bestseller des Jahres) und für ihr Lebenswerk Ausnahmepianistin Martha Argerich. Beide nahmen den Preis allerdings nicht persönlich entgegen und grüßten per Video.
Café del Mundo (Tournee des Jahres) begeisterten mit klassischer Gitarrenmusik im modernen Sound. Shira Patchornik (Nachwuchskünstlerin des Jahres) brillierte zusammen mit den CHAARTS Chamber Artists mit einer Arie von Niccolò Piccinni. Der 23jährige Pianist Alexander Malofeev, ausgezeichnet in der Kategorie Nachwuchskünstler des Jahres, spielte Werke von Sergej Rachmaninow.



Die Violinistin Esther Abrami, ausgezeichnet in der Kategorie Klassik ohne Grenzen , setzte mit Miley Cyrus‘ Flowers und ihrem eigenen Werk Envoutée einen weiteren Akzent. Andrè Schuen (Sänger des Jahres) sorgte mit einer bravourösen Mozartarie für Beifallsstürme, die einst als Kind von Fürstin Gracia Patricia von Monaco entdeckte und geförderte Pianistin Shani Diluka (Videoclip des Jahres) entführte mit einem Händel-Menuett in eine poetische Renaissance-Welt. Um nur einige Programmpunkte zu nennen. Alle Preisträger im Anhang.



Kulturstaatsminister Wolfram Weimer äußerte sich in einer kurzen Ansprache zur Zukunft und Bedeutung der klassischen Musik und ihrer breiten Verankerung in Deutschland: „Die klassische Musik ist nicht nur Exzellenz, nicht nur das ganz große Orchester, sondern auch die Weite und Tiefe dessen, was die Magie der Musik ausmacht.“

In Deutschland gibt es 16 Millionen Menschen, die musizieren, über 40.000 Chöre und 12.000 Musikvereine, informierte Weimer weiter. „Das heißt, die klassische Musik wird von vielen Menschen in diesem Land getragen. Alle, die sie lieben, bilden gemeinsam eine Sinfonie – und heute Abend feiern wir ihre Spitze.“
Und auch das gehört zu einem solchen Abend, die Reflektion über die die Zukunft der Musik im Zeitalter künstlicher Intelligenz: „Die Plattenindustrie hat sich grundlegend verändert: Heute konkurrieren wir nicht nur im Streaming mit künstlicher Intelligenz, sondern fragen uns gleichzeitig, welchen Wert Musiker in einer solchen Zeit haben. Es muss eine klare Grenze gezogen werden zwischen KI als Hilfsmittel und menschengeschaffener Musik – Kunst darf nicht von Beliebigkeit verdrängt werden,“ konstatiert unter großem Beifall Pianistin Alice Sara Ott (Preis für Neue Klassik/Neoklassik).
Mit der erstmals vergebenen Sonderkategorie Musiklehrer/Musiklehrerinnen des Jahres setzte der Opus Klassik gemeinsam mit dem Deutschen Musikrat einen neuen Schwerpunkt. Ausgezeichnet wurde Florian Aschenbrenner für sein herausragendes Engagement in der Musikpädagogik und seinen Einsatz für eine individuelle, kreative und nachhaltige Gestaltung von Lernprozessen. Gemeinsam mit dem mit dem Orchester des Wandels setzte der Opus Klassik einen weiteren Schwerpunkt: Der Innovationspreis für Nachhaltigkeit ging 2026 an Gregor A. Mayrhofer für sein Recycling Concerto. Schon früh entwickelte Mayrhofer die Idee, alltägliche Gegenstände in außergewöhnliche Klangerlebnisse zu verwandeln.

Und so schwungvoll wie der Abend begonnen hatte, endete er auch mit Hornistin Sarah Willis (Instrumentalisten des Jahres) und ihrem Ensemble The Sarahbanda aus Kuba, das Mozart mit musikalischen Einflüssen aus Kuba verbindet und zum krönenden Abschluss die Bühne rockte.
Opus Klassik 2026: Die Gewinner im Überblick
Gesang
- Sängerin des Jahres: Anna Lucia Richter
- Sänger des Jahres: André Schuen
- Gesangsaufnahme: Christian Gerhaher, Katharina Konradi
Instrumente und Ensembles
- Instrumentalist des Jahres: Yunchan Lim, Christian Tetzlaff, Sarah Willis
- Instrumentalaufnahme: Jean Rondeau, Frank Peter Zimmermann
- Kammermusik: Wu Wei, Martin Stegner, Janne Saksala
- Orchester/Ensemble: Quatuor Ébène & Belcea Quartet
- Ensemble-Live-Performance: Lucas & Arthur Jussen, Alexej Gerassimez, Emil Kuyumcuyan
- Solistische Live-Performance: Anna Lapwood
Dirigat, Komposition und Aufnahmen
- Dirigent des Jahres: Andris Nelsons
- Komponist des Jahres: Dieter Ammann
- Sinfonische Einspielung: Mirga Gražinytė-Tyla, Lithuanian National Symphony Orchestra, Orchestre Philharmonique de Radio France
- Choreinspielung: Voces8
- Operneinspielung: Joyce DiDonato, Michael Spyres, Maxime Emelyanychev, Il Pomo d’Oro
- Weltersteinspielung: Elena Schwarz, WDR Sinfonieorchester Köln
Neue Formate und besondere Produktionen
- Klassik ohne Grenzen: Esther Abrami, vision string quartet
- Klassik ohne Grenzen LIVE: Duisburger Philharmoniker
- Neue Klassik/Neoklassik: Alice Sara Ott
- Filmmusik: Aleksey Igudesman, Hans Zimmer
- Innovatives Konzert: Anastasia Kobekina, Sasha Waltz, Konzerthaus Dortmund
- Tournee des Jahres: Café del Mundo
- Audiovisuelle Musikproduktion: Jonas Kaufmann, Helmut Deutsch
- Videoclip: Shani Diluka
- Innovatives Hörerlebnis: Rainer Maillard
- Bestseller: Lang Lang
Nachwuchs und Sonderpreise
- Lebenswerk: Martha Argerich
- Nachwuchskünstler:innen: Marcel Brunner, Alexander Malofeev, Shira Patchornik, Simon Tetzlaff
- Nachwuchsförderung: Freiburger Barockorchester, Ensemble Recherche
- Innovationspreis Nachhaltigkeit: Gregor A. Mayrhofer
- Opus Klassik School: Kirill Richter
- Musiklehrer des Jahres: Florian Aschenbrenner