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Ich bin Du! Ausstellung von Doris Ziegler

VonRedaktion

Feb 28, 2023
urheberrechtlich geschütztes Werk

Doris Ziegler in ihrem Atelier in Leipzig-Plagwitz, 2020, Foto: Steffen Junghans, für das Werk: © VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Von Klara Berger

Doris Ziegler zählt zweifellos zu den profiliertesten Vertreterinnen der Leipziger Schule. Dass sie hinter den großen Namen ihrer Künstlerkollegen wie Bernhard Heisig, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Frank Ruddigkeit oder Arno Rink – um nur einige zu nennen – bisher zu wenig Beachtung und verdiente Würdigung in der Kunstrezeption bekam, könnte und sollte sich nun ändern. Erstmalig macht das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) das Werk einer der Großen der Leipziger Schule mit einer Einzelschau in ihrer Heimatregion einem größeren Publikum bekannt.

Die von Dr. Paul Kaiser kuratierte Ausstellung präsentiert 20 Gemälde aus den Jahren 1977 bis 2016 aus allen Schaffensphasen.  

Abschied von Plagwitz, 1994, (li). Selbst mit Paulownia, 2016, Fotos: Atelier Doris Ziegler © VG Bild-Kunst, Bonn 2023(re)

In der Malerei war es über lange Zeit der „kühle Blick“, geschult an der neusachlichen Kunst der Zwischenkriegszeit, der Doris Ziegler interessierte und der sie unterschied von ihren Generationskollegen. Hoher Respekt vor dem Bildnis und vor dem an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst als Königsdisziplin geltenden Mehr- oder Vielfigurenbild hielt Doris Ziegler nie vor dem Experiment zurück, gerade in diesem Genre ihren Platz zu suchen. Ihren magischen Ort fand die Künstlerin dabei früh im Leipziger Stadtteil Plagwitz, dessen Architektur und Lebenswelt sie faszinierten.

Passage II. Hommage à Watteau, 1988, (li), Musizierender Engel in Plagwitz, 1977 (re), Fotos: Atelier Doris Ziegler © VG Bild-Kunst, Bonn 2023 (re)

Vom sachlichen Industriedetail über die Kulissenwelt des Imaginären bis hin zur Darstellung des weiblichen Proletariats in der DDR reichen ihre bildnerischen Annäherungen an einen Aktions- und Rückzugsraum, der nach der deutschen Wiedervereinigung von einer tiefgreifenden Transformation betroffen war.

Ich bin Du, 1988, Foto: DIK/Andreas Kämper © VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Eines der Hauptwerke von Doris Ziegler – „Ich bin Du“ von 1988 – gibt der Ausstellung ihren Titel. In der Entstehungszeit galt dieses Gemälde als Provokation, weil es vermeintlich feministische Positionen aus dem Westen in den Kunstraum DDR transformierte. Hier zeigt sich die Künstlerin in androgyner Gestalt zugleich als Mann und Frau und stellte damit die vorherrschenden Geschlechterrollen in Frage; lange vor der Akzeptanz heute aktueller Debatten um Sexus, Gender und Diversität.

Selbst mit Sohn II, 1986/87, Foto: Atelier Doris Ziegler © VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Für Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich reiht sie sich ein in die programmatische Ausrichtung des Museums: „2022 stellten wir in monografischen Werkschauen das Schaffen der Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach und der Medienkünstlerin Margret Eicher vor. Die Reihe der Präsentation von Werken zeitgenössischer Künstlerinnen setzen wir in diesem Jahr mit der mehr als überfälligen Ausstellung Doris Zieglers fort – und holen damit nach 40 Jahren etwas nach, was in den frühen 1980er Jahren von den Kulturfunktionären der DDR vereitelt wurde: eine Ausstellung der Werke Doris Zieglers in unserem Haus!“

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Ich bin Du! Doris Ziegler: Malerei

26.02.2023 — 21.05.2023
Kabinettausstellung
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)

http://www.kunstmuseum-moritzburg.de

Von Redaktion