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Auf den Spuren eines Musik-Genies

VonRedaktion

Mai 13, 2026

Carl Maria von Weber – der Pionier der deutschen Oper in Dresden

Von Ronald Keusch

Porträt Carl Maria von Weber von Ferdinand Schimon

Die Kulturstadt Dresden mit ihrer einzigartigen Geschichte positioniert sich für ihre Besucher aus dem In- und immer mehr aus dem Ausland als Kombination aus jahrhundertealter Residenzstadt, Kunstmetropole und grüner Landschaft an der Elbe. Es hat sich bewährt, so die Pressesprecherin von Dresden Marketing Karla Kallauch, herausragende Anlässe zu nutzen, um damit für einen Besuch von Dresden Elbland zu werben. In diesem Jahr 2026 wird an den 200. Todestag und zugleich an den 240. Geburtstag von Carl Maria von Weber gedacht, einer der bedeutendsten deutschen Musiker und Komponisten.

Auf Entdeckungstour in Dresdens Innenstadt

Diese beiden Jubiläen erinnern an den prägenden Einfluss von Carl Maria von Weber auf die romantische Musik und an seine schöpferischen Dresdner Jahre. Knapp neun Jahre lebte er an der Elbe und veränderte in dieser Zeit die Musikwelt. Als königlicher Hofkapellmeister führte er die barocke Tradition in die Romantik und sorgte mit für den Ruhm Dresdens als Opernmetropole in Europa.

Als erste Station für die Entdeckungstour empfiehlt sich das Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik in der Hauptstraße der Dresdner Neustadt (www.kuegelgen-dresden.de). In der aktuellen Ausstellung „Wo Schatten wohnen – E.T.A. Hoffmann, Carl Maria von Weber und das Dunkle in der Romantik“ erhält der Besucher ein spannendes Bild über zahlreiche Werke, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Literatur, Malerei und Musik entstanden. Rote Informationstafeln führen durch die Ausstellung und zeichnen den Weg des königlichen Hofkapellmeisters in Dresden nach.

Weber, der in einer Künstler-Familie aufwuchs, setzte sich energisch auch gegen manchen Widerstand bei Hofe für die Schaffung einer deutschen Oper ein. Das führte damals zu einer Situation, wie die Kustodin Dr. Franziska Müller erzählt, dass Weber sogar überlegte, nach wenigen Wochen Dresden wieder zu verlassen. Da ihm anfangs zur Aufführung von Opern nur Schauspieler zur Verfügung standen, hat er bei intensiven Probenarbeiten den Akteuren auch „das Singen beigebracht.“ Und er prägte das Motto: „Oper ist ein Schmelztiegel der Künste“, das bis heute für das Musiktheater seine Gültigkeit behalten hat.

Modell des Kleinen Hoftheaters, Webers Wirkungsstätte in Dresden. Wolfsschlucht-Szene aus Webers Oper „Der Freischütz“

Seit der Zeit als Weber im Jahr 1817 seine Bestellungs-Urkunde als Hofkapellmeister erhalten hat – sie wird hier in der Ausstellung präsentiert – ist Weber von den Dresdnern immer verehrt worden. Diese Ehrung ist keine Erfindung von Dresden Marketing, sondern in der musikalisch geprägten Dresdner Bevölkerung tief verankert.

Dafür stehen zwei berühmte Spielstätten für Opern und klassische Musik wie die 1985 wieder eröffnete berühmte Semperoper und der 1969 eröffnete Dresdner Kulturpalast. Nach seiner umfassenden Sanierung ging der Kulturpalast 2017 mit einem komplett neuen Konzertsaal an den Start, der Heimstätte der Dresdner Philharmonie und Bühne für viele Gastspiele unterschiedlicher Genres ist.

Spurensuche in der Altstadt

Kreuzkirche am Altmarkt Schlosshof mit Hausmannsturm Kronentor des Dresdner Zwinger

Bei einem Bummel durch die prächtige Dresdner Altstadt wandelt man auch immer wieder auf den Spuren von Weber, ob man über den Altmarkt zur Kreuzkirche spaziert, dessen Kreuzchor geistliche Vokalwerke von Weber aufführte, oder ob man am Zwinger, der Gemäldegalerie Alte Meister und der Hofkirche vorbei zum Residenzschloss läuft.

Katholische Hofkirche

Weber war während seiner Dresdner Zeit auch für die Kirchenmusik an der Katholischen Hofkirche zuständig. Das Weber-Festjahr 2026 bietet die Gelegenheit, speziell die für Dresden geschriebene Kirchenmusik Webers im Programm des Kreuzchores und an der Hofkirche zu erleben. Seine Hauptwirkungsstätte war das sogenannte Kleine Hoftheater auf dem Gelände des Italienischen Dörfchens, das bis zum späteren Neubau der Semperoper das meistbespielte Opernhaus von Dresden war.
Mitten auf dem Neumarkt steht das Wahrzeichen von Dresden, die wieder aufgebaute unvergleichliche Frauenkirche mit ihrer für die Dresdner Silhouette so charakteristischen glockenförmigen steinernen Kuppel. Ein altes Bauteil aus der Fassade steht hier als mahnendes Denkmal an die Zerstörungen Dresdens durch alliierte Bomberflotten im Februar 1945. Auch in einem kleinen Kapellenraum der Kreuzkirche erinnern Fotos der Kirchen-Ruine an die Bombennächte und das Grauen des Krieges.

„Kein Freischütz für Dresden“

Auf den Spuren von Carl Maria von Weber stößt der Tourist unweigerlich auf seine berühmte Oper „Der Freischütz“, die wegweisend für die romantische deutsche Oper war. In der Handlung lässt sich der junge Jäger Max, der für seine Hochzeit mit der Geliebten Agathe einen Probeschuss bestehen muss, aus Verzweiflung über sein fehlendes Jagdglück dazu überreden, in der Wolfsschlucht unheimliche Freikugeln zu gießen. Diese treffen immer, doch die siebente Kugel lenkt der Teufel. Soweit kurz die Handlung dieser klassischen deutschen Oper.

Umso überraschender die Überschrift, die die Kuratorin Andrea Hammes für eine Sonderausstellung in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek – kurz SLUB genannt – ausgewählt hat: „Kein Freischütz für Dresden. Carl Maria von Weber und die deutsche Oper“ (www.slubdd.de/weber).

Hier werden keine dummen Vorbehalte von Aktivisten gegen „Nationales“ bedient, sondern man will, so Kuratorin Hammes, die Neugier der Opernfreunde und Opernkenner ansprechen. Denn tatsächlich hat Carl Maria von Weber, seines Zeichens Königlicher Kapellmeister, Operndirektor und Komponist am Sächsischen Hofe, seinen „Freischütz“ nicht daheim in Dresden, sondern am Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Dort errang seine Oper einen riesigen Erfolg. Der Perfektionist Weber hat Berlin als Premierenort ausgewählt, weil die dortige Bühne für sein Musikstück seinerzeit die wesentlich besseren Sänger aufbieten konnte.

Die Schokoladenstadt Dresden

Bevor der Besucher die Stationen von Weber und seinem „Freischütz“ weiterverfolgt, ist vielleicht eine süße Atempause angesagt. In der historischen Altstadt, direkt gegenüber dem Residenzschloss und dem Arbeitsplatz von Weber am Hoftheater, hat sich das Schokoladen-Museum CAMONDAS etabliert (www.camondas.de/schokoladenmuseum/).

Hier ist eine der insgesamt vier Dependancen von diesem Schokoladenkontor in Dresden eingerichtet. Die Stadt Dresden galt im 19. Jahrhundert als Schokoladenhauptstadt Deutschlands. In Dresden wurde 1839 die Milchschokolade erfunden, übrigens anfangs auf Basis von Eselsmilch, und hier wurden auch die ersten mit Schokolade gefüllten Weihnachtskalender hergestellt. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten rund 7000 Beschäftigte in der Schokoladen-Industrie Dresdens – in keiner anderen Stadt Deutschlands gab es so viele Schokoladen-Manufakturen. CAMONDAS knüpft seit 15 Jahren an diese große Tradition an. Im CAMONDAS-Museum kann man auch die größte Sammlung an Schokoladenformen bestaunen. Mittlerweile hat die Schokoladen-Manufaktur im April 2026 ein Café für seine schokoladigen Erfindungen eröffnet. Und weiter bietet sich für Freischütz-Fans ein Besuch vom Café Wippler am Körnerplatz in Dresden an. Hier ist eine besonders enge Pflege des Erbes zu schmecken, beispielsweise mit den Teufelskugeln a la Freischütz: Sechs feine Marzipanpralinen sind mit Pistazien und Nougat gefüllt, während die siebente – die Teufelskugel – mit feuriger Chili- und Ingwer-Note überrascht.

Die Felsenbühne Rathen

Die Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz

Und wer noch weiter auf Webers Spuren gehen möchte, der folgt dem berühmten Malerweg in die Sächsische Schweiz, dorthin, wo Felsen und Wälder die Fantasie des Komponisten beflügelten. Hier erreicht der Tourist die legendäre Felsenbühne Rathen. Sie gilt mit ihren 1800 Plätzen, eingebettet in die Felsenlandschaft unterhalb der Bastei, als eine der schönsten Naturbühnen in Europa. Das Repertoire reicht von Märchen wie Rotkäppchen und das Kalte Herz, über Abenteuerstücke wie Shatterhand bis hin zu Singspielen und dramatischen Opern, die durch die umgebende Felsenkulisse eine besondere Wirkung erzielen.

Das trifft zuallererst auf die Inszenierungen der Oper „Der Freischütz“ zu, die auch in der diesjährigen Saison von 16./17. Mai bis zum 20. September mehrmals vor traditionell fast ausverkauftem Haus gezeigt werden. In diesem Jahr steht „Der Freischütz“ am 12., 13., 20., 21., 26. und 27. Juni sowie am 1., 2., 15. und 16. August auf dem Spielplan der Felsenbühne (www.landesbuehnen-sachsen.de/felsenbuehne-rathen/).

Das Grabmal von Weber

Ein Schlusspunkt auf der Entdeckungstour kann das Grabmal des einzigartigen Künstlers Carl Maria von Weber sein. Im Jahr 1844, 18 Jahre nach seinem frühen Tod mit 39 Jahren in London, kehrte Weber heim nach Dresden. Richard Wagner, einer seiner größten Bewunderer, ließ seinen Leichnam überführen, schrieb zur feierlichen Beisetzung eine Trauermusik und hielt eine legendäre Grabrede.

Auf dem Alten Katholischen Friedhof in der Friedrichstadt erinnert das von Gottfried Semper gestaltete Grabmal an den Ausnahmekomponisten und Musiker, dem Dresden seine romantische Seele verdankt.

Fotos: Ronald Keusch.

https://www.keusch-reisezeiten.de/post/2026-05-dresden-weber

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