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New York Philharmonic gastiert beim Usedomer Musikfestival

VonRedaktion

Apr 21, 2022

von Ingrid Müller-Mertens

Im Mai hat die Ostseeinsel Usedom ein ganz besonderes Ereignis zu bieten. Man kann ohne Einschränkung sagen: Ein musikalisches Event der Extraklasse! Unter der Devise „Liberty Island Usedom“ gastiert das wohl bekannteste Orchester der USA, das New York Philharmonic, für mehrere Konzerte auf der beliebten Sonneninsel. Das dreitägige Gastspiel ist ein Sonderkonzert im Rahmen des jährlichen Usedomer Musikfestivals, das laut Intendant Thomas Hummel mehr als zehn Jahre auf diesen Besuch hingearbeitet hat. Das berühmte Spitzenorchester – eines der Top-Five-Ensembles dieser Welt – wird auch auf Deutschlands östlicher Insel nicht auf heimatliches Ambiente verzichten müssen: Vor der Seebrücke am schönen Sandstrand von Ahlbeck grüßt „Miss Liberty“, eine 5 Meter hohe Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue.

Gegründet 1842, sind die New Yorker Philharmoniker das älteste Orchester der USA. In diesem Jahr begehen sie ihr 180stes Bestehen. Nun kommen die Musikerinnen und Musiker erstmals nach Mecklenburg-Vorpommern – zu einem anderen Jubiläum. Denn im Rahmen des vergleichsweise jungen aber im deutschen Kulturkalender fest etablierten Usedomer Musikfestivals feiern die „Peenemünder Konzerte“ ihr zwanzigjähriges Bestehen. Und so werden im Kraftwerk Peenemünde – Mecklenburg-Vorpommerns größtem Industriedenkmal – die New Yorker Philharmoniker zwischen dem 20. und 22. Mai drei Konzerte unter ihrem Chefdirigenten, dem Niederländer Jaap van Zweden, geben.

Musikerinnen und Musiker des New York Philharmonic und des Baltic Sea Philharmonic. Foto: © Copyright Liberty Island Usedom 2022

Mit der exklusiven Europaresidenz auf Usedom will das weltberühmte Orchester aber auch ein Zeichen setzen für Freiheit, Frieden und Vielfalt und der Opfer von Gewalt und Unterdrückung gedenken.

Zudem erwarten die KonzertbesucherInnen mit der Violinistin Anne-Sophie Mutter, dem US-amerikanischen Bariton Thomas Hampson und dem polnisch-kanadischen Pianisten Jan Lisiecki drei Weltstars der Klassik.

Ganz besonders nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie und der nun so überaus brisanten und leidvollen aktuellen Kriegsereignisse kann man sich nichts ergreifenderes vorstellen, als friedliche und völkerverbindende Klänge in einer Fabrikhalle, die von 1936 bis 1945 zum größten militärischen Forschungszentrums der Nazizeit gehörten. Ein Heer von Zwangsarbeitern musste hier unter unmenschlichen Bedingungen Terrorwaffen gegen die Zivilbevölkerung herstellen. Unter anderem den weltweit ersten Marschflugkörper und die erste funktionierende Großrakete. Massenvernichtungswaffen, die ab 1944 durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg noch zum Einsatz kamen.

Aussenanlage des Museums in Peenemünde. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Mit dem spektakulären Aufführungsort auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalten Peenemünde wollen die Veranstalter auch an die NS-Vergangenheit erinnern. Stargeigerin Anne-Sophie Mutter wird ein ihr gewidmetes Stück ihres verstorbenen Ehemanns André Previn aufführen, dessen Familie vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen musste.

Eine sicher berührende Geste, wenn die Festtage am 20. Mai 2022 hier von den Musikern des vom Usedomer Musikfestival gegründeten Baltic Sea Philharmonic Orchesters gemeinsam mit dem traditionsreichen New York Philharmonic Orchestra unter dem Motto „ Frieden, Vielfalt und Freiheit“ eröffnet werden.

Der ganz besondere Ort macht dieses Gastspiel auch für die Musikerinnen und Musiker dieses weltberühmten Orchesters und seinen Chefdirigent Jaap van Zweden zu einem außergewöhnlichen Ereignis. „Gerade jetzt in dieser Zeit ist es wichtig, daran zu erinnern, dass Musik Frieden bringen kann, den Frieden Mensch zu sein. Gerade jetzt, wo Russland diesen Krieg gegen die Ukraine führt, muss es die Botschaft unseres Orchesters sein, dass Musik eine der Lösungen sein kann, um sich als Menschen näher zu kommen“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Schwerin.

Informationen zur Europa-Residenz auf Usedom des New York Philharmonic und zum Konzertprogramm unter http://www.ny-mv.eu

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