Kirchner im Hamburger Bahnhof

Werke von Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof. Foto: Ingrid Müller-MertensWerke von Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof. Foto: Ingrid Müller-Mertens

von Klara Berger.

Man reibt sich zunächst die Augen: Werke von Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof? Wie passen die Werke eines der bedeutendsten Expressionisten des 20.Jahrhunderts in ein Museum, das ausschließlich Gegenwartskunst ausstellt? Aber Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie klärt auf. Während der mehrjährigen Sanierung der Neuen Nationalgalerie gibt es im Hamburger Bahnhof nun ab sofort eine Dependance als temporäre Ausweichmöglichkeit, die „Neue Galerie“. Ein Provisorium, wenn man so will aber eine hervorragende Idee. Hier sollen nun vor allem Werke des frühen 20.Jahrhunderts vorgestellt werden. Und zwar aus den reichen Beständen der Nationalgalerie, die nur selten oder gar nicht in das Licht musealer Räume gerückt werden.

Welche Reichtümer sich in den Magazinen verbergen, macht nun die Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner: Hieroglyphen“ nachdrücklich klar. 17 Werke des weltberühmten Vertreters der klassischen Moderne (1880 – 1938) aus der Sammlung der Nationalgalerie werden  erstmals geschlossen vorgestellt. Ergänzt durch seltene Leihgaben. Eine berührende Hommage an den Künstler, der sich 1938 unter dem Schock über die Verfemung seiner Kunst in der Nazizeit das Leben nahm.

Kirchner war der Berliner Stadtchronist zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Sein berühmtestes Werk mit dem Titel „Berliner Straßenszene“ hat Berlin verloren, nachdem es aus dem Landesbesitz an die Erben der ehemaligen jüdischen Besitzer zurückgegeben wurde. Leider war es für die Stadt, die unter anderem Unsummen für umstrittene Bauprojekte ausgibt, nicht möglich, die geforderten 30 Millionen für einen Ankauf aufzubringen. Den Zuschlag erhielt der Kosmetikerbe Ronald Lauder. Seither ist das spektakuläre Berlin-Bild nur noch in New York zu bewundern. So können wir uns glücklich schätzen, dass mit dem „Potsdamer Platz“ von 1914 die Nationalgalerie über eine weitere Ikone aus Kirchners Schaffen verfügt. Zweifellos der „Star“ der Ausstellung. Aber es wäre nicht richtig, die Schau darauf zu fokussieren. Die Ausstellung präsentiert 17 Gemälde vom frühen „Sitzenden Akt“ der Dresdner Brücke-Zeit über die „Badenden am Strand“ aus Fehmarn, bis zu den formal so dicht angelegten Werken wie „Max Liebermann“ oder „Wiesenblume und Katze“ im Spätwerk. Zahlreiche Fotos, aufgenommen von Kirchner selbst, aber auch Bücher und Zeichnungen ergänzen die Präsentation und verdeutlichen die kulturellen Bezüge einer scheinbar so freien und spontan entstandenen Malerei.

www.ernstludwigkirchnerin berlin.de

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