Geschichten aus dem Wiener Wald – alles andere als gemütlich

„Geschichten aus dem Wienerwald“ in der Komischen Oper. Bild: Ingrid Müller-Mertens„Geschichten aus dem Wienerwald“ in der Komischen Oper. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Nach jedem Besuch der Komischen Oper geht man mit dem mehr oder weniger überwältigten Gefühl nach Hause: Das ist nun wirklich nicht mehr zu toppen. Eigentlich ist jetzt alles ausgereizt. Und doch wird man immer wieder überrascht. So auch mit der aktuellen Produktion des Hauses in der Behrenstraße, der Vertonung von Ödön von Horváths abgründig-melancholischem Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“.

1931 unter Max Reinhardt am Berliner Deutschen Theater uraufgeführt, könnte die niederschmetternde Satire auf die vermeintlich heile Welt der Kleinbürger, in der alle Wiener Klischees bedient werden, aktueller nicht sein. Geradezu ein Thriller an punktgenauer Polarisierung zwischen heuchlerischer „weanerischen“ Gemütlichkeit, moralischer Verkommenheit und brutaler Menschenverachtung.

In Szene gesetzt hat die zuweilen haarsträubende Handlung der polnische Regisseur Michał Zadara,  der das originale Horváthsche Personal zeitgemäß bekleidet, tätowiert und gepirct auf einem Grillplatz am Stadtrand, in einer Tankstelle oder mittels frappierender Videoinstallationen in düsteren Großstadtvierteln agieren lässt. Nicht der vielbesungene Wiener Wald mit Schrammelseligkeit und Heurigem bietet die konträre Kulisse zu den akribisch freigelegten menschlichen Abgründen, sondern eine knallbunte konsumorientierte Welt, in der es um den äußeren Schein geht und die richtige Automarke zählt. Drei davon dominieren im Original das Bild und auch der Beichtstuhl wird durch ein Beichtmobil ersetzt.  Eine monströse, gespenstische Szenerie, in der jeder Traum von einem bescheidenen Glück tragisch enden muss.

Die Vertonung durch den österreichischen Komponisten HK Gruber, fordert nicht nur Chor und Solisten das Äußerste ab – beeindruckend Cornelia Zink, Tom Erik Lie, Ursula Hesse von den Steinen, Adrian Strooper, Jens Larsen, Christiane Oertel, sowie Karan Armstrong – , auch der Zuhörer muss sich sozusagen auf eine musikalische Achterbahn einlassen, die mitunter an die Substanz geht und in einen heftigen Gefühlsstrudel zieht.

 

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