„Violetter Schnee“ – packendes Endzeitdrama in der Berliner Staatsoper

"Violetter Schnee"´, ein packendes Endzeitdrama an der Berliner Staatsoper. Foto: Ingrid Müller-Mertens"Violetter Schnee"´, ein packendes Endzeitdrama an der Berliner Staatsoper. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Katharina Zawadsky

q_2Mit der Uraufführung von Beat Furrers apokalytischer Oper „Violetter Schnee“ hätte die Berliner Staatsoper aktueller nicht sein können. Zumindest, was das Wetter betrifft. Denn angesichts des düsteren Szenarios mit unaufhörlichem Schneefall und totaler Abgeschlossenheit fühlt man sich sofort hautnah in die derzeit herrschende Schneekatastrophe in den Alpen versetzt. Das Werk erfährt dadurch unerwartet eine beklemmende Realität.

Aber es geht hier nicht nur um Wetterunbilden. Der Schnee ist die Metapher für ein endzeitliches Drama von apokalytischem Ausmaß. Die Welt befindet sich quasi im Endstadium.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Fünf Menschen sind eingeschlossen in einer verschneiten Endzeitlandschaft. Sie versuchen der Angst, Kälte und Auswegslosigkeit im ununterbrochenen Schneefall mit verschiedenen Aktionen und Gesprächen zu widerstehen. Aber bald wird klar, dass es keine Hoffnung mehr gibt zu überleben und es wird immer unmöglicher, in diesem existentiellen Ausnahmezustand miteinander zu kommunizieren. Man verständigt sich nur noch mühsam in abgeheackten, teilweise sinnentleerten Versatzstücken. Eine fremde, violette Sonne wird schließlich alles auslöschen. Kein versöhnlicher Schluß, nicht mehr und nicht weniger als das Ende der Menschheit. Lars von Triers „Melancholia“ oder Andrei Tarkowskis „Solaris“ standen Pate.

Dem Komponisten, so äußerte er sich in einem Interview, geht es  darum, die „kosmische Kälte und Verlorenheit der Menschen“ deutlich zu machen. Und zwar nicht in ferner Zukunft sondern hier und heute.

Foto: Monika Rittershaus

Foto: Monika Rittershaus

Verstörend, Schaurig und streckenweise schwer auszuhalten. Aber eben auch schaurig schön, durch den geradezu hypnotisch wirkenden musikalischen „Klangteppich“ und die überwältigende Magie der düsteren Bilder (Bühnenbild Étienne Pluss) .Jede Szene eigentlich ein Gemälde von faszinierender Wirkung deren suggestivem Sog man immer stärker verfällt (Regie Claus Guth). Wobei auch sehr eindrucksvoll die neuen technischen Möglichkeiten des Hauses zum Einsatz kommen.

Außerordentlich die Leistung von Chor, Orchester und Solisten (Anna Prohaska, Elsa Dresig, Gyula Orendt, Georg Nigl und Otto Katzameier unter Leitung des Dirigenten Matthias Pintscher) , die den immensen und äußerst differenzierten musikalischen Klangreichtum und die schwierigen Texte (Libretto Händl Klaus) bravurös bewältigen, zumal es keine wirkliche Handlung gibt.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Schauspielerin Martina Gedeck verbindet mit ihren eindrucksvoll monotonen Deklamationen die einzelnen Bilder, die auf einem Gemälde von Pieter Breughel basieren. „Jäger im Schnee“ – eine Ikone der flämischen Malerei des 16.Jahrhunderts. Mittels Projektionen und zeitlupenartig durch die Szene geisternde Gemäldefiguren verbinden sich Gestalten des Bildes und der Bühnenhandlung zu einer faszinierenden Symbiose, die Raum und Zeit total relativiert.

Wie gesagt: Schaurig schön und von nachhaltiger Wirkung.

www.staatsoper-berlin.de

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