„Viktoria und ihr Husar“ – das besondere Weihnachtsbonbon der Komischen Oper

Ganz und gar Diva: Vera Lotte Böcker als Gräfin Viktoria. Gerd Wameling (Mitte) als ihr Gatte und Erzähler, Daniel Prohaska als edler Rittmeister. Foto: Iko Freese / drama-berlin.deGanz und gar Diva: Vera Lotte Böcker als Gräfin Viktoria. Gerd Wameling (Mitte) als ihr Gatte und Erzähler, Daniel Prohaska als edler Rittmeister. Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

Das nun schon traditionelle weihnachtliche „Operettenbonbon“ der Komischen Oper Berlin, erwies sich wieder einmal als ein Leckerbissen der Extraklasse. Nach der umjubelten konzertanten Aufführung „Märchen im Grandhotel“  im letzten Jahr,  folgte nun mit „Viktoria und ihr Husar“ eine zweite Kostprobe aus dem Schaffen von Paul Abraham (1892 bis 1960) – zu Beginn der 1930er Jahre einer der populärsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Operetten, darunter „Ball in Savoy“, „Die Blume von Hawaii“ und zahlreichen Filmmusiken waren in ganz Europa erfolgreich und entsprachen mit ihren modernen Kompositionen wie Charleston, Quickstep, Tango und Jazz ganz und gar dem Zeitgeist und der entfesselten Stimmung in den Berliner Nachtclubs.

Alms Sadé, Peter Renz, Marta Mika und Daniel Foki (von li.) Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

Alms Sadé, Peter Renz, Marta Mika und Daniel Foki (von li.) Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

„Viktoria und ihr Husar“ ist eng mit dem Opernhaus an der Behrenstraße verbunden. Mit der Berliner Aufführung im Jahre 1930  im Metropol-Theater der Hauptstadt ( der heutigen Komischen Oper) begann der kometenhafte internationale Aufstieg Paul Abrahams. Der dann allerdings, seiner jüdischen Herkunft wegen, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten abrupt endete.

Von den Nazis in die Emigration getrieben, geriet Paul Abrahams Werk in Deutschland in Vergessenheit. Zu Unrecht, findet Intendant Barrie Kosky, der bekanntlich ein gutes Händchen für Wiederentdeckungen hat und nun auch einige Werke  Abrahams zurück ins Rampenlicht holt. Mit großem Erfolg, wie sich zeigt. Bereits seit 2013 ist seine schrille Inszenierung von „Ball in Savoy“ ein Publikumsrenner.

Stefan Soltesz mit Vera-Lotte Böcker (li) und Alma Sadé

Stefan Soltesz mit Vera-Lotte Böcker (li) und Alma Sadé. Foto: Berliner Umschau

„Viktoria und ihr Husar“  -Teil zwei des fünfteiligen Abraham-Zyklus – erweist sich als  eine wahre „Geschmacksexplosion“ in der „Operrettenbonbon- Kollektion. Mitreißende musikalische Ohrwürmer  wie „Mausi, süß warst du heute Nacht“, „Meine Mama war aus Yokohama“ , „Ping-Pong, tschin, tschin, olàlà“ oder „Dodo Dododododo!“ begeistern ebenso mit ihrem überbordenden Temperament wie  ,Pardon Madame‘ oder ,Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ in ihrer melancholisch-süßen Operettenseligkeit. Mit Esprit und dem erforderlichen melodramatischen Schmelz von Chor und Orchester der Komischen Oper  unter der musikalischen Leitung von Stefan Soltesz begleitet.

Und so folgt man mit großem Vergnügen der vom Grand Seigneur des deutschen Theaters, Gerd Wameling , vorgestellten, etwas verworrenen Story. Sibirien, Tokyo, St. Petersburg und das ungarische Dörfchen Doroszma sind die Stationen jener Operette, deren Aufführung im Haus an der Behrenstraße den Weltruhm Paul Abrahams begründete.

Leider kann man die zu Herzen gehenden Liebesgeschichten der edlen ungarischen Gräfin Viktoria (Vera-Lotte Böcker) und ihres hingebungsvollen Husaren (Daniel Prohaska), sowie der charmanten sexy Damen „Mausi“ (Alma Sadé) „Riquette“ (Marta Mika) und ihrer jeweiligen sanges- und tanzfreudigen Partner ( Peter Renz und Daniel Foki) nur noch einmal am 30. Dezember erleben.

Schade – aber sonst wäre das alljährliche Operettenbonbon der Komischen Oper ja auch nicht eine so besondere Delikatesse.

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Foto: Berliner Umschau

www.komische-oper-berlin.de

1 Kommentar zu "„Viktoria und ihr Husar“ – das besondere Weihnachtsbonbon der Komischen Oper"

  1. Gäbe es einen Wettbewerb um die Operette mit den irrwitzigsten Texten, „Viktoria und ihr Husar“ würde locker einen Spitzenplatz belegen – schrieb der Tagesspiegel und ich kann mich mit ganzem Herzen, ohne Widerspruch anschließen!

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