„Don Quixote“ kämpft in der Deutschen Oper bravourös gegen Windmühlen

"Don Quixote" in der Deutschen Oper Berlin. Foto: Ingrid Müller-Mertens"Don Quixote" in der Deutschen Oper Berlin. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Miguel de Cervantes Geschichte von Don Quixote, dem tapferen Kämpfer wider die Windmühlen – heute aktueller denn je – ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Weltliteratur, sondern auch Titel eines der berühmtesten Ballette des klassischen Repertoires. Obgleich sich das Stück auf nur wenige Abschnitte der Buchvorlage bezieht.corps5

 

Nacho Duato, noch bis Spielzeitende Intendant des Staatsballetts, hat seinen Landsmann Víctor Ullate mit der Erarbeitung einer neuen Fassung beauftragt, weil gerade er die Finessen spanischer Elemente im klassischen Bewegungskanon umzusetzen weiß. Entstanden ist ein temporeiches Tanzstück, das zwar viele der schönsten Partien des klassischen Balletts bereithält aber vor allem auch ein authentisches spanisches Flair verbreitet. Voller Esprit, mit opulenten farbenfrohen Kostümen und eingängiger Musik (Ludwig Minkus).

polin1Eine Sternstunde des Balletts vor allem auch dank Starballerina Polina Semionova, die in der Rolle der Kitri mit Bravour alle Register ihrer außergewöhnlichen Darstellungskunst zieht. Und auch die gewagtesten Balancen, Drehungen und den typisch spanischen Flamenco mit einzigartiger Leichtigkeit und Anmut makellos vorführt. Leider wird Polina Semionova nicht alle Vorstellungen tanzen (alternierend mit Primaballerina Iana Salenko).

 

 

Ebenbürtig und in Hochform an ihrer Seite Marian Walter mit rasanten, besonders gewagten und begeisternden Sprungkombinationen.

„Von der technischen Seite her ist die Partie sehr anspruchsvoll. Es ist ja auch eine ausdrucksstarke Rolle, ein spanischer Charakter. Dadurch ist diese Partie fast einfacher zu tanzen, als einen Prinzen darzustellen, der nicht viel Aussagekraft hat“, sagt Marian Walter zu seiner Debütrolle als junger Barbier Basil.

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Auch Elisa Carrillo Cabrera als Straßentänzerin, Elena Pris als Königin der „Gitanos“, Federico Spallittas als gespreizter Camacho, Vladislav Marinovs als tapsiger Sancho Pansa oder Rishat Yulbarisovs als der tragikomische Held Don Quixote. Und ein ganz großes Lob, dem gesamten Corps des Ballet, das in den quirligen, temporeichen Markt- und Gasthausszenen ebenso überzeugt wie in den fantasievollen Szenen im Zauberwald.corps_4

 

Zu würdigen ist auch, dass der spanische Choreograf Víctor Ullate und sein Team, die Produktion den momentanen Gegebenheiten des Hauses angepasst haben. Denn auch knapp zwei Monate nach der Havarie durch einen Wasserschaden kann die Bühne der Deutschen Oper nicht im vollen Umfang  benutzt werden. Weil die Scheinwerfer zurzeit nicht über der Bühne eingesetzt werden können, musste für die erste Szene des Balletts, die mit Lichteffekten gestaltet werden sollte, ein komplett neues Konzept entwickelt werden.  Was auch die mit maurischen Dekorationen ausgestattete Schloßszene etwas beeinträchtigte aber dank der opulenten Kostüme und hinreißenden Darstellern keineswegs schmälert.solisten_2

 

Denn auch die Kulisse musste umgestaltet werden. „Die Ballette – im Gegensatz zur Oper – arbeiten fast immer mit gehängter Dekoration, um mehr Platz zum Tanzen zu haben“, erläuterte die stellvertretende Intendantin Christiane Theobald. Die meisten Dekorationsteile würden an dem Fachwerkgerüst, den Traversen, befestigt und hängen von der Decke herunter. Diese Konstruktion ist aber durch das Wasser beschädigt und kann nicht genutzt werden. Die aufwändigen Dekorationen für Don Quixote, ein Tanzspektakel, das in der Regel auch mit pittoresken Kulissen punktet, seien bereits Ende vergangenen Jahres fertiggestellt worden, können zurzeit aber nicht aufgehängt werden. Umso mehr ist zu bewundern, dass besonders der zweite Akt mit seinem magischen Zauberwald, der mystischen Atmosphäre und glitzernden Ritterromantik nichts zu wünschen übrig lässt. Ebenso wie die von Lebenslust und geschmackvoller Folklore strotzenden Volksszenen.

Das Orchester der Deutschen Oper unter Robert Reimer absolviert bravourös sowohl die klassischen als auch die spanischen Klänge – zur Originalmusik kamen spanische Gitarrenklänge – und steigert sich immer wieder in einen Klangrausch, der vom Publikum ebenso mit Bravi und stehenden Ovationen belohnt wurde wie die Akteure auf der Bühne.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

www.staatsballett-berlin.de

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