Vorhang auf! – Die Staatsoper meldet sich zurück

Die Staatsoper Unter den Linden nun im originalen Zartrosa. Foto: Ingrid Müller-MertensDie Staatsoper Unter den Linden nun im originalen Zartrosa. Foto: Ingrid Müller-Mertens

barenboimDaniel Barenboim ist glücklich. Mit feinem Lächeln sitzt der Generalmusikdirektor im prachtvollen, goldglänzenden   Apollosaal und empfängt wenige Tage vor der Eröffnung der sanierten Staatsoper zum Pressegespräch. Denn endlich ist es vollbracht.

Apollosaal

Apollosaal

Und lange genug hat es ja auch gedauert. Sieben Jahre war die Staatsoper im Exil, nannte sich „Staatsoper im Schiller-Theater“. Keine schlechte Zeit. Aber, nun muß man nach vorn schauen, so der 75jährige und sich freuen. Denn es ist Zeit für die Kultur und die kulturelle Identität einer Nation ein starkes Zeichen zu setzen. Und die Staatsoper ist nun mal die Nationaloper. In der heutigen Zeit besonders wichtig. Denn in Zeiten des Internets, wo immer und überall alles abrufbar ist, verkümmert die eigene geistige Auseinandersetzung und dämpft die Neugier. Information wird dann fälschlicherweise mit Bildung gleichgesetzt. Eine gefährliche Entwicklung, findet Barenboim. Für ihn ist es immens wichtig, die weitverbreitete Hemmschwelle vor der Kunst, insbesondere auch der Musik zu beseitigen. Und er ärgert sich immer, wenn Oper und Musik als „elitär“ bezeichnet wird. „Wer das sagt, hat keine Kultur“ befindet der Maestro. Aber nun habe Berlin ja wieder eine Institution, die einen wichtigen Beitrag für die Kultur leisten werde. Nicht nur in Berlin und Deutschland. Auch in Europa. Leider wird sie in Anbetracht der Eintrittspreise zwangsläufig elitär bleiben.

Innenraum. Foto © Gordon Welters e-mail: mail@gordonwelters.com http://www.gordonwelters.com

Innenraum. Foto © Gordon Welters

Nach sieben Jahren Umbauzeit wird die Berliner Staatsoper Unter den Linden, erbaut von 1741 bis 1743 als Königliche Hofoper nach Plänen von Georg Wenzeslaus von  Knobelsdorff,  nun in alter Schönheit und neuer Pracht wiedereröffnet. Welches Datum wäre dafür besser geeignet, als der Tag der Deutschen Einheit. Der Countdown läuft. Und so wird im ganzen Haus noch emsig gehämmert, gebohrt und installiert. Aber am 3. Oktober wird sich der Vorhang vor illustren Gästen zur Eröffnungsvorstellung heben. Bis dahin muss alles fertig sein.

Wie bei einem Berliner Großprojekt nicht anders zu erwarten hat sich der Bau erheblich verteuert und um vier Jahre verzögert. Statt wie geplant 239 Millionen Euro liegen die Kosten nun bei mehr als 400 Millionen Euro.

Verkleidete Nachhallgalerie

Verkleidete Nachhallgalerie

Aber das Warten hat sich gelohnt. Denn jetzt ist alles perfekt. Nicht nur äußerlich. Soweit das irgend möglich war im denkmalgeschützten Haus ist alles neu und auf dem aktuellsten Stand der Technik. Es entstand quasi innerhalb der historischen Mauern ein völlig neues Opernhaus, dass, so Barenboim, eines der modernsten , wenn nicht das modernste der Welt sein wird. Und nicht nur die Bühne und Orchestergraben sind in ihren Ausmaßen und Möglichkeiten einmalig, auch alle für einen reibungslosen Ablauf notwendigen Funktionseinrichtungen und die Logistik sind optimal. Ebenso das modernisierte Intendanzgebäude und die unterirdischen Gänge, Räume und Laderampen, deren Bau im sumpfigen Untergrund alles stark verzögert und auch enorm verteuert hatte. Schon seit Anfang September haben sich Mitarbeiter, Orchester, Solisten, Choristen und technisches Personal an die neuen Räume und vor allem die neue Technik gewöhnt. Bühnenarbeiter und Beleuchter müssen nun fast Computergenies sein

Besonders stolz ist der Generalmusikdirektor auf die verbesserte Akustik des Hauses. Es war seine Idee und sein Wunsch, durch den Einbau einer Nachhallgalerie unter der Decke des Zuschauerraumes die Nachhallzeit der Musik zu verlängern. Auf 1,6 Sekunden. Das mag zeitlich minimal erscheinen macht aber den entscheidenden Unterschied aus. „Alles klingt hervorragend“, schwärmt der Maestro, akustisch sei es jetzt ideal und vor allem extrem günstig für die Sänger,  die nun ohne Probleme das Orchester übertönen können..

goethe

In die neue Ära startet die Staatsoper mit einem mehrtägigen „Präludium“. Eröffnet wird das Haus zum Tag der deutschen Einheit mit einer musikalischen Fassung von Robert Schumanns „Faust-Szenen“. Ein bombastisches Bühnenspektakel, inszeniert vom scheidenden Intendanten Jürgen Flimm und musikalisch geleitet natürlich von Daniel Barenboim. Wie man hört, hat sich Angela Merkel bereits Karten gekauft – sie lässt sich nicht einladen.

Geplant sind an neun Tagen auch Auftritte der Staatskapelle Berlin mit Barenboim und den Wiener Philharmonikern. Vom 3. Bis 7. Oktober werden alle Aufführungen live auf den Bebelplatz neben der Staatsoper übertragen.

Also dann: Vorhang auf und toi toi toi!

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

www.staatsoper-berlin.de

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