„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ – Filmpremiere mit Bruno Ganz im International

Bruno Ganz im Kino International.Evgenia Dodina, Wolfgang Kohlhase, Eugen Ruge (von li) Foto: Ingrid Müller-MertensBruno Ganz im Kino International.Evgenia Dodina, Wolfgang Kohlhase, Eugen Ruge (von li) Foto: Ingrid Müller-Mertens

von Klara Berger.

Alles passte: Die strahlende Sonne, das DDR-Ambiente im Kino International und ein bestens gelaunter Bruno Ganz. Der Weltstar war eigens aus der Schweiz gekommen, um gemeinsam mit Regisseur Matti Geschonneck, Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und dem gesamten Team seinen neuen Film vorzustellen: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, nach dem Erfolgsroman von Eugen Ruge.

Filmteam. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Filmteam. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der Autor war sich eigentlich sicher, dass die Geschichte unverfilmbar sein würde. Bei der Premiere im Kino International zeigte er sich hochzufrieden. . „Ich glaube, dass der Film sehr stimmig ist”, sagte Eugen Ruge. Bei der Dramaturgie des Films und der Motivation der Figuren sei viel verändert worden, aber das sei auch richtig so.

Wolfgang Kohlhaase ( schrieb auch die Drehbücher für „Solo Sunny”, „Sommer vorm Balkon”, war zuletzt 2015 mit „Als wir träumten” im Berlinale-Wettbewerb) ist es gelungen, aus der literarischen Vorlage überaus berührend und authentisch eine akribische Studie der verlorenen Utopien herauszukristallisieren. Ein filmisches Gesellschaftsbild, in dem Wege und Irrwege des 20. Jahrhunderts am Beispiel einer auseinanderbrechenden Großfamilie aufgezeigt werden. Der 86-Jährige hat sich einmal mehr als der große Erzähler des deutschen Kinos erwiesen, der er seit mehr als einem halben Jahrhundert ist.Quelle X-Verleih

Ost-Berlin im Frühherbst 1989: Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) wird 90 und lässt diesen Geburtstag mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen. Was hat der alte Mann nicht alles erlebt? Seit 75 Jahren überzeugter Kommunist, ist er einst aus Nazi-Deutschland geflohen und war im Exil in Mexiko. Währenddessen wurde sein Stiefsohn Kurt (Sylvester Groth) als angeblicher Konterrevolutionär in Moskau verhaftet. Nach seiner Rückkehr in die DDR stand Wilhelm als ehemaligem „West-Emigranten“ nur eine eher bescheidene SED-Parteikarriere offen. Heute aber bringen ihm Junge Pioniere ein Ständchen, und er wird mit Orden behängt. Während Wilhelm hartnäckig verleugnet, dass sein Ideal einer besseren Welt nur eine Chimäre war und die großen Hoffnungen von einst in Bürokratie und Angst erstickt sind, verlässt die junge Generation das Land. Auch in seinem privaten Umfeld gibt es Risse, die nicht mehr zu kitten sind …

Die epische Familiensaga hat Wolfgang Kohlhaase radikal gekürzt und auf kaum mehr als einen Handlungstag verdichtet. In der ironischerweise einst von Nazi-Bonzen bewohnten Villa der Powileits entwickelt sich nun ein Kammerspiel von emotionaler Wucht und darstellerischer Dichte, dem man voller Spannung und immer wieder auch mit großem Vergnügen folgt.

Ganz besonders begeistert die akribische und absolut authentische Ausstattung im detailgerechten DDR-Stil. Da stimmt einfach alles: Von den originalen Küchengeräten über den schlechtsitzenden Präsent-20-Anzug der Parteifunktionäre bis hin zum obligatorischen Käse-Igel auf dem Kalten Buffet.

Foto: XVerleih

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Ehemaligen DDR-Bürgern wird stellenweise ganz warm ums Herz. Und in das Gelächter mischt sich ein wenig Wehmut, wenn der zur Gratulation delegierte Brigadier vom Molkereikombinat dem Jubilar das ökonomische Konzept der DDR in diesem lehrbuchreifen Satz erklärt: „Das Ziel ist Ostkäse, der wie Westkäse schmeckt.“

Trotzdem kann die Tragikomik nicht darüber hinweg täuschen, dass eine Geschichte erzählt wird von der Auflösung eines Staates, vom Ende einer Illusion, vom Verlust der Heimat. Dass dabei die DDR weder verklärt, noch verteufelt, sondern mit all ihren Widersprüchen lebendig wird, macht „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ zu einem bemerkenswerten Film.

 

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