Staatsoper auf der Zielgeraden

Filigrane Elemente in der neuen Nachhallgalerie: Foto: Ingrid Müller-MertensFiligrane Elemente in der neuen Nachhallgalerie: Foto: Ingrid Müller-Mertens

Die gefühlt schon ewig geschlossene Staatsoper Unter den Linden soll nun tatsächlich in diesem Herbst wiedereröffnet werden.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Am 3.Oktober, wenn man Berlins Kultursenator Klaus Lederer glauben kann. Aber auch Staatsopernintendant Jürgen Flimm bekräftigt das Datum und bei einem Presserundgang kann man sich schon mal vom Baufortschritt überzeugen. Aus den geplanten drei Umbaujahren wurden inzwischen sieben, die veranschlagten Baukosten von 239 Millionen erhöhten sich auf 400 Millionen und es bleibt unklar, wer oder was dafür verantwortlich ist.

Egal – nun soll es endlich geschafft sein und der lange provisorische Betrieb im Schillertheater ist Vergangenheit. Vielleicht nicht ganz. Denn nach der feierlichen Eröffnung mit dem sogenannten „Präludium“ – der Titel der Wiedereröffnungsoper bleibt vorerst geheim, durchgesickert ist allerdings, dass es sich um die „Szenen aus Goethes Faust“ von Robert Schumann handeln könnte – sollen sich die Türen dann nochmals für einige Wochen schließen.

Dies gibt den Bauenden, so die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, die Möglichkeit, nach ersten Erfahrungen mit Aufführungen nachzujustieren und für den Regelbetrieb einzurichten, der dann ab dem 7. Dezember 2017, zum 275. Jubiläum des Opernhauses, aufgenommen werden soll.

Katrin Lompscher. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Katrin Lompscher. Foto: Ingrid Müller-Mertens

„Die grundlegende Sanierung und Modernisierung eines solchen bedeutenden, ehrwürdigen Hauses fordert von allen Beteiligten Respekt vor dem Gebäude und ein hohes Maß an Können. Der erreichte Stand ist beeindruckend und ich bin ganz sicher, dass das Ergebnis überzeugen wird“, so Katrin Lompscher. Auch die besonders kostspieligen unterirdischen Bauwerkeseien fertiggestellt. Ebenso die aufwendige Anhebung der Decke des Zuschauerraumes um die Nachhallzeit zu verbessern – ein ausdrücklicher Wunsch des Generalmusikdirektors Daniel Barenbom . Bis zum Spätsommer sollen die „regulären Bauarbeiten“ abgeschlossen sein. Intendanzgebäude und Probenzentrum sind ohnehin schon seit Spätherbst 2016 nutzbar.

Und was auf der Baustelle zu sehen ist, beeindruckt. Vor allem auch, was nicht zu sehen ist aber mit Stolz erläutert wird: Die hochmoderne Bühnentechnik. Berlin wird damit im wunderschönen authentischen Ambiente der Königlichen Hofoper von 1743 das modernste Hightech-Opernhaus Europas bekommen, freut sich Kultursenator Dr. Klaus Lederer.

 

Aber es wird nicht nur alles im neuen Glanz der zweieinhalb Tausend Scheinwerfer erstrahlen, auch die bequemen Sitze, verbesserte Akustik, die Lüftungstechnik oder neue Fahrstühle bieten den Besuchern optimalen Komfort. Sowohl die Außenfassade im etwas gewöhnungsbedürftigen rosé, wie auch die farblich üppigere Innengestaltung entspricht nun dem historischen Original. Über Eintrittspreise mag man noch nicht reden aber es wird wohl „geringfügig teurer werden“, so der designierte Intendant Matthias Schulz.

flimm

Der gegenwärtige Intendant Jürgen Flimm und der zukünftige Matthias Schulz. Foto: Ingrid Müller-Mertens

In den kommenden Monaten soll dann wirklich umgezogen werden. Mit Ende der Spielzeit ist die ausgedehnte Episode im Schillertheater Geschichte. Dann beginnen die Proben Unter den Linden. Das gesamte Personal muss für die neuen Bedingungen geschult werden, rund 20 Inszenierungen aus dem Schillertheater oder aus dem alten Haus sind den Maßen und Möglichkeiten der neuen Bühne anzupassen. Auch die Künstler müssen sich auf die neuen Dimensionen einstellen. Mit Sicherheit auftretende „Kinderkrankheiten“ können erst im Live-Betrieb erkannt und behoben werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, Hauptsache, es geht erstmal los. Und so ist Intendant Jürgen Flimm überglücklich, dass man nun endlich „einen Fuß in der Tür hat“ und hofft, dass auf der Zielgeraden nichts mehr schief geht. Toi, toi, toi! Für die Allgemeinheit kündigt er ein großes Eröffnungsfest an, mit jeder Art von „Volksbelustigung“, denn schließlich sollen die Berliner sehen wohin ihr Steuergeld geflossen ist.

 

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