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Das Museum Barberini Potsdam präsentiert Impressionismus in Deutschland

VonRedaktion

März 2, 2026

Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Von Ronald Keusch

Nach der erfolgreichen Ausstellung zum Einhorn als Fabeltier in der Kunst steht die jüngste Präsentation des internationalen Spitzenmuseums für die Malerei wieder ganz im Zeichen seines Sammlungsschwerpunkts, des Impressionismus.

Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, Städel Museum Frankfurt am Main
Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, Städel Museum Frankfurt am Main

Die neue sehenswerte und für das breite Publikum wie auch die Fachwelt spannende Ausstellung trägt den Titel: „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“.

Max Liebermann, Selbstbildnis, 1934,
Öl auf Leinwand, Tate London © Tate

„Zwischen diesen zeitlichen Polen – dem ersten Bild ‚Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus‘, entstanden 1881/82, und dem späten Selbstbildnis von Max Liebermann aus dem Jahr 1934 – bewegt sich die Ausstellung“, so Ortrud Westheider, Direktorin vom Museum Barberini und zugleich Kuratorin der Ausstellung. „Max Liebermann war ein Botschafter für den französischen Impressionismus, er hat diese Stilrichtung nach Deutschland gebracht.“ Damit avancierte Liebermann zum Wegbereiter der ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland.

Die Ausstellung im Barberini zeigt mit insgesamt mehr als 110 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen den Impressionismus in Deutschland in seiner ganzen Bandbreite. Sie wurde zusammen mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden entwickelt und setzt die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit beider Museen fort, die mit der Konzipierung der Sonderausstellung „Impressionismus in Russland“ im Jahr 2021 begann.

Es geht in dieser Ausstellung, so Ortrud Westheider, um den internationalen Impressionismus in Deutschland und deshalb werde der Begriff „deutscher Impressionismus“ vermieden. Dabei steht Liebermann im Zentrum in seinen Rollen als Künstler, Sammler und als Präsident der Berliner Secession, der sich für die Internationalisierung des deutschen Kunstbetriebes einsetzte.

Lovis Corinth, Die Lesende, 1911, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Neben den wichtigsten Werken von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde werden auch Bilder von Künstlern gezeigt, die einem breiten Publikum eher weniger bekannt sind, wie Philipp Franck, Gotthardt Kuehl, Sabine Lepsius oder Lesser Ury. Von der französischen Moderne wurde eine Generation von Malern inspiriert, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts solchen Motiven wie Stadtansichten, Landschaften, Kinderporträts und der Welt des Theaters zuwandten.

Max Liebermann, Biergarten „De Oude Vink“ bei Leiden, 1905, Öl auf Leinwand, Kunsthaus Zürich

„Ein Markenzeichen der deutschen Impressionisten liegt in ihrer eigenständigen Bildsprache. Während die französischen Impressionisten eher den flüchtigen Eindruck als Narrativ suchten, erzählen die deutschen Maler Geschichten in ihren Bildern, bei denen das davor und danach offenbleibt“, so Co-Kuratorin Valentina Plotnikova. Ihre Aufmerksamkeit gilt den Spaziergängern im Park, Künstlern und Publikum in Theatern und Opernhäusern, beleuchtete Brücken und Cafes. Vielfach ist in den Bildmotiven eine ungeschönte Schilderung der Wirklichkeit zu entdecken. Impressionistische Lichtmalerei mit „Lichtflecken“, die auf den Bildern der Leinwand auftauchten, richteten sich damals auch gegen die im kaiserlichen Deutschland erwünschte nationale Kunst.

Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Die beiden Kuratorinnen der Ausstellung präsentieren in den einzelnen Ausstellungsräumen beeindruckende Bilder-Themen-Motive, die auf großen Informationstafeln näher erläutert werden. Da werden unter dem Motto Stadtbilder“die Stadt Berlin mit breiten Boulevards, künstlicher Beleuchtung und Gartenlokalen gezeigt. Bei Draußen am Wasser“ist eine neue Kultur der Kur- und Badeorte zu sehen und in den Kinderbildern“spiegelt sich der freie Geist der Reformpädagogik wider.

Max Slevogt, Das Champagnerlied, 1902, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart © bpk / Staatsgalerie Stuttgart

Auch die Theatralität mit großen Gefühlen auf Bühne und Leinwand ist als Motivblock vertreten. „Liebermann, Slevogt und Corinth setzten den impressionistischen Pinselduktus ein, um ihren Bildern eine vibrierende Dramatik zu verleihen“, so erklärt der Pressetext vom Museum. Nach dem Vorbild von Edouard Manet malte Slevogt Rollenportraits des Baritons Francisco d’Andrade, zum Beispiel in dessen Paraderolle als Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper.

Philipp Franck, Wannsee, 1915, Öl auf Leinwand, Privatsammlung Frankfurt/ Main © Kunsthaus Lempertz

Schließlich ist ein Ausstellungsraum dem „Paradies am Wannsee“ gewidmet, Liebermanns Malergarten. Liebermann erwarb das Anwesen 1909 und legte dort einen prachtvollen Garten an, dessen Bildmotive in nahezu 200(!) Gemälden wieder auftauchen. Diese Motivserie erinnert an Claude Monets Fokus auf seinen Seerosenteich in Giverny. Die Blütenpracht seines Gartens war für Max Liebermann die Inspiration zur Malerei und ein Wegbereiter für den Impressionismus in seinem Land.

Wieder einmal kann die Fachwelt urteilen, dass es eine solche Ausstellung in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben hat. Im Laufe des Jahres widmen sich auch die Berlinische Galerie, die Alte Nationalgalerie sowie die Liebermann-Villa am Wannsee in mehreren Ausstellungen dem deutschen Impressionismus. Im Mittelpunkt werden dabei die Maler Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth stehen, genauso wie die Netzwerke von Sammlern, Galeristen und Kritikern, die den Durchbruch der Avantgarde-Kunst förderten.

www.museum-barberini.de

Die Ausstellung ist vom 28. Februar bis zum 7. Juni geöffnet, täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr

Quelle: https://www.keusch-reisezeiten.de/




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