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Staunen und Schmecken – 100 Jahre Grüne Woche

VonRedaktion

Jan. 21, 2026

Von Ronald Keusch

Die unverwüstliche Messe, gegründet 1926 unter dem Funkturm in Berlin, hat sich zur weltweit größten Agrar- und Lebensmittelschau gemausert. Auf dieser einzigartigen internationalen Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau stellen im Jubiläumsjahr 1600 Anbieter aus mehr als 50 Ländern, davon 1150 aus Deutschland, ihre Produkte, Trends und Ideen vor.

Babylon Garden und Hippologica

Die Besucher der diesjährigen Grünen Woche erwartet noch bis zum 25.Januar auf dem Messegelände unter dem Funkturm eine Reihe von Jubiläumshöhepunkten. Dazu zählt die Blumenhalle, die sich anlässlich des Jubiläums auf 3.000 Quadratmetern in die Zeit des eleganten Zwanziger Jahre-Glamour kleidete, unter dem Motto: „Babylon Garden – Blütezeit der goldenen Zwanziger“.

Ebenso zum Highlight des Jahres 2026 gehört sicher nicht nur für Familien mit Kindern die Halle 25. Hier in der Tierhalle sind Pferde, Mulis, Rinder, Schafe, Ziegen, Esel und Hütehunde zu sehen. Ergänzt wird das Angebot durch Aquarien und Terrarien mit Fischen und Reptilien in Halle 24. Jeden Tag stehen mehrere Tierschauen zu unterschiedlichen Themen auf dem Programm.

Grüne Woche als politisches Forum

Als internationale Leitmesse fungiert die Grüne Woche verstärkt in den letzten Jahren zugleich als ein politisches Forum. Ein deutliches Spiegelbild dessen ist das parallel verlaufende Kongressprogramm, auf dem sich Fachleute mit politischen Entscheidern aus Politik und Wirtschaft zu Zukunftsfragen der Branche austauschen. Dem dient auch die Halle 3.2., wo unter der großen Überschrift Erlebnisbauernhof der Besucher erleben kann, wie Ministerien aus den Ressorts Landwirtschaft und Umweltschutz über ihre definierten Werte informieren und diese aktiv propagieren.

Großer Diskussionsbedarf vorhanden

Die Eröffnungs-Pressekonferenz der Grünen Woche mit dem Bauernpräsidenten Joachim Rukwied und dem Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) Christoph Minhoff zeigte bei Fragen unter anderem zum Mercosur-Abkommen, zu steigenden Energiepreisen und der CO2-Bepreisung recht überzeugend, dass die Probleme nicht auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen werden dürfen. Die deutsche Landwirtschaft muss wettbewerbsfähig bleiben und „die Politik muss zu ökonomisch marktgetriebener Wirtschaftspolitik zurückkommen“, so forderte Christoph Minhoff von der Ernährungsindustrie. Ein großer Diskussions-Bedarf ist bei den Landwirten und der Politik vorhanden. Die wachsende Zahl an Insolvenzen von Bauernhöfen und der Lebensmittelindustrie signalisiert, dass die Zeiten des Abwartens längst vorbei sind.

Die kulinarische Tourismus-Messe

Die Grüne Woche wird nicht allein vom Zeitgeist der Klimaschützer und Weltretter geprägt, sondern zunehmend von Urlaubsangeboten und Tourismus „auf dem Lande“. Es gehört zur guten Tradition, dass sich landwirtschaftliche Regionen erfolgreich als Tourismusziele präsentieren und dabei die Kulinarik vor Ort nicht zu kurz kommt. Auf der diesjährigen Jubiläums-Messe sind alle 13 Flächen-Bundesländer in den Ausstellungshallen vertreten. Selbstverständlich präsentieren die Ausstellungsländer aus Europa und auch aus anderen Kontinenten nicht allein eine Vielfalt an Kulinarik. Sie wollen zugleich dem Touristen ihre Reisewelt präsentieren. Da die Internationale Tourismus Börse (ITB) im März in Berlin seit einigen Jahren sich ausschließlich der Fachwelt öffnet, kann die Grüne Woche für die Reiselustigen einen kleinen Ausgleich schaffen. Dabei bleiben die Angebote keineswegs auf den Tipp „Urlaub auf dem Bauernhof“ beschränkt.

Reise-Tipps vom Partnerland Mecklenburg-Vorpommern

Unübersehbar ist dieser Reisetrend bei dem diesjährigen Partnerland der Grünen Woche Mecklenburg-Vorpommern zu erkennen. Die insgesamt 80 Unternehmen zeigen nicht nur Fisch-Spezialitäten rund um Lachs, Makrele und Heilbutt oder Käse, Honig und Kräutertee oder Kleidung aus Schafswolle. Auch jede Menge Hotels, Gutshäuser und Tourismusverbände machen Urlauberwerbung.

Mit einem repräsentativen Stand hat das Ostseeheilbad Graal-Müritz einen imposanten Auftritt. Das traditionsreiche Ostseeheilbad beeindruckt nicht nur durch seine heilklimatische Wirkung, sondern durch seine inspirierende Ruhe.

Für die Besucher der Grünen Woche haben die Aussteller noch eine besondere Überraschung bereit. Basierend auf einer Sage beginnt am zweiten Wochenende im September in Graal-Müritz das schaurig-schöne Spektakel: Ein Moorgeisterfest. Da kehren Murmanns Geister zurück und es erscheinen mit dem Murmann tief aus dem Moor auch Hexen, Feen und Trolle. Auf der Grünen Woche kann man den Murmann Kräuterlikör aus heimischer Manufaktur-Destille am Stand verkosten und kaufen. 

Strandkorb auf dem Balkon

Zu einem standesgemäßen Urlaub an der Ostseeküste gehört für viele der Strandkorb. Die Strandkorbfertigung hat in Pommern eine fast 100jährige Tradition. Deshalb ist die Herstellung in der Halle Mecklenburg-Vorpommern präsent. Die Strandkorbfabrik GmbH aus Heringsdorf gehört zu den Ausstellern. Traditionell, so ist von Geschäftsführerin Nicole Wetzel zu erfahren, werden die Strandkörbe in der Manufaktur mit elf Mitarbeitern in reiner Handarbeit hergestellt. Dank hochwertiger Hölzer, langlebiger Geflechte, rostfreien Beschlägen und witterungsresistenten Outdoorstoffen sind die Strandkörbe recht langlebig ausgelegt. Zur Kundschaft zählen nicht allein Strandkorbvermieter an der Küste, sondern auch Urlauber, die so einen Korb gern zu Hause haben wollen. Der Einsitzer mit einer Sitzbreite von 75 Zentimetern passt sogar auf den Balkon.

Beliebtes Fotomotiv – die Holz-Klappbrücke in Wieck bei Greifswald

Greifswald – Heimatstadt der Romantik

Neben einer Vielzahl weiterer Angebote rund um den Urlaub in der Halle Mecklenburg- Vorpommern haben sich hier die vier Tourismus-Verbände des Bundeslandes zentral platziert. An einem Stand präsentieren sich Fischland-Darß-Zingst, Rügen, Usedom und Vorpommern mit jeder Menge an bunten und informativen Prospektmaterial. Die Universitäts- und Hafenstadt Greifswald wirbt als Geburtsstadt von Casper David Friedrich mit dem Motto: Heimatstadt der Romantik. Die Insel Rügen zeigt ihre zahlreichen Wahrzeichen wie den Nationalpark Königsstuhl. Und Usedom, die zweitgrößte Insel Deutschlands mit 42 kilometerlangen weißen Sandstränden, verweist auf ihre hunderte Kilometer langen Rad- und Wanderwege und ihre berühmten Seebrücken. Hier wird die Grüne Woche zur imposanten Tourismusbörse – dazu in dieser Halle unbedingt aus dem großen Angebot ein Fischbrötchen verkosten.

Urlaubsziele vor der Haustür der Berliner

In der Brandenburg-Halle 21a startet mit der Grünen Woche auch die Urlaubs-Saison 2026. Ganz vorn dabei ist die Region Seenland Oder-Spree direkt gelegen vor der Haustür der Berliner. Hier ist eine Reihe von attraktiven Reisezielen anzuschauen.

Vater Ronald und Sohn Jonathan Koch vom Bauernhof Koch in Großmutz bei Löwenberg

Urlaub auf einem richtigen Familien-Bauernhof

Es gibt sie noch und sie sind auch vertreten in der Brandenburg-Halle – die Bauernhöfe mit langer Tradition. Dazu gehört der Bauernhof Koch, seit 1753 ein Familienbetrieb. Auf 350 Hektar Ackerflächen und Grünland wird das Futter für die Tiere selbst angebaut, für Rinder, Schweine, Hühner, Schafe und Kaninchen. Die Fleisch- und Wurstwaren kommen direkt vom Hof. Die Urlauber können sich hier im Obergeschoss des Bauernhauses in drei Ferienwohnungen einquartieren. Rundum sind an Schlössern und Seen jede Menge Urlaubsziele zu besuchen. Im Hofladen gibt es Hausmannskost, frische selbst hergestellte Produkte und im Hofcafé Selbstgebackenes und eine kleine Brauerei aus Bad Belzig liefert sogar für die Besucher und Gäste das „Hofbier“.

Susanne Sobala vom Werderaner Tannenhof mit einigen ihrer Produkte

Urlaubsplatz in den Tannen

Ein überraschendes Urlaubsangebot kommt aus dem Ortsteil Plessau in Werder vom Werderaner Tannenhof. Hier wachsen auf einer Baum-Plantage von 60 Hektar viele tausend Weihnachtsbäume. Auf dem weitläufigen Gelände sind auch eine Minigolfanlage, eine Kegelbahn und eine 18-Loch-Fussballgolf-Anlage eingerichtet. Zwei Ferienwohnungen haben einen Blick auf die Tannenbäume. Ein Urlaubsplatz in den Tannen. Ein Hofladen sorgt für standesgemäße Souvenirs, wie zum Beispiel Tannenbadesalz, Tannensenf oder Tannen/Orange-Brotaufstrich. Und noch bis zum 8.Februar kann man auf einer überdachten Eisfläche Schlittschuhlaufen.

Geschäftsführer Stefan Fritsche präsentiert die Gurkenbrause

Die innovative Klosterbrauerei in Neuzelle

Zu den Urgesteinen der Brandenburger Unternehmen, die an der Grünen Woche unter dem Funkturm teilnehmen, gehört die Klosterbrauerei in Neuzelle. Die Brauerei ist weit über die Brandenburger Landesgrenzen mit solchen Marken wie dem „Schwarzer Abt“ bekannt und hat in diesem Jahr ein Jubiläumsprodukt nach Berlin mitgebracht: Die „Gurkenbrause“. Sie wurde nach Anregungen aus dem Spreewald kreiert und hat ein einladend natürliches Gurkenaroma.

Welterbe-Regionen in Thüringen entdecken

Bei den Tourismus-Angeboten aus allen Bundesländern darf auch das prägende Mittelgebirge im Osten Deutschland, der Thüringer Wald, nicht fehlen. Die Thüringer Tourismus GmbH präsentiert mit einer neuen Übersichtskarte eine riesige Fülle von Ausflugs- und Urlaubs-Tipps. Dazu gehören die Welterbe-Regionen der Wartburg bei Eisenach wie der Nationalpark Hainich mit seinem berühmten Buchenwald. Die insgesamt 76 Thüringer Messestände verbinden die kulinarischen Entdeckungen mit außergewöhnlichen Unterkünften in

Niederlande – Botschafter für Nachhaltigkeit

Die Niederlande feiern bei der Grünen Woche 2026 ein großes Jubiläum: 75 Jahre Teilnahme. Sie waren 1951 der erste internationale Aussteller. In der Halle erwartet den Besucher eine spezielle Präsenz mit Kulinarischem und Fokus auf Innovationen. Beispielhaft dafür ist die Menükarte mit regionalen Produkten aus den Niederlanden, die zugleich ein guter Botschafter für die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und für die Tourismus-Regionen darstellt. Da stehen auf der Karte ein Garnelencocktail mit Seegras-Snacks und Algenpulver aus Zeeland oder bunte Tomatenauswahl, serviert mit Burrata, Aceto Balsamico und Walnuss-Crunch aus Gelderland oderSandwich mitGouda-Käseund Marne Groninger Senf. Dazu Fruchtsäfte aus Limburg (Apfel, Birne, Kirsche) sowie Lady Rhubarb Sirup und Getränkedosen von Wilder Land aus Utrecht.

Auch Exotik und Folklore kommen nicht zu kurz

Auf der Grünen Woche begegnet den Besucher Exotik in aller Form. Drinks in der Latino-Cocktailbar, Geheimnisse von 1001 Nacht in Marokko oder bunte bulgarische Folklore. Auf den Bühnen in den Hallen sind Musik- und Tanzgruppen zu sehen bzw. nicht zu überhören, Alphornbläser sind genauso unterwegs wie diverse Produktbotschafter in ihren farbenfrohen Kostümen, ob nun Bratwurst-, Blumen-, Honig-, Wein- oder Bier-Könige und Königinnen. Doch die größte Sehenswürdigkeit ist die Welt: Sieh sie Dir an, koste und schmecke sie – dieses Markenzeichen der Grünen Woche vertreibt kein Zeitgeist. Es ist und bleibt unter dem Berliner Funkturm garantiert.

Fotos: Ronald Keusch,
© Messe Berlin GmbH

Quelle: https://www.keusch-reisezeiten.de

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