„Insel der Sinne“ und Gesamtkunstwerk Görlitz

Mit dieser Abendstimmung macht das Hotel "Insel der Sinne" am Berzdorfer See in der Oberlausitz seinem Namen alle Ehre. Foto: Paul GlaserMit dieser Abendstimmung macht das Hotel "Insel der Sinne" am Berzdorfer See in der Oberlausitz seinem Namen alle Ehre. Foto: Paul Glaser

Von Ronald Keusch.

Foto: Ronald Keusch

Foto: Ronald Keusch

Der Gast schaut aus dem Doppelbett seines Zimmers direkt auf den See. Das Geländer des Balkons scheint die Reeling eines großen Schiffes zu sein. Doch er sieht kein Meer, sondern den Berzdorfer See und er hat nicht auf einem Kreuzfahrtschiff gebucht, sondern in dem Hotel „Insel der Sinne“ in der Oberlausitz. In der unteren Etage hat der Hotelgast aus seinem Zimmer sogar den direkten Zugang zum Wasser. „So wollte ich das immer haben“, bekennt Ina Lachmann. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Henry Hedrich haben sie beide ihren großen Traum Wirklichkeit werden lassen.

Sächsischer Unternehmergeist

Die Hoteliers. Foto: Ronald Keusch

Die Hoteliers. Foto: Ronald Keusch

Es klingt im ersten Moment wie eine Geschichte aus dem Kapitel „mutiger Unternehmergeist“. Vor 20 Jahren reiste ein junges Ehepaar durch Deutschland und war sogar im Ausland auf der Suche nach einem schönen Ort, um dort ein Hotel, ihr Hotel, zu bauen. Ina aus der sächsischen Kreisstadt Radeburg hatte in Leipzig ihr BWL-Studium absolviert und ihr Ehemann Henry hatte sein Medizinstudium abgeschlossen und arbeitete auf dem Gebiet Innere Medizin und als Hausarzt in einer Praxis. Schließlich fanden die beiden waschechten Sachsen vor zehn Jahren den Ort, um ihren Traum zu verwirklichen.

Hotel "Insel der Sinne". Foto: Paul Glaser

Hotel „Insel der Sinne“. Foto: Paul Glaser

Nicht irgendwo, sondern in ihrer Heimat, am Ufer eines gefluteten riesigen Braunkohlen-Tagebauloches, das über viele Jahre erfolgreich renaturiert wurde. Entstanden ist ein See mit einer Wassertiefe bis zu 72 Metern und einer Fläche von 960 Hektar.

Das saubere klare Wasser des Sees sorgte dafür, dass sich viele Arten von Fischen und Wasservögeln ansiedelten. „Ganz wichtig war für uns, dass wir beim Bau unseres Hotels genügend Freiraum für unsere kreativen Ideen bekommen“, formuliert Ina Lachmann ihr Credo für das Bauen. Die ansässigen Ämter mit ihrer unvermeidlichen Bürokratie mussten Entscheidungen treffen für einen Standort, den es bislang noch gar nicht gegeben hatte. Wohl ungezählt sind die Termine im Rathaus und Behörden und die Planungs-Runden. Ina Lachmann richtet ein kleines Büro im Container an der Baustelle ein. Schließlich konnte das neue Hotel im Juli 2018 eröffnet werden.

Tagegbau-Bagger ist jetzt Besuchsmagnet

Foto: Ronald Keusch

Foto: Ronald Keusch

Ganz oben auf der Liste der Ausflugsziele, nur wenige Kilometer vom Hotel „Insel der Sinne“ entfernt, steht der Schaufelradbagger SRs 1200. Als im Jahr 1997 der Braunkohlentagebau eingestellt und das Kraftwerk vom Netz genommen wurde, erhielt der 40 Jahre alte und 36 Meter hohe Stahlkoloss eine neue Aufgabe. Der Verein bergbaulicher Zeitzeugen organisiert im Zeitraum von April bis Oktober sachkundige Führungen. So zeigt der frühere Tagebau-Elekriker Jürgen Kleeof jetzt Touristengruppen dieses technische Denkmal und kann jede Menge Geschichten rund um die Braunkohle erzählen. So waren insgesamt 20 Maschinen im Berzdorfer Tagebau im Einsatz, jedes Großgerät hatte eine Leistung von 1650 KW und bei den polnischen Nachbarn in Turow wird auch heute noch Braunkohle gefördert. Dann führt er seine Besucher bis zum höchsten Punkt des Baggers, von wo man bei guter Sicht bis zum Riesengebirge mit Schneekoppe schauen kann.

Um den See entstand ein 16 km langer, größtenteils asphaltierter Rundweg, der vorbei an Badestellen, Spielplätzen und durch ein Naturschutzgebiet führt. Am Seeufer wurde ein kleiner Hafen gebaut und das Feriengebiet Blaue Lagune mit Sandstränden eröffnet. Ohne das Tagebauloch und die umfangreiche Renaturierung gäbe es auch das neue Hotel „Insel der Sinne“ nicht.

Görlitz als Gesamtkunstwerk

Eine große Trumpfkarte für das neue Hotel im Naturparadies ist zugleich die Nähe zu Görlitz, für viele die schönste Stadt in Deutschland. In nur wenigen Autominuten vom Hotel entfernt, kann der Besucher einen Spaziergang durch ein städtebauliches Gesamtkunstwerk unternehmen. Die günstige Lage an den Handelswegen im Mittelalter und der Aufschwung mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bescherten Görlitz heute eine prachtvolle Innenstadt. Etwa 4.000 denkmalgeschützte Häuser kann die Stadt aufweisen. Die Baustile von Renaissance, Barock und Gotik sind hier auf engstem Raum versammelt. Beeindruckend sind eine Reihe von bogenförmigen Bauteilen, kleinen Schwibbögen über den Gassen der Altstadt, die zusätzlich die Häuser abstützen. Faszinierend die gesammelten Schätze im Schlesischen Museum und die Bibliothek im Barockhaus.

An den östlichen Rand von Deutschland rückte Görlitz erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. als die Neiße hier Staatsgrenze wurde. Der Fluss teilt nun auch die Stadt. Heute spaziert der Besucher über eine Fußgängerbrücke in den kleineren östlichen Teil Zgorzelec. So präsentiert sich Görlitz als deutsch-polnische Stadt.

www.inseldersinne.de

www.goerlitz.de

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