Freude für Opernfans: Barrie Kosky bleibt der Komischen Oper erhalten

Barrie Kosky (li) bleibt als Hausregisseur der Komischen Oper erhalten. Susanne Moser und Philip Bröking werden ab 2022 als Intendantenduo die Geschäfte führen. Das freut Kultursenator Klaus Lederer (re) . Foto: Ingrid Müller-MertensBarrie Kosky (li) bleibt als Hausregisseur der Komischen Oper erhalten. Susanne Moser und Philip Bröking werden ab 2022 als Intendantenduo die Geschäfte führen. Das freut Kultursenator Klaus Lederer (re) . Foto: Ingrid Müller-Mertens

Es ist eine echte Kosky-Lösung: pragmatisch, überraschend und hundertprozentig stimmig. Vor allem ist es eine sehr gute Lösung: Für die Oper, für das Ensemble, die Mitarbeiter und für Berlin. Denn Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der von Walther Felsenstein gegründeten traditionsreichen Berliner Komischen Oper wird auch nach dem Auslaufen seines Vertrages 2022 dem Haus erhalten bleiben.

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Die Perlen der Kleopatra. Foto: Ingrid Müller-Mertens

L’Enfant et les Sortilèges. Foto: Ingrid Müller-Mertens

L’Enfant et les Sortilèges. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Aufatmen! Eine Komische Oper ohne Barrie Kosky konnte und wollte man sich nicht vorstellen. Sein inszenatorischer Stil ist einzigartig, weltweit anerkannt und gefragt, sinnliches, pralles und sehr emotionales Musiktheater. Neben Wiederbelebungen selten gespielter Barock-Werke hat er nun auch die Operette wieder salonfähig gemacht. Vor allem Werke jüdischer Komponisten der Zwanziger/Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das ist ihm ein Herzensbedürfnis.

Seit 2012 leitet der gebürtige Australier die Komische Oper. Seitdem ging es mit Image, Erfolg und Besucherzahlen steil nach oben. Schon Ende seiner ersten Spielzeit wurde die Komische Oper zum Opernhaus des Jahres gewählt, er selbst 2014 zum Regisseur des Jahres ernannt und 2015 erhielt die Komische Oper den International Opera Award in der Kategorie Ensemble des Jahres. Seine Bayreuther Inszenierung von Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ wurde zur Aufführung des Jahres gewählt. Seine Inszenierung der „Zauberflöte“ ist inzwischen weltweit zu sehen. Maßstäbe setzten auch Aufführungen wie die Monteverdi-Trilogie, „Ball im Savoy“, „West Side Story“, „Jewgeni Onegin“, „Der Jahrmarkt von Soroschinzi“, „Anatevka“ , „Die Perlen der Cleopatra“ oder jüngst „Candide“ und  „La Bohéme – um nur einige zu nennen.

 

Seine Intendanz wird sicher einen besonderen Platz in den Annalen des Hauses bekommen. Nun ist aber für ihn erstmal Schluss mit administrativen Belastungen. „Ich bin Künstler“, sagt Kosky und er wolle nun in erster Linie künstlerisch tätig sein. .Auch wenn er stets wie ein „Besessener“ arbeite und 120 Prozent aktiv ist – anders könne er gar nicht – die Doppelbelastung von Verwaltung und Inszenierungstätigkeit will er nicht länger auf sich nehmen. Auch ein Angebot zur Intendanz in der weltberühmten Bayerischen Staatsoper lehnte er ab. Eine einmalige, große Chance aber, so der Starregisseur, er habe sein Herz befragt und festgestellt, dass er ohne die Komische Oper und ihre wunderbaren Mitarbeiter nicht mehr leben könne und wolle. Das sei „wie Sauerstoff“ für ihn und inzwischen ist auch Berlin seine Heimat, seit 2017 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

"La Bohéme". Foto: Ingrid Müller-Mertens

„La Bohéme“. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Also was tun? Lange wurde intern nachgedacht, wie man für die Komische Oper und Berlin diese erfolgreiche Ära weiterführen und allen geholfen werden kann. Zusammen mit der Senatsverwaltung und Kultursenator Klaus Lederer ist man nun zu einer Lösung gekommen über die alle glücklich sind: Barrie Kosky wird als freiberuflicher Künstler arbeiten aber der Komischen Oper als Hausregisseur erhalten bleiben, jährlich zwei Inszenierungen machen und das neu ernannte Intendanten-Duo künstlerisch beraten. Denn – künftig wird es eine Ko-Intendanz geben von Susanne Moser, seit 2005 Geschäftsführende Direktorin des Hauses und dem bisherigen Operndirektor Philip Bröking. Susanne Moser ist die Expertin fürs Finanzielle, Bröking , für den die Komische Oper „die Liebe seines Lebens“ ist, arbeitet Spielpläne und Besetzungen aus.

Den Beiden kann man nur Glück wünschen, denn ab 2022 steht für die Komische Oper eine Generalsanierung an, die fünf Jahre dauern wird und 225 Millionen Euro kosten darf. Das Haus wird zwar komplett geschlossen aber der Spielbetrieb geht weiter. Wie und wo ist noch nicht ganz klar. Jedenfalls anders als bei der Staatsopernsanierung. Man wird zwar auch das Schillertheater nutzen aber – das schwebt Kosky vor – die Komische Oper wird in ganz Berlin an den verschiedensten Spielstätten zu erleben sein. An „ganz großen“ und auch „ganz kleinen „ Orten. „Ein fünfjähriges Opernfestival“ schwärmt Kosky. Man darf gespannt sein.

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