„La Bayadère“ – zauberhafte Wiederentdeckung aus dem 19.Jahrhundert

„La Bayadère" - die Wiederentdeckung des Balletts aus dem 19.Jahrhunder ist ein opulentes  Fest für die Sinne. Foto: Ingrid Müller-Mertens „La Bayadère" - die Wiederentdeckung des Balletts aus dem 19.Jahrhunder ist ein opulentes Fest für die Sinne. Foto: Ingrid Müller-Mertens
Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Von Klara Berger.

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: Die neue Produktion des Staatsballetts ist an Schauwert, Opulenz und stilistischen Finessen kaum zu überbieten. Nein, vergleichbares hat man in den letzten Jahren hier nicht gesehen.

Mit „La Bayadère“ ist in jeder Beziehung eine Überraschung gelungen. Die erste Premiere der Compagnie ist nicht nur eine äußerst aufwendige Inszenierung, sondern will auch überdeutlich zeigen, dass – entgegen aller Befürchtungen – unter der Intendanz von Johannes Öhman und Sasha Waltz das klassische Ballett weiterhin seinen Stellenwert haben wird.

Und so wurde gleich zu Beginn in der Berliner Staatsoper mit Furore und offensichtlich immensen Ausstattungskosten ein Werk von Marius Petipa aufgeführt, dem russisch- französischen Choreographen-Genie des 19.Jahrhunderts, der heute als der Begründer des klassischen Balletts gilt.

Kein Geringerer als Alexei Ratmansky, der bereits legendäre Choreographien für internationale Opernhäuser entwickelte und als Gralshüter der russischen Ballett-Tradition gilt, schuf eng an der historischen Vorlage eine Neuinterpretation, die der Originalchoreographie sehr nahe kommt und das Grand Ballet des 19.Jahrhunderts mit seiner üppigen Pracht auferstehen lässt. Ein Ballettspektakel in großer Besetzung mit entzückenden Balletteinlage im Stil der französischen Opern des 17. und 18. Jahrhunderts, furiosen Gruppenauftritten und Elementen realer indischer Tänze.

12

Man erlebt in „La Bayadère“, 1877 in St. Petersburg zu Musik von Ludwig Minkus uraufgeführt, eine opulente Revue wunderschöner Bilder und nicht nur tänzerische, sondern auch pantomimische Glanzleistungen des Ensembles, das noch durch 40 Eleven der Staatlichen Ballettschule und Statisten verstärkt wurde.

Es geht um eine Dreiecksgeschichte, die in einem imaginären, romantisch verklärten Indien spielt, so, wie man es sich offenbar im 19.Jahrhundert vorgestellt hatte. Der ruhmreiche Krieger Solor (Alejandro Virelles) liebt die Tempeltänzerin Nikia (zur Premiere Polina Semionva) , ist aber Gamsatti (Yolanda Correa),  der Tochter des Radschas versprochen, die nun mit Intrige und Verrat die Konkurrentin ausschalten will.

Eine banale Geschichte aber hinreißend garniert mit farbenfrohen Kostümen, einem prunkvollen Bühnenbild und bombastischen Gruppenszenen. Jérome Kaplan entführt in eine opulent-exotische indische Welt und hat mit viel Liebe zum Detail prächtige Kostüme für 164 Partien gestaltet.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Ein Augenschmaus der besonderen Art das schier endlose Defilee der Priester, Bajaderen, Schlangenbeschwörer, Sklavinnen, Tempeldienerinnen, Sänftenträger zur Feier einer Gottheit. Neben einem prunkvollen Tempel und einem Palast, der am Ende einstürzt, sorgt auch ein drei Meter hoher, originalgetreuer Elefant und ein erlegter Tiger für authetnisches Ambiente. Natürlich darf ein ekstatischer Fakir (Vladislav Marinov ) nicht fehlen.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Auch die Staatskapelle unter Leitung von Victorien Vanoosten brilliert bei den stilistisch verschiedenartigen, sehr eingängigen Melodien.

Gänsehautmoment und zweifellos der emotionale und künstlerische Höhepunkt ist „Das Königreich der Schatten“. Wenn vor einer düsteren Unterweltskulisse 32 Ballerinen als Seelen der Verstorbenen ihre Arabesques zelebrieren und das liebende Paar Nikia und Solor im krönenden Pas de deux zueinanderfindet ist man von so viel makelloser Schönheit einfach überwältigt.

schatten2

Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

LA BAYADERE

Ballett in vier Akten mit Apotheose Musik von Ludwig Minkus eingerichtet von Lars Payne und Gavin Sutherland

Choreographie: Marius Petipa Rekonstruktion und ergänzende Choreographie: Alexei Ratmansky Bühne und Kostüme: Jérôme Kaplan Licht: Linus Fellbom

Es tanzen Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin

Die Hauptpartien sind in drei verschiedenen Besetzungen zu erleben:

  1. Januar 2019: Polina Semionova als Nikia, Alejandro Virelles als Solor, Yolanda Correa als Gamsatti10. November, 26., 28. Dezember 2018, 9. Februar 2019: Anna Ol als Nikia, Daniil Simkin als Solor, Evelina Godunova als Gamsatti15. Dezember 2018, 2. Februar 2019: Ksenia Ovsyanick als Nikia, Marian Walter als Solor, Aurora Dickie als Gamsatti

www.staatsballett-berlin.de

Kommentar hinterlassen zu "„La Bayadère“ – zauberhafte Wiederentdeckung aus dem 19.Jahrhundert"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*