„Celis / Eyal“ – eine neue Ballett-Dimension

Ein spektakulärer Auftakt des Staatsballetts mit  „Half Life“ . Foto: Ingrid Müller-MertensEin spektakulärer Auftakt des Staatsballetts mit „Half Life“ . Foto: Ingrid Müller-Mertens

von Katharina Zawadsky.

Zunächst sei gesagt: Ein klassisches Balletterlebnis sollte man nicht erwarten in der neuen Produktion des Staatballetts „Celis / Eyal“ in der Komischen Oper . Es ist ein Abend, der ganz klar und mitunter brutal am zeitgenössischen Tanz ausgerichtet ist. Die erste Premiere unter der neuen Intendanz von Johannes Öhmann und Sasha Waltz ab 2019/2020 . Das Staatsballett, das zwei heftig umstrittene Jahre unter der Leitung von Nacho Duato verkraften musste, begibt sich damit auf neues Terrain und wagt einen spektakulären Neuanfang, der offenbar programmatisch für die neue Ära sein soll. Weiter vom Klassischen Ballett kann man sich eigentlich nicht entfernen. Dass der Schwerpunkt nun eindeutig auf dem zeitgenössischen Ausdruckstanz liegen wird, ist mit Sasha Waltz als Co-Intendantin auch nicht anders zu erwarten.

Eröffnet wird der zweiteilige Abend mit „Your Passion is Pure Joy to Me“, von Stijn Celis der die Tanzperformance 2009 für die GöteborgOperans Danskompani kreierte. Die Musik spielt eine zentrale Rolle in dem Werk: neben dunkel-schönen Songs von Nick Cave stehen die kakophonischen Klangwelten der Avantgarde-Komponisten Pierre Boulez und Krzysztof Penderecki. So wie die Texte des australischen Musikers Cave, so fragen auch die sieben Tänzerinnen und Tänzer in ihrer Bewegungssprache nach der Möglichkeit, mit traumatischen Erfahrungen leben zu können und den Glauben an das Leben nicht zu verlieren.

Ganz anders dann der zweite Teil. Die israelische Choreographin Sharon Eyal – eine Ikone des zeitgenössischen Tanzes- kreiert zusammen mit ihrem Partner Gai Behar sie seit Jahren nicht nur Stücke für ihre eigene Kompanie „L-E-V“, sondern auch für andere Tanzensembles weltweit. In „Half Life“ lässt sie zu monotoner Techno-Musik androgyne Maschinenmenschen in synchronen Zuckungen agieren, die sich in scheinbar unendlichen Variationen wiederholen und den Tänzerinnen und Tänzern ein Höchstmaß an Einsatz, Kraft und Konzentration abverlangen. Und nicht nur den Agierenden, auch dem Publikum. Man gerät mehr und mehr in einen verstörenden Sog von totaler Anspannung und ekstatischer Auflösung. Das muss man aushalten können. Eine neue Dimension, die an die Grenzen geht aber auch – und vielleicht gerade deshalb – bewusstseinserweiternd wirkt, total vereinnahmt und fasziniert. Jubel und Standing Ovations.

Weitere Vorstellungen in der Komischen Oper Berlin  am 14., 16., 22., 29. September, 02., 05., 10. Oktober, 10., 18., 29. Dezember 2018, 28. Januar 2019

www.staatsballett-berlin.de

 

 

Kommentar hinterlassen zu "„Celis / Eyal“ – eine neue Ballett-Dimension"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*