Fassadengestaltung am Berliner Schloss beginnt

Die obersten Schichten der großen Wappenkartusche. © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Fotograf: Bertold JustDie obersten Schichten der großen Wappenkartusche. © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Fotograf: Bertold Just

Am Donnerstag hievte ein Kran an der Lustgartenseite des künftigen Berliner Schloss-Neubaus ein bedeutendes Puzzleteil der Fassadengestaltung an die bisher schmucklose Betonmauer. Ein entscheidender Schritt zur Vollendung begann. In fast 30m Höhe werden Einzelteile eines beeindruckenden Skulpturenkunstwerks aus Sandstein angebracht. Die sogenannte „Große Wappenkartusche“ bildete am Originalbau den Übergang von der Fassade des ursprünglichen Schlüter-Baus zu der westlich vorspringenden Wand, dem Eosanderrisalit, die sein Nachfolger Eosander von Göthe (1669-1728) gebaut hat.

Die „Große Wappenkartusche“ ist eine der bedeutendsten barocken Sandsteinskulpturen an den rekonstruierten historischen Fassaden des Berliner Schlosses. Der Berliner Bildhauer Andreas Hoferick hat sie in zweijähriger Arbeit vollständig wiedererschaffen. Dazu wurde zunächst ein Modell im Maßstab 1:6 nach historischen Fotos und Aufzeichnungen gefertigt. Danach modellierte der Bildhauer ein Modell aus Ton, das wiederum in Einzelteilen abgegossen wurde. Daraus entstand das Gipsmodell in Originalgröße, also mit etwa 7 m Höhe und Breite sowie mit einer Tiefe von bis zu 2,40 m.. Die 16teilige Kopie der Skulptur aus Reinhardtsdorfer Sandstein hat ein Gesamtgewicht von ca. 88 Tonnen.

Was stellt die „Kartusche“ dar? Drei Putti, also Kinderengelsgestalten, helfen zwei Famen, das sind Engel, die die Gottheit des Ruhmes darstellen, das Wappenschild des Königs Friedrich I. (FR) im Mezzaningeschoss an der Fassade zu befestigen. Solche lebensbildlichen Darstellungen konkreter mythisch bedeutsamer Handlungen sind prägend für das Barock. Durch die Festons, die Blattgirlanden, und die Ornamentik verschmelzen hier Architektur und Bildwerk zu einer monumentalen Einheit.

Im Schloss-Neubau soll bis 2019 unter dem Namen Humboldtforum ein Kultur- und Museumszentrum entstehen. Die gesamte Fassade wird über Spenden finanziert. Da hapert es noch. Der Förderverein hat nach eigenen Angaben bisher 57 Millionen Euro Spenden verbucht, was etwas unter den Erwartungen liegt. Benötigt würden noch weitere 48 Millionen. Vielleicht bringt ja der Anblick der langsam in alter Pracht und Schönheit entstehenden Fassade wieder etwas frischen Wind in die Spendenbereitschaft.

 

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