Umgeparkt – Autos aus dem Depot

Seltene Oldtimer aus dem Depot in der Sonderausstellung des Deutschen Technikmuseums. Foto: SDTB / Foto: Clemens KirchnerSeltene Oldtimer aus dem Depot in der Sonderausstellung des Deutschen Technikmuseums. Foto: SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Das Deutsche Technikmuseum verfügt über mehr als 200 historische Autos. Nur etwa 30 davon sind dauerhaft in der Ausstellung „Mensch in Fahrt“ zu sehen, der größte Teil wird in den Museumsdepots sicher bewahrt und erhalten. Umbauarbeiten in den Depots bieten nun die einmalige Gelegenheit, für die Dauer eines halben Jahres 29 weitere Fahrzeuge aus der Sammlung zu präsentieren. Unter dem Motto „Umgeparkt – Autos aus dem Depot“sind sie noch bis zum 31.Juli im Sonderausstellungsbereich in der historischen Ladestraße des Deutschen Technikmuseums gezeigt.

Fahrzeuge von 1923 bis 1987

Die Bandbreite der Fahrzeuge reicht vom Brennabor Typ S 6 von 1923, einem der ersten in Deutschland am Fließband produzierten Wagen, über die experimentelle Elektroauto-Studie Ford Berliner aus dem Jahr 1968 bis hin zu dem Toyota Crown-Taxi von 1987, einem japanischen Alltagsauto. Weitere wichtige Objekte sind ein 1928 in Berlin produzierter Chrysler Typ 52, ein stromlinienförmiger Adler Autobahn von 1939 und ein Tempo-Dreirad aus der Wirtschaftswunder-Zeit.

Blick in die Ausstellung. SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Blick in die Ausstellung. SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Mehr als Auto-Geschichte(n)

Die ausgewählten Automobile stehen dabei nicht nur für technische Meilensteine. Manche geben auch sozialgeschichtliche Einblicke, wie beispielsweise drei DKW-Autos aus den 1930er Jahren: Mit einer kunst-lederüberzogenen Sperrholzkarosserie und angetrieben von einem Zweitaktmotor mit nur 20 PS zeigen sie die damals einfachste Form der Automobilität. Mit der Citroën DS hingegen ist ein Auto zu sehen, dessen skulpturale Linien 1955 von dem italienischen Bildhauer und Designer Flaminio Bertoni  gezeichnet wurden. Der Name der DS klingt ausgesprochen wie das französische Wort für Göttin, déesse. Tatsächlich sorgte dieses elegante Kult-Auto damals als vierrädrige Design-Göttin vor allem unter Intellektuellen für Furore.

Einen Aspekt der Wirtschaftsgeschichte verdeutlicht der Ford B von 1932 mit seiner für damalige Verhältnisse revolutionären Ganzstahlkarosserie. Diese Technik erforderte viel Know-how und hohe Investitionen in Maschinen und Werkzeuge. Dies wiederum führte dazu, dass sich bestimmte Firmen auf die Herstellung von Automobil-Karosserien spezialisierten. Sie belieferten selbst große Auto-Unternehmen wie den deutschen Ford-Ableger. Eine dieser Zulieferfirmen war das amerikanisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen Ambi-Budd in Berlin, das auf Edward G. Budd, den US-amerikanischen Pionier dieser Technik zurückgeht.


Auch die Weltpolitik spiegelt sich in manchen der gezeigten Fahrzeugen wider, etwa beim EMW 340 – der ostdeutschen „Beinahe-Kopie“ eines BMW-Vorkriegswagens. Die Produktionsanlagen von BMW waren 1945 im thüringischen Eisenach verblieben, in der schwierigen Gemengelage des kalten Krieges war es dem Münchner Unternehmen erst 1952 möglich, seine Urheberrechte durchzusetzen.

Restaurieren und Erforschen

Mit „Umgeparkt – Autos aus dem Depot“ gibt das Museum zudem einen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen. Die Automobile werden in den Depots nicht einfach nur „abgestellt“, sie werden geschützt – zum Beispiel gegen Insektenbefall der Innenräume – und erforscht. Auch verschiedene Ansätze zum Thema Restaurierung werden an den Fahrzeugen verdeutlicht:

Fiat Topolino. Foto: SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Fiat Topolino. Foto: SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Manche sehen wieder aus wie neu, andere haben noch ihre historischen Lacke oder werden bewusst mit Spuren von Nutzung und Vernachlässigung gezeigt. Ein wichtiger Aspekt in der musealen Aufarbeitung der Autosammlung des Museums wird künftig auch die Provenienzforschung sein, die sich der Klärung der Herkunft und Besitzgeschichte der Objekte widmet. Vor allem in der Anfangszeit des Museums, in den 1980er Jahren, kamen viele Fahrzeuge durch Schenkung oder Ankauf in die Sammlung, bei denen die Vorbesitzer nicht immer vollständige Angaben zu Herkunft und Geschichte machen konnten. Diese Lücke soll ein langfristig angelegtes Forschungsprojekt schließen, das in den kommenden Wochen startet und jedes vor 1945 gebaute Auto aus den Beständen des Museums in den Blick nimmt.

 

Umgeparkt – Autos aus dem Depot

 Deutsches Technikmuseum l Ladestraße, Sonderausstellungsbereich l
Zugang über Möckernstraße 26, 10963 Berlin l
Di-Fr: 9-17:30 Uhr l Sa, So, Feiertage: 10-18 Uhr l Montag geschlossen

 

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