„Märchen im Grand Hotel“ – Weihnachtsbonbon an der Komischen Oper Berlin

Sarah Bowden singt, tanzt und stept  durch das "Märchen im Grandhotel" in der Komischen Oper. Foto: Robert ReckerSarah Bowden singt, tanzt und stept durch das "Märchen im Grandhotel" in der Komischen Oper. Foto: Robert Recker

Beim nun schon traditionellen weihnachtlichen „Operettenbonbon“ der Komischen Oper Berlin, hat sich die Geschmacksrichtung verändert. Nachdem Hausherr Barrie Kosky fünf Jahre lang die Operettenfreunde – und nicht nur die – mit den betörend süßen Klängen des österreich-ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán (1882-1953) beglückt hat, sorgen nun Charleston, Quickstep, Tango und Jazz für genussvollen Augen- und Ohrenschmaus. Denn auch wenn die Stücke der Weihnachtsoperettenreihe „nur“ konzertant aufgeführt werden, sind sie an szenischer Gestaltung und darstellerischer Qualität nicht zu übertreffen. Und vielleicht gerade in dieser, auf das Wesentliche fokussierten Fassung, so besonders eindrucksvoll.

Talya Lieberman und Tom Eric Lie. Foto: Robert Recker

Talya Lieberman und Tom Eric Lie. Foto: Robert Recker

Den Anfang der neuen fünfteiligen Weihnachtsoperetten-Ära des jüdisch-ungarischen Komponisten Paul Abraham (1892-1960) macht die Lustspieloperette „Märchen im Grandhotel“. Die 1934 in Wien uraufgeführte Musikrevue ist eine vergnügliche Mischung aus Hollywood, Hochadel und Hotelambiente und spielt lustvoll mit den Klischees des Genres. Offenbar angeregt durch den Erfolg des 1932 verfilmten Romans von Vicki Baum „Menschen im Hotel“.

Max Hopp und Sarah Bowden. Foto: Robert Recker

Max Hopp und Sarah Bowden. Foto: Robert Recker

Die musikalische Ausstattung ist eher dürftig, die Handlung simpel: Der tollpatschige Kellner Alfred im Grand Hotel in Cannes verliebt sich in die aus Spanien vertriebene Infantin Isabella, während Marylou, die Tochter eines Filmproduzenten,  Geschichten über den durch die Revolution von 1918 entmachteten europäischen Hochadel als Hollywood-Sujet entdeckt. Nach diversen, hinreißend in Szene gesetzten Verwicklungen kommt es dann zur allgemeinen Freude zum Happyend zwischen Prinzessin und dem Kellner, der sich dann – niemanden verwundert´s – auch noch als echter Prinz entpuppt.

Bedauerlicherweise ist dieses Glanzstück der heiteren Muse nur in zwei Vorstellungen zu erleben. Die erste war bereits am 17.Dezember, für die zweite am 30.12. kann man vielleicht noch Restkarten ergattern. Sehr schade, denn der von Barrie Kosky inszenierte Abend ist überaus vergnüglich und darstellerisch umwerfend. Max Hopp, am Abend zuvor noch der frenetisch gefeierter Tevje in „Anatevka“, brilliert als witziger Conferencier und verliebter Zimmerkellner Albert. Ebenso Talya Lieberman als Infantin in einer reizenden Mischung aus aristokratischem Dünkel und stinknormaler Verliebtheit, Johannes Dunz als snobistischer Prinz Andreas Stephan mit tenoraler Strahlkraft und natürlich Sarah Bowden als Marylou, die nicht nur mit der passenden Jazz-Stimme überzeugt, sondern auch mit rasanten Tanz- und Step-Einlagen das Publikum von den Sitzen reißt. Urkomische Überraschung des Abends ist Tom Eric Lie in zwei verschiedenen Rollen: Als umwerfend exaltierte Gräfin und nobler Grandseigneur á la Johannes Heesters. Für den nötigen musikalischen Schmiss sorgt Abraham-Spezialist Adam Benzwi mit dem Orchester des Hauses und das Lindenquartett – eine gelungene Kopie der Comedien-Harmonists.

Jammerschade, dass dieser Operettenleckerbissen eine so exklusive Kreation ist.  Aber sonst wäre es ja schließlich auch kein „Weihnachtsbonbon“.

Am 31. 12. überträgt Deutschlandfunk Kultur ab 20:10 Uhr den Mitschnitt der Premiere.

www.komische-oper-berlin.de

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