„Heute Nacht oder nie“ – frivol und melancholisch

„Heute Nacht oder nie“ – zumindest in der Komischen Oper. Bild: Ingrid Müller-Mertens„Heute Nacht oder nie“ – zumindest in der Komischen Oper. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Und wieder einmal wird in der Komischen Oper eine verblüffende Überraschung aus dem Hut gezaubert. Magier und Intendant Barrie Kosky macht´s möglich. Nach den Operettenerfolgen „Clivia“, „Ball im Savoy“ oder der musikalischen Komödie „Eine Frau, die weiß, was sie will!“, scheint nun die Zeit und das Publikum reif zu sein, für eine der knisternden, frivolen und bissigen satirischen Kabarett-Revuen der Weimarer Republik.

„Heute Nacht oder nie“ ist aber vor allem auch eine Hommage an Mischa Spoliansky, der „in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Max Reinhardts berühmtem Kabarett ‚Schall und Rauch‘ musizierte und komponierte. „Elegisch und ironisch, zynisch bitter und schmeichelnd kapriziös“ nennt die Zeitung Weltbühne 1928 Spolianskys bittersüße Walzer und Tangos. Nach der Machtübernahme der Nazis, die er in so manchem Lied verspottet hatte, musste der russisch-jüdische Mischa Spoliansky fluchtartig seine Wahlheimat Berlin verlassen. .Er stirbt 1985 im Alter von 86 Jahren in London, wo er bald zu einem der wichtigsten Filmkomponisten wurde und den Soundtrack zu mehr als 50 Kinofilmen lieferte.

In Deutschland ist Mischa Spoliansky weitgehend in Vergessenheit geraten. Nun ist er zurückgekehrt mit einer opulenten Revue, arrangiert für großes Orchester und natürlich mit den perfekten Akteuren. Und wer wäre da ncht prädestinierter als die Geschwister Pfister (Christoph Marti, Tobias Bonn und Andreja Schneider), die gemeinsam mit Regisseur Stefan Huber, Dirigent Kai Tietje, Schauspieler Stefan Kurt und den Ensemblemitgliedern Mirka Wagner, Johannes Dunz und Christoph Späth die typische Berliner Kabarett-Revue der Weimarer Republik in all ihren frivolen, melancholischen und mitunter auch drastischen Facetten wieder auferstehen lassen. Darunter das pikante Couplet „Wenn die beste Freundin“, durch Marlene Dietrichs Vortrag dereinst Schlager der Saison, wie auch der Welthit „Heute Nacht oder nie“oder der laszive Boston-Waltz „Morphium“, geschrieben für die damals als Nackttänzerin und Bourgeoisie-Schreck gefeierte Anita Berber.

Die bisweilen bittersüße aber auch bitterböse turbulente Nummern-Revue ist allerdings nicht als rein nostalgischer Spass gedacht. Das Publikum muss sich einlassen und ein Feeling entwickeln für den Zeitgeist der „Wilden Zwanziger“, die politische Brisanz und die gesellschaftlichen Widersprüche. Letzten Endes bietet „Heute Nacht oder nie“ dann doch eher weichgespültes, liebevolles Zeitkolorit.

Informationen unter : www.komische-oper-berlin.de

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