Die „Goldene Viktoria“ in Berlin verliehen

Die "Goldene Viktoria" - begehrte Auszeichnung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Foto: VDZDie "Goldene Viktoria" - begehrte Auszeichnung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Foto: VDZ

Fünfunddreißig Zentimeter ist sie hoch und ein Kilogramm schwer, die Statuette der Goldenen Viktoria, die alljährlich im Rahmen der Tagung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bei der VDZ „Publishers Night“ an verdiente Persönlichkeiten in den Kategorien Europäische Idee, Unternehmer des Jahres, Pressefreiheit und Lebenswerk verliehen wird. Ein bedeutendes Medienevent mit den wichtigsten Repräsentanten aus Politik, Medien, Gesellschaft und Wirtschaft, das am Montagabend in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom stattfand.

Wolf Biermann bei seiner Dankesrede. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Wolf Biermann bei seiner Dankesrede. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Die Auszeichnung für das Lebenswerk ging in diesem Jahr an den Liedermacher Wolf Biermann. Mit der Siegesgöttin würdigte der VDZ seinen außergewöhnlichen Weg als Musiker und seine damit untrennbar verbundene Auflehnung gegen politisches Unrecht. Der in Hamburg geborene Liedermacher siedelte mit sechzehn Jahren 1953 als Kind kommunistischer NS-Widerstandskämpfer in die DDR über. 1965 wurde ein Totalverbot über ihn verhängt – er wurde Tag und Nacht überwacht –, doch der Dichter beugte sich den Repressalien nicht.

Peter Maffey gratuliert Wolf Biermann. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Peter Maffey gratuliert Wolf Biermann. Foto: Ingrid Müller-Mertens

1976 wurde er gegen alle Rechtsnormen ausgebürgert. Dieser Willkürakt führte zu einer ungeahnten Protestwelle in West-, insbesondere in Ostdeutschland: Zahlreiche Menschen wurden verhaftet, viele ostdeutsche Künstler und Intellektuelle verließen die DDR. Der Plan der SED-Führung, sich einer ungeliebten Stimme zu entledigen, bewirkte das Gegenteil: Biermanns Bekanntheit und Einfluss wuchsen kontinuierlich.

Ensaf Haidar. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Ensaf Haidar. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Besonders bewegend war die Auszeichnung für die saudi-arabische Menschenrechtsaktivistin Ensaf Haidar mit der „Goldenen Victoria 2017“ für Pressefreiheit . Haidar kämpft seit 2013 als Buchautorin, Stiftungsleiterin und Rednerin für Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit in Saudi-Arabien und weltweit.

Ihre Veröffentlichungen, Auftritte und Aufrufe haben der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien gestiegene Aufmerksamkeit verschafft und wecken Hoffnung auf ein größeres Engagement der internationalen Gemeinschaft. Ensaf Haidar ist die Ehefrau des liberalen Bloggers Raif Badawi, der in Saudi-Arabien wegen Verunglimpfung der Religion seit fünf Jahren in Haft ist und dessen Schicksal der tragische Ausgangspunkt des Engagements der Preisträgerin war. Neben ihrem allgemeinen Engagement für Menschenrechte zeigt sich Ensaf Haidar unermüdlich im Kampf für die Freilassung ihres Mannes. Eine „Goldene Viktoria“ in der Kategorie Unternehmer des Jahres erhielt EDEKA-Chef Markus Mosa.

Laudator Hermann Bühlbecker gratuliert Markus Mosa. Foto: VDZ

Laudator Hermann Bühlbecker gratuliert Markus Mosa. Foto: VDZ

Nach Meinung der Jury verankerte er die Marke EDEKA mit innovativen Marketingkampagnen als gleichermaßen traditionsbewusst wie zeitgemäß im Bewusstsein der Kunden. Das genossenschaftlich-dezentral organisierte Unternehmen agiert in einem umkämpften Marktumfeld außerordentlich erfolgreich: Die rund 11.200 EDEKA- und Netto Marken-Discount-Märkte erzielten 2016 einen Umsatz von 49,6 Mrd. Euro. Darüber hinaus zählt das Unternehmen mit über 16.000 Auszubildenden zu den größten Ausbildern in Deutschland.

Laudator Roland Jahn gratuliert Daniel Röder zur "Goldenen Victoria 2017 – Europäische Idee" . Foto: Ingrid Müller-Mertens

Laudator Roland Jahn gratuliert Daniel Röder zur „Goldenen Victoria 2017 – Europäische Idee“ . Foto: Ingrid Müller-Mertens

An die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ ging die „Goldene Victoria 2017“ für die Europäische Idee. „Das Bündnis verdient die Auszeichnung auf Grund seines couragierten Engagements für das europäische Projekt und dessen Werte Frieden, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in einer Zeit zunehmender politischer Polarisierung“, so das Präsidium des VDZ. Die durch die Bewegung neu entfachte Freude am europäischen Gedanken fand ihren Ausdruck in pro-europäischen Kundgebungen in über 100 Städten in 21 Ländern. Seit dem ersten Treffen in Frankfurt am Main im November 2016 kommt bei den regelmäßigen Zusammenkünften die Zuversicht zum Ausdruck, das europäische Einigungsprojekt letztlich zum Vorteil aller gestalten zu können: „Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die europäische Idee glaubt und sie nicht nationalistischen und protektionistischen Tendenzen opfern möchte“, so „Pulse of Europe“-Gründer Daniel Röder. Den einfachen Antworten der Populisten setzt „Pulse of Europe“ eine positive Botschaft entgegen: Europa braucht mehr als funktionierende Institutionen.

Fot: Pulse of Europe

Fot: Pulse of Europe

Es braucht eine emotional verbundene, solidarische Zivilgemeinschaft. „Pulse of Europe ist ein Paradebeispiel für überparteiliches Engagement aus der Mitte der Gesellschaft. Die Botschaft erreicht die Menschen genau dort, wo sie beim Thema Europa erreicht werden müssen: Im Herzen und im Kopf“, so die Einschätzung der Jury.

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