Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien – Eine Entdeckung

Wenzel Hablik, Sternhimmel,1913, Öl auf Leinwand, (Ausschnitt) © Wenzel-Hablik-Stiftung, ItzehoeWenzel Hablik, Sternhimmel,1913, Öl auf Leinwand, (Ausschnitt) © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe
Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis, 1918/23/24. © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis, 1918/23/24.
© Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881-1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Hablik gilt als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Für sein utopisches Architekturkonzept ist er bis heute international bekannt.

Scheinen die Wege der Kunst der Moderne weitgehend erforscht, so bietet sein Werk immer noch Überraschendes. Im Fokus der Berliner Ausstellung stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin.

Festsaal. © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Festsaal. © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Mit Berlin ist Hablik in besonderem Maße verbunden. Hier beteiligt er sich an Ausstellungen der Berliner Secession, präsentiert 1912 in der Galerie »Der Sturm« von Herwarth Walden seinen ersten druckgrafischen Zyklus „Schaffende Kräfte“ neben Werken von Picasso, Kandinsky, Kokoschka und Gauguin. 1919 nimmt er auf Einladung von Walter Gropius an der »Ausstellung für unbekannte Architekten« des Arbeitsrates für Kunst teil und wird kurz darauf dessen Mitglied.

Als Teil der Briefgemeinschaft „Gläserne Kette“ steht Hablik mit Walter Gropius, Bruno Taut sowie weiteren Architekten und Malern im regen Austausch über utopische Architekturideen; darunter auch Hermann Finsterlin, Hans und Wassili Luckhardt, Hans Scharoun und Max Taut. Mit ihnen nimmt Hablik im Mai 1920 auch an der der Ausstellung „Neues Bauen“ im Graphischen Kabinett Neumann in Berlin teil.

Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Seine Werke zeichnen sich durch eine bis heute überraschend zeitgemäße Formensprache aus.

Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien

Martin-Gropius-Bau noch bis 14. Januar 2018

www.berlinerfestspiele.de

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