Kate und William in Berlin

Herzog und Herzogin von Cambrigde beim Treffen mit Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier und Gattin. Foto. Ingrid Müller-MertensHerzog und Herzogin von Cambrigde beim Treffen mit Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier und Gattin. Foto. Ingrid Müller-Mertens

Kaiserwetter in Berlin. Es konnte nicht schöner sein, als die Lieblinge der bunten Blätter,  Kate und William mit ihren Kindern George (3) und Charlotte (2) am gestrigen Mittwoch für einen dreitägigen Besuch deutschen Boden betreten. Aber der Besuch des Herzogs und der Herzogin von Cambrigde ist eben nicht nur ein Highlight für die Boulevardpresse und viele Schaulustige. In Zeiten des Brexit wohl eher eine Charmeoffensive des britischen Königshauses und ein diplomatischer Schachzug in der außen- und innenpolitisch gerade etwas schwierigen Phase. 4Und wer könnte dafür besser geeignet sein, als die Sympathie- und Hoffnungsträger der Windsors, Prinz William (35), der Lieblingsenkel der Queen und Nummer zwei der britischen Thronfolge, sowie seine attraktive Frau Catherine samt ihren beiden niedlichen Kindern.

Königin Elizabeth II. 2015 zusammen mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Königin Elizabeth II. 2015 zusammen mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Zumal die Queen aufgrund ihres Alters keine Auslandsreisen mehr machen will. Bei ihrem letzten Staatsbesuch im Jahre 2015 hat sie sich sozusagen von Deutschland verabschiedet. Mit dem Besuch des Herzogpaares ist nun der Startschuß gegeben für die Stabübergabe an die junge Generation. Zwar kein offizieller Staatsbesuch aber eine Visite mit politischen Dimensionen bei optimaler Medienwirksamkeit und enormem Glamourfaktor. Auch das Outfit ist angemessen: Königliches Blau, das man auch als Europa-Blau werten kann und damit als ein deutliches Statement..

Zum Auftakt ihres Deutschlandbesuchs spazierte das Herzogspaar durch das Brandenburger Tor, begrüßt von vielen begeisterten, Fähnchen schwenkenden Zuschauern. Beide schütteln freundlich entgegengestreckte Hände, was besonders gut ankommt. Das Paar möchte aber auch mehr über den Holocaust und das deutsche Gedenken daran erfahren und besuchte daher das Holocaustmuseum und die Gedenkstätte.

Einen Austausch über die deutsch-britischen Beziehungen gab es mit der Bundeskanzlerin zum Mittagessen und etwas später dann Tea Time beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. 8Man fährt vor im schwarzen Jaguar mit der Standarte des Herzogs und einer Motorrad-Eskorte. Aufwendige militärische Ehren gibt es nicht, das ist schließlich kein Staatsbesuch. Die Kinder sind beim offiziellen Programm nicht dabei.10_1

Der Herzog und die Herzogin von Cambridge engagieren sich seit langem für Projekte zur Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Deshalb stand mit dem Projekt „Straßenkinder e.V.“ ein Besuch in Marzahn auf dem auf dem Programm, bei dem sie sich über das Engagement des Vereins zur Förderung junger Menschen, darunter auch Obdachlose und Flüchtlinge, aus benachteiligten Verhältnissen informieren. Auch mit Teresa Enke gibt es eine längerr Unterhaltung. Die Witwe des Torhüters, der sich 2009 das Leben nahm, hat eine Stiftung gegen Depressionskrankheiten gegründet. Ein Thema, für das sich das Herzogspaar sehr engagiert, vor allem gegen das Tabu, darüber zu sprechen.

Wie aus der britischen Botschaft verlautet, möchten der Herzog und die Herzogin verschiedene Facetten des Landes kennenlernen und verstehen, warum Deutschland und vor allem Berlin besonders auf junge Menschen so eine enorme Anziehungskraft ausübt. Britische Touristen bilden hier momentan die größte ausländische Besuchergruppe.

Botschafter Sir Sebastian Wood. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Botschafter Sir Sebastian Wood. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Neben einem durchorganisierten Besuchsprogramm in Berlin, Heidelberg und Hamburg nimmt das Herzogspaar dann am ersten Abend an der alljährlichen Gartenparty zu Ehren des Geburtstages von Königin Elizabeth II. in der Residenz des britischen Botschafters Sir Sebastian Wood teil.

Die schöne, elegante Kate und der smarte Prinz sorgen für Entzücken der illustren Gäste. 9Hier erfolgt auch die einzige offizielle Rede des Prinzen bei diesem Deutschlandbesuch. Das Wort Brexit wird dabei konsequent vermieden. Hingegen ist viel von Freundschaft und gemeinsamen Werten die Rede.

Das Paar hat sich gewünscht, vor allem junge Menschen zu treffen. Und so wird es heute nach der Rückkehr aus Heidelberg eine zweite Party geben. Bei einem Empfang im Altberliner Tradtionslokal „Clärchens Ballhaus“ sollen sie einen Einblick in die Kreativszene der deutschen Hauptstadt zu bekommen und mit in Berlin tätigen Designern, Künstlern, Schauspielern und kreativen Köpfen aus Start-ups aus aller Welt über deren Arbeit sprechen. Clärchens Ballhaus erzählt ein Stück der Stadtgeschichte, verbindet das alte und neue Berlin und bietet einen originellen Rahmen, die deutsch-britischen Kulturverbindungen zu feiern. Die als DJane Goldierocks bekannte Britin Sam Hall sorgt für den passenden Sound.

 

Rede des Herzogs von Cambridge am 19. Juli 2017 in Berlin 

Vielen Dank, Herr Botschafter. Guten Abend, meine Damen und Herren.

Es ist Catherine und mir ein Vergnügen, heute hier den Geburtstag meiner Großmutter, Ihrer Majestät der Königin, mit Ihnen zu feiern. 

Es ist knapp ein Jahr her, dass ich in Deutschland war, um das 70-jährige Bestehen des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und die Rolle Großbritanniens bei seiner Gründung zu würdigen. Ich freue mich, so bald danach wiederkehren zu können – diesmal mit Catherine, George und Charlotte.Wir haben schon einen faszinierenden ersten Tag hier in Berlin hinter uns. Wir haben eindringliche Symbole für die historischen Ereignisse gesehen, die das moderne Deutschland mit geprägt haben, und mit denen gesprochen, die dieses Erbe heute weitertragen. Ich danke Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzlerin Merkel für das herzliche Willkommen. 

Wir haben die Stadt auch jenseits der Denkmäler und Korridore der Macht erlebt. Heute Nachmittag waren wir beim Projekt Straßenkinder in Ostberlin, das obdachlose Kinder und Jugendliche unterstützt. Es erinnert uns daran, welche Schwierigkeiten die Schwächsten der Gesellschaft selbst in wohlhabenden Ländern wie Großbritannien und Deutschland haben können und dass es sinnvoll ist, sich Beispiele für bewährte Praktiken im jeweils anderen Land anzuschauen. Wir freuen uns darauf, während unseres Aufenthalts noch mehr von dieser großartigen Stadt zu sehen. Aber wir möchten Deutschland auch über die Hauptstadt hinaus kennen und verstehen lernen. Deshalb reisen wir morgen nach Heidelberg und am Freitag nach Hamburg.

Unser Besuch wird die starken und weitreichenden Verbindungen zwischen Großbritannien und Deutschland widerspiegeln und, wie ich hoffe, weiter festigen. Solche Verbindungen gibt es unter anderem auf der Ebene von Politik, Kultur, Geschichte, Handel, Sport, Bildung und Wissenschaft. Das Vereinigte Königreich und Deutschland sind stolz auf ihre gemeinsamen Werte als offene und demokratische Gesellschaften, und sie sind gleichermaßen entschlossen, diese Werte zu vertreten und zu verteidigen – nicht zuletzt durch unsere sehr enge Verteidigungs- und Sicherheitspartnerschaft. Heute teilen wir das fundamentale Interesse am Frieden und Wohlstand des Kontinents Europa, zu dem wir beide gehören. 

Diese Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland ist wirklich wichtig. Sie ist das Produkt einer langjährigen engen Zusammenarbeit. Sie wird trotz der britischen Entscheidung, aus der Europäischen Union auszutreten, Bestand haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir beste Freunde bleiben werden.  In dieser Gewissheit freue ich mich besonders, dass die britische und die deutsche Regierung vereinbart haben, ihre Mittel für die UK-German Connection, unsere  bilaterale Initiative für Schul- und Jugendkontakte, zu verdoppeln. Die UK-German Connection wurde 2004 nach dem Staatsbesuch der Königin in Deutschland ins Leben gerufen und fördert ein breites Spektrum von britisch-deutschen Aktivitäten, Netzwerken und Projekten von Schulen und Jugendgruppen. Die Jugendlichen von heute sind die Führer von morgen, und wir wollen Freundschaften zwischen unseren jungen Menschen ermöglichen, die ein Leben lang halten. 

Ich möchte gern mit einer Botschaft meiner Großmutter, der Königin, schließen, die sie Ihnen allen zu diesem Abend übermittelt und die ich in ihrem Auftrag verlese: 

Prinz Philip und ich senden Ihnen allen, die Sie hier bei dieser besonderen Gartenparty anlässlich des offiziellen Besuchs des Herzogs und der Herzogin von Cambridge in Deutschland versammelt sind, unsere herzlichsten Grüße. Wir haben schöne Erinnerungen an unsere fünf Staatsbesuche in Deutschland, von unserem ersten 1965 bis zu unserem jüngsten 2015. Die britisch-deutschen Beziehungen sind in diesen fünfzig Jahren gewachsen und gediehen, und sie ermöglichen es uns, gemeinsam die Herausforderungen anzugehen und die Chancen zu nutzen, die das 21. Jahrhundert mit sich bringt. Ich freue mich, dass der Herzog und die Herzogin von Cambridge bei ihrem Besuch in Berlin, Hamburg und Heidelberg die Schönheit dieses Landes und die Herzlichkeit seiner Menschen erleben werden. 

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Abend.

 

 

 

 

 

 

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