„Goldener Bär“ für „Fuocoammare“

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Der rote Teppich auf dem Potsdamer Platz in Berlin wird wieder eingerollt. Die Berlinale, eines der weltweit bedeutendsten Filmfestivals, ist mit der Preisverleihung am Samstag nach einer besonders erfolgreichen Saison zu Ende gegangen. Berlinale-Chef Dieter Kosslick konnte sich über außergewöhnliche Wettbewerbsfilme freuen und sich neben den zahlreicher Weltstars wie George Clooney, Judge Law, Colin Firth, Tilda Swinton, Isabelle Huppert, Gérard Depardieu, Emma Thompson und vielen anderen auf dem roten Teppich sonnen. Sein bester Coup war sicher die Besetzung des Jury-Präsidiums mit der dreifachen Oscargewinnerin Meryl Streep (66), eine der am häufigsten ausgezeichneten und beliebtesten Schauspielerinnen ihrer Generation.

Natürlich machte das brennende Thema unserer Tage, die Flüchtlingskrise, auch vor der Berlinale nicht halt. Insofern war zu erwarten, dass „Fuocoammare“ (deutsch: „Feuer auf See“) war des Italieners Gianfranco Rosi ganz oben auf der Favoritenliste für den Hauptpreis stand. Und so ging erstmals seit 60 Jahren der „Goldene Bär“ an einen Dokumentarfilm. Ein bewegendes Echtzeitdokument, dass die Gefühlswelt der Bewohner und Flüchtlinge von Lampedusa in den Mittelpunkt stellt- jener Insel, die zum Sinnbild für die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer geworden ist. Rosi erzählt in teils schonungslosen Bildern vom Flüchtlingselend auf der Insel und den unerträglichen psychischen Belastungen der Inselbewohner. Die Arbeit an „Fuocoammare“ bezeichnete er als seine bisher schwerste. „Ich musste entscheiden, ob ich den Tod zeige. Der Tod kam ja zu mir. Ich wollte bei der Rettung einiger Flüchtlinge dabei sein. Aber nicht alle haben die Flucht übers Meer überlebt“, sagte er. “ Ich denke, was derzeit passiert, ist nach dem Holocaust eine der größten Tragödien der Menschheit.“ Den Film sieht er nicht als Anklage, sagte der Filmemacher. „Mein Film hat ein politisches Thema, aber er gibt keine Antworten.“ In seiner Dankesrede sagte der 54jährige: „Ich widme diesen Preis den Menschen von Lampedusa, die ihr Herz den Menschen öffnen, die dort ankommen“.

Im Wettbewerb um den Goldenen und mehrere Silberne Bären waren insgesamt 18 Filme. Den Silbenen Bären in der Kategorie beste Darstellerin erhielt die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm. Die 43-Jährige  spielt die Hauptrolle in Thomas Vinterbergs Film „Die Kommune“. Als bester Darsteller wurde Majd Mastoura  für das Drama Hedi von Mohamed Ben Attia geehrt.  Für die beste Regie wurde die Französin Mia-Hansen-Løve ausgezeichnet, die das Frauendrama „L’avenir“ in Szene gesetzt hat.

Mit dem achtstündigen „A Lullaby to the Sorrowful Mystery“ des philippinischen Regisseurs Lav Diaz war der längste, je im Wettbewerbsprogramm gezeigte Film zu sehen. Er erhielt den Alfred-Bauer-Preis, der in Erinnerung an den Berlinale-Gründer für einen Film vergeben wird, der neue Perspektiven eröffnet.

Der Große Preis der Jury ging an „Tod in Sarajewo“ des Bosniers Danis Tanovi . Für das beste Drehbuch wurde der Pole Tomasz Wasilewski geehrt, der bei „United States of Love“ auch selbst Regie führte. Als herausragende künstlerische Leistung würdigte die Jury die Kamera des Taiwanesen Mark Lee Ping Bing im Film „Crosscurrent“.

Die beiden deutschen Beiträge gingen bei den Hauptpreisen leer aus, konnten aber Preise unabhängiger Jurys mitnehmen. Das vielbeachtete und hochfavorisierte Abtreibungsdrama „24 Wochen“ der Erfurter Regisseurin Anne Zohra Berrached erhielt den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Doris Dörries poetischer Spielfilm „Grüße aus Fukushima“ wurde mit dem Preis des Internationalen Verbands der Filmkunsttheater (CICAE) gewürdigt. Die „Tagesspiegel“-Leserjury sah die tschechisch-französische Produktion „Nikdy nejsme sami“ (We Are Never Alone) von Petr Vaclav vorn. Bereits am Freitagabend war der österreichische Film „Kater“ von Regisseur Händl Klaus beim 30. Teddy Award, dem schwul-lesbischen Filmpreis, als bester Spielfilm ausgezeichnet worden.

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