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„GLÜCK AUF!“ ZWISCHEN SCHWARZATAL UND „THÜRINGER MEER“

VonRedaktion

Aug 7, 2023

Die Burgruine „Hoher Schwarm“, einst Stadtburg der Grafen von Schwarzburg, ist ein Wahrzeichen der „Steinernen Chronik Thüringens“

Von Hans-Peter Gaul

Etwa 300 km südlich von Berlin empfängt uns der Ostthüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zwischen wildromantischem Schwarzatal und der fjordähnlichen Landschaft am „Thüringer Meer“ erwartet die Besucher hier rund um das Städtedreieck Saalfeld-Rudolstadt-Bad Blankenburg ein wahres Urlaubsparadies. Die Region kann mit Bergen, Wasser und Geschichte punkten.

Der „Märchendom“ mit dem Riesen-Tropfstein „Gralsburg“ auf der unteren Sohle des einstigen Alaunschieferbergwerks ist der schönste Teil von „Thüringens Wunder tief im Berg“.

Wir starten an den weltberühmten Saalfelder Feengrotten, die vor nunmehr 30 Jahren 1993 „als farbenreichste Schaugrotten der Welt“ ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen wurden. Im kommenden Jahr wird hier mit dem traditionellen Bergmannsgruß „Glück auf!“ zünftig gefeiert, denn dann kann das ehemalige Alaunschieferbergwerk „Jeremias Glück“ sein 110jähriges Bestehen als Besucherbergwerk begehen. Der 20millionste Besucher wird erwartet.

Beim Rundgang durch die Grotten erfahren wir auch, dass Saalfeld dem hier 1937 eröffneten und längst wieder genutzten ersten deutschen Heilstollen das Prädikat Kurstadt verdankt. Immer wieder eindrucksvoll: die imposante Tropfstein-Szenerie und das emotional musikuntermalte Lichterspiel im „Märchendom“, der auch gern für Hochzeiten genutzt wird.

Begehbare Stadttore in Saalfeld

Vom Saalfelder Stadttor Darrtor hat man einen Panoramablick auf die Stadt

Weit über Thüringen hinaus einzigartig dürfte das von der Saalfelder Tourismuschefin initiierte Konzept sein, alle vier erhaltenen mittelalterlichen Stadttore „wiederzubeleben“ und für Besucher zugängig zu machen. So kann man mit dem Kombiticket für 5 Euro auf eine spannende Zeitreise um 1610 von Tor zu Tor gehen und dabei viel über die „Steinerne Chronik Thüringens“ erfahren.

Wiege der europäischen Dynastien

Im barocken Residenzschloss sind wir auf geschichtlichen Spuren unterwegs. Schließlich war die Stadt Saalfeld von 1680 bis 1745 Residenz der Herzöge von Sachsen-Saalfeld und später von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Da die Nachfahren des einstigen Saalfelder Herzogs Franz Josias in die bedeutenden europäischen Königshäuser eingeheiratet haben, kann Saalfeld und das Schloss mit dem Stammvater Johann Ernst als eine „Wiege der europäischen Dynastien“ bezeichnet werden. Auch Queen Elizabeth II. und der amtierende britische König Charles III. sind Nachfahren.

Ein besonderes Schmuckstück ist die gut erhaltene barocke Schlosskapelle, die für stimmungsvolle Konzerte und weitere Veranstaltungen genutzt wird.

Zu den Alleinstellungsmerkmalen der Feengrotten- und Kurstadt an der Saale gehören auch ihre außergewöhnliche Größe von 145 km², ein Höhenunterschied innerhalb der Stadt von ca. 600 Metern (sie reicht von der Saale bis auf die Höhen des Schiefergebirges) und die Tatsache, dass es in einer Stadt mit den Feengrotten und der Morassina-Höhle im Ortsteil Schmiedefeld gleich zwei Besucherbergwerke gibt.

Unterwegs im Schwarzatal

Als weitere touristische Perle präsentiert sich uns das wildromantische Schwarzatal. Wir starten in Bad Blankenburg. Hier, unterhalb der Burg Greifenstein mit seiner Falknerei hatte Friedrich Fröbel am 28. 8. 1840 den ersten „Allgemeinen deutschen Kindergarten“ gegründet. Entlang der Schwarza, die nach wie vor auch „Goldwäscher“ anzieht, führt sowohl der zertifizierte Panoramaweg Schwarzatal wie auch der Schwarzatal-Radweg als Abzweig vom Saale-Radwanderweg.

Wir machen an der Talstation der Thüringer Bergbahn (bekannt als Oberweißbacher Bergbahn) Station und können während einer Fahrt im Cabrio-Wagen eine der steilsten Standseilbahnen der Welt und ihre an Kunstwerken reiche Umgebung genießen.

Der Cabrio-Wagen der Thüringer Bergbahn bietet beste Ausblicke

An der Bergstation macht uns der „Olitäten-Wagen“, der auf der Flachstrecke zwischen Lichtenhain und Cursdorf unterwegs ist, auf das nächste Highlight unserer Fahrt neugierig: Ein Besuch im 400 Jahre alten Fachwerkhaus, dem Geburtshaus des bedeutenden Reform-Pädagogen Friedrich Fröbel (1782-1852) in Oberweißbach.

Der reichen Natur ist es zu verdanken, dass Oberweißbach vor Jahrhunderten zum Zentrum des Olitätenhandels wurde.  Sogenannte „Buckelapotheker“ hatten früher in dieser Gegend die aus den wildwachsenden Kräutern hergestellten heilsamen Arzneien europaweit vertrieben.

Mein Tipp: eine geführte Wanderung auf dem 2,5 km langen „Oberweißbacher Kräuterlehrpfad“, der „Auf den Spuren der einstigen Buckelapotheker“ vom Fröbelhaus am Markt zum Fröbelturm auf 785 m führt. Mittels QR-Code-Tafeln kann man sich z. B. per Smartphon über die verschiedenen Heilpflanzen und ihre Bedeutung informieren.

Im wunderschönen Schwarzatal nimmt seit einiger Zeit eine interessante touristische Idee Fahrt auf. Der Landkreis, Kommunen und viele Bürger wollen die einst so erfolgreiche und gern genutzte „Sommerfrische Schwarzatal“ wiederbeleben. So werden sich in diesem Jahr vom 11. bis 20. August die lokalen Akteure der Transformation im Schwarzatal gemeinsam mit Künstlern und Initiativen aus Europa treffen.

Sommerfrische Schwarzatal

Höhepunkt ist der Tag der Sommerfrische am 20. August 2023. Dann laden in zahlreichen Orten des Schwarzatals Märkte, Ausstellungen, Konzerte u. a. zum Feiern sowie zu Spaziergängen zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Vorstellen könnte man sich da natürlich auch, dass an einem solchen Sonntag z. B. auf der Straße von Bad Blankenburg nach Schwarzburg statt Autos wieder mal Pferdekutschen (z. B. vom nahen Haflingergestüt Meura, dem größten in Europa) und vielleicht sogar -. wie einst – auch Postkutschen mit Gästen umweltfreundlich durch die wiederbelebte „Sommerfrische“ fahren… 

Touristenmagnet Schwarzburg

Seit 2018 laden die Fürstlichen Erlebniswelten Schloss Schwarzburg zu einem Besuch ein.

Der Kaisersaal am Schloss Schwarzburg

Neben dem Kaisersaalgebäude u. a. mit Bildnissen bedeutender Kaiser ist das einzig erhaltene freistehende Zeughaus Deutschlands Hauptanziehungspunkt im zentralen Ort des Schwarzatals. Hier kann im Rahmen einer Führung die nahezu unverfälscht und ohne Zukäufe entstandene in Europa wohl einzigartige Sammlung von 5100 Waffen sowie Ausrüstungsgegenständen aus 500 Jahren besichtigt werden.

Fürstliche Erlebniswelt im Zeughaus Schwarzburg

Schiffstour auf dem „Thüringer Meer“

Erlebnisse ganz anderer Art erwarten uns am „Thüringer Meer“, der auf 80 km fünffach aufgestauten Saale-Kaskade (mit einem Gefälle von ca. 170 m). Die durch acht riesige Rohrleitungen am Steilhang vom künstlich angelegten Oberbecken hinabstürzenden Wassermassen sorgen hier in acht Turbinen seit 1965 für eine Spitzenleistung von 320 Megawatt. Über die die 75 m hohe und 412 m lange Sperrmauer kommt man dann an die von 1936 – 1942 erbaute Hohenwarte-Talsperre, die zum größten Stauseegebiet Deutschlands gehört. Motorschiffe der Hohenwarte-Schifffahrt starten täglich mehrmals zu eineinhalbstündigen Rundfahrten. Erwähnt seien hier auch die praktischen Wanderbus-Angebote des regionalen Busveranstalters KomBus in die Naturparkregion „Thüringer Meer“ und ins Schwarzatal (www.kombus-online.de).

Kulm, Schloss Heidecksburg und Saale-Flößerei

Ein- und Ausblicke ganz anderer Art erleben wir beim abendlichen Besuch auf dem Saalfelder Hausberg Kulm, der eigentlich zur nahen Gemeinde Unterwellenborn gehört. 500 m über dem Meer hat hier das neue stylische Kulm-Berghaus eröffnet. So können wir nicht nur die leckere Küche im Restaurant, sondern von der Dachterrasse auch den einzigartigen Panorama-Blick auf Saalfeld, die „Steinerne Chronik Thüringens“ an der Saale genießen.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Tour ist Schloss Heidecksburg hoch über Rudolstadt mit seinen prächtigen Festsälen und der Ausstellung „Rococo en miniature“ (in der ehemaligen Hofküche des Schlosses).

Festsaal im Residenzschloss Heidecksburg Rudolstadt

Nur wenige Kilometer sind es vom barocken einstigen Residenzschloss der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt in der Schillerstadt zum Flößerverein in Uhlstädt, wo man viel über die die Langholzflößerei auf der Saale erfährt, die Jahrhunderte lang das Leben der Menschen am Fluss bestimmt hat.

Unser Fazit: den Akteuren vor Ort im wunderschönen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sollte es doch in Zusammenarbeit mit deutschlandweiten Reiseveranstaltern und der Thüringer Tourismus GmbH bald möglich sein, ausgewählte attraktive Tourismusangebote für einen mehrtägigen erlebnis- und entdeckungsreichen Aufenthalt zu schnüren und dann gemeinsam gezielt zu vermarkten.

„Glück auf!“ Wir kommen gern wieder.

Infos unter:
Saalfeld-Rudolstadt – Kultur und Tourismus (kreis-slf.de)

Willkommen in der Feengrotten- und Kurstadt Saalfeld – Feengrottenstadt Saalfeld (saalfeld-tourismus.de)

www.feengrotten.de
Residenzschloss Heidecksburg in Rudolstadt | Thüringen

Fotos: Hans-Peter Gaul, Martin Modes, Grafik: Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt/Franziska Ehms

Über den Autor:
Hans-Peter Gaul ist Gründer, Sprecher des Präsidiums und seit 2020 Ehrenpräsident der Reisejournalisten-Vereinigung CTOUR. Er hat an mehreren Buchveröffentlichungen und Filmen mitgewirkt, TV- und Radiosendungen moderiert, Reisereportagen in Zeitungen und Zeitschriften publiziert. Derzeit ist er vor allem für die Fachzeitschrift „touristik aktuell“ und für die „Ostthüringer Zeitung“ Saalfeld aktiv.

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