Theaterplakat „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ mit Adrian Djokic und Alexa Maria Surholt © DERDEHMEL/Urbschat
Von Ronald Keusch

Berlin kann sich wieder auf ein Theatererlebnis freuen. Im Schlosspark Theater feierte das Stück „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach dem Roman von Thomas Mann am 14. März seine Premiere. Dieser Roman gehört zu den absoluten Klassikern der deutschen Literatur. Das Team vom Schlosspark Theater mit seinem Intendanten Dieter Hallervorden präsentierte mit dieser Aufführung zugleich eine elegante wie moderne Hommage an Thomas Mann zu dessen 150. Geburtstag.

Dafür sorgte in erster Linie Regisseur Frank-Lorenz Engel, der mit seiner von ihm erarbeiteten neuen Bühnenfassung einen sprachlich großartigen Theaterabend geschaffen hat. Regisseur Engel gelingt es dabei hervorragend, die feine Ironie von Thomas Mann lustvoll auszukosten.
Kurz zum Inhalt: Felix Krull stammt aus einer Familie des gehobenen Bürgertums mit Dienstmädchen. Er entdeckt schon früh seine Begabung, sich zu verstellen und in unterschiedlichste Rollen und Kostüme zu schlüpfen, was ihm schon als Schüler zu viel Freizeit verhilft. Nach dem Bankrott und Selbstmord seines Vaters, eines Sektfabrikanten, lebt die übriggebliebene Familie in bescheidenen Verhältnissen. Felix‘ Taufpate Schimmelpreester, ein schrulliger Maler, vermittelt ihn an ein Pariser Luxushotel, wo er sich vom ungelernten Liftboy bis zum Oberkellner emporarbeitet. Getreu seinem Lebensmotto „Corriger la fortune“ hilft er seinem Glück entschlossen nach. Er schwindelt sich durch Bildung und Leben, wechselt Identitäten, brilliert mit seinen rhetorischen Fähigkeiten und aufgeschnapptem Halbwissen und ist dabei immer charmant und liebenswürdig.

und Gerhard Mohr (v.l.n.r.) © DERDEHMEL/Urbschat
Gerade in einer solchen Inszenierung beweist sich das sechsköpfige Ensemble der Schauspieler als ein Erfolgsgarant. Herausragend ist die Titelrolle des Felix Krull durch Adrian Djokić besetzt. Dem in Niederösterreich geborenen und an der Musik- und Theaterhochschule in Leipzig ausgebildeten 28-jährigen Djokić bietet dieses Stück viel Futter, um die Rolle mit Charme und Frechheit auszufüllen. Und so gelingt es ihm auch, in der berühmten Musterungsszene, die durch die frühere Verfilmung mit Horst Buchholz in der Titelrolle schon Kultstatus besitzt, gleichfalls zu brillieren.

An seiner Seite verkörpern Alexa Maria Surholt, Marie Schröder, Gerhard Mohr, Oliver Nitsche und Jakob Wenig insgesamt 29 (!) Rollen, facettenreich und spielfreudig. Die Herausforderungen in der Bühnenfassung von Thomas Mann sind nicht zu unterschätzen. Dazu gehört nicht nur, die unterschiedlichen Figuren des gesellschaftlichen Panoramas um 1900 zu präsentieren. Ansprüche stellen sich für die Darsteller auch, die in der Bühnenfassung von Regisseur Engel ausgewählten originalen Texte von Thomas Mann zu sprechen. Es ist allerdings zugleich auch ein Anspruch an das Publikum, mit jedem der Texte gut umzugehen.

Eine wichtige Rolle in einer solchen Inszenierung spielen die Kostüme – zur Erinnerung für sechs Schauspieler in 29 Rollen – wie auch die gesamte Bühnengestaltung. Regisseur Engel hat für die vielen kreativen Lösungen die österreichische Bühnen- und Kostümbildnerin Su Sigmund an seiner Seite, mit der er schon bei vielen Projekten zusammengearbeitet hat. Mit minimalem Aufwand gelingt es Sigmund, die vielen Episoden aus dem Leben des Felix Krull eindrucksvoll in Szene zu setzen. Geradezu genial ist die Idee mit den Hintergrundbildern, mit denen die unterschiedlichen Schauplätze angedeutet werden, ob es das pompöse Zuhause des Schampus-Fabrikanten ist, die Dachterrasse eines mondänen Pariser Hotels mit Blick auf die Kathedrale Notre-Dame, oder der Lift, der Felix direkt ins Schlafzimmer von Madame Houpflé bringt. Für eine angemessene Begleitung mit Musik sorgte Valentin von Lindenau.
Einmal mehr ist zu dieser Inszenierung das Programmheft hervorzuheben in der Redaktion von Co-Intendantin Nathalie Hallervorden und Kristina Pomplun. Auch in diesem Heft wird das Theaterensemble der Aufführung nicht nur mit Texten und Bildern optisch gut in Szene gesetzt, sondern auch wieder von den Beteiligten ein Lieblingszitat aus dem Stück präsentiert. Regisseur Frank-Lorenz Engel wählte aus: „Welche unbenennbare, süße Macht ist es, die den Glühwurm das Leuchten lehrt?“
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