Kinder wollen Gute-Nacht-Geschichten

Kinder wünschen sich spannende Geschichten - nicht nur am bundesweiten Vorlesetag. Bild:Redaktion Berliner UmschauKinder wünschen sich spannende Geschichten - nicht nur am bundesweiten Vorlesetag. Bild:Redaktion Berliner Umschau

Anstatt Spielkonsole oder Fernsehen wünschen sich rund 90 Prozent der Kinder vor allem eins: mehr Vorlese-Zeit mit ihren Eltern. Das zeigt eine Umfrage der Stiftung Lesen, die mit Kampagnen wie dem bundesweiten Vorlesetag am 18. November erreichen will, dass immer mehr Eltern ihren Kindern vorlesen.

„In Deutschland müssten Kinder geradezu ein ‚Grundrecht‘ auf Vorlesen haben. Denn hier liegt der Schlüssel zu Bildung“, erklärt Antje Neubauer von der Deutsche-Bahn-Stiftung. „Es gibt keinen Grund, den Kindern den Wunsch nach einer guten Vorlesegeschichte nicht jeden Tag neu zu erfüllen.“

Die Kleinen sind bei der Lektüre dabei durchaus anspruchsvoll. Räuber Hotzenplotz, Pippi Langstrumpf oder die wilden Hühner: Trotz der großen Konkurrenz durch neue Medien lieben es rund 90 Prozent der Fünf- bis Zehnjährigen in Deutschland, wenn sie Geschichten vorgelesen bekommen. „Diese Deutlichkeit hat uns überrascht“, sagt Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung. „Das zeigt, dass Vorlesen zu den Grundbedürfnissen von Kindern gehört.“ Gründe sieht Ehmig vor allem darin, dass Vorlesen auch eine große soziale Komponente hat. So fand mehr als die Hälfte der befragten Kinder, dass Vorlesen „so gemütlich ist“. Fast die Hälfte freute sich auf „tolle Geschichten“ und „dass ich Mama oder Papa für mich habe“. Ideal ist es, wenn sich die Eltern mehrmals in der Woche Zeit nehmen, zum Beispiel 15 Minuten jeden Tag. Dann entfaltet das Vorlesen seine volle Wirkung für die intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern.

Ein Drittel der Eltern liest nicht regelmäßig vor

Meist sind es immer noch die Mütter, die dem Wunsch des Nachwuchses nachkommen. Sie sind auch mit Abstand die begehrtesten Vorleserinnen. „Väter holen erst langsam auf“, berichtet Simone Ehmig. Doch auch Vorlesen in der Kita und in der Schule begeistert Kinder. Es ist in der Beliebtheit laut Umfrage aber kein Ersatz für die exklusive Lese- und Kuschelzeit mit den Eltern sowie die Gespräche, die sich aus Geschichten ergeben.

Noch immer liest rund ein Drittel aller Eltern ihren Kindern nicht regelmäßig vor. Das betrifft vor allem bildungsferne Familien. Gerade dort ist der Wunsch der Kinder nach Vorlese-Zeit besonders groß – und das Fehlen nehmen viele Kinder als Defizit wahr.

Ältere Kinder mögen es vor allem spannend

Die Sprache, in der vorgelesen wird, ist für die Stiftung nicht entscheidend. „Am besten klappt es in der Sprache, in der sich Eltern oder Großeltern wohlfühlen“, sagt Ehmig. Denn Kinder sind sehr sensibel und realistisch, wenn sie die Lese-Qualität beurteilen. Nur etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) glaubt, dass Erwachsenen das Vorlesen immer Spaß macht. Das deckt sich mit den Angaben der Mütter, die zugeben, manchmal einfach zu müde dafür zu sein – aber ihr Kind ohne Gute-Nacht-Geschichte nicht enttäuschen wollen.

Anspruchsvoll ist der Nachwuchs bei der Lektüre durchaus. Die Jüngeren wollen lustige Geschichten, die älteren spannende. Einem Viertel gefällt das Vorlesen nicht mehr, sobald sie die Geschichte als langweilig empfinden, sie ihnen Angst macht – oder sie sie schon gut kennen. Wenn es dagegen Identifikationsfiguren gibt, gehen besonders die Älteren voll mit. Sie suchen die Lektüre auch gern selbst aus. Ehmig rät, auch noch zehnjährigen Kindern vorzulesen – am besten im Wechsel, bis der Nachwuchs auch schwierigere Texte allein erfassen kann.

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