Kasan- Zauber aus „Tausend und Eine Nacht“

Orthodoxe Kathedrale im Kasaner Kreml. Foto VTNOrthodoxe Kathedrale im Kasaner Kreml. Foto VTN

Von Volker Taher Neef

Mit über 1,1 Millionen Einwohnern ist Kasan, die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan, die achtgrößte Stadt Russlands. Rund 800 Kilometer östlich von Moskau gelegen, prägt Europas größter Fluß, die majestätische Wolga, die Stadt. Auf einer Fläche von rund 67.900 Quadratkilometer leben gegenwärtig in dem zentralasiatischen Land insgesamt 3,8 Millionen Menschen. Davon sind 53 Prozent Tataren, 40 Prozent Russen und 3 Prozent Tschuwaschen. Die Tschuwaschen zählen zu den Turkvölkern und gelten als Nachfahren der Wolgabulgaren, die um 922 den Islam annahmen und sich dem Kalifen von Bagdad unterwarfen. 1005 wurde die Stadt Kasan gegründet und durchlebte eine wechselvolle Geschichte. . Das Wolgareich entwickelte sich nun rasant zu einer Handelsmacht. Der Fernhandel erlebte seine Blütezeit. In der Zeit von 1438 bis 1552 sprach man vom Khanat Kasan. Der Islam sunnitischer Prägung wurde Staatsreligion. Schließlich eroberte 1552 der russische Zar Ivan IV., der auch als „Ivan, der Schreckliche“ in die Geschichte einging, Kasan. Er legte den Khan in Ketten, der sich schließlich 1553 unter dem Namen Simeon taufen ließ.

An vielen Plätzen, wo einst Moscheen standen, errichtete man nun auf Befehl Ivan IV. Klöster und Kirchen. Im Kasaner Kreml gab es ab 1552 kein islamisches Gotteshaus mehr. Der Zar ließ auch im übrigen Reich alle alle Moscheen zerstören. Über 200 Jahre lang gab es dann in Russland nicht eine einzige Moschee. Muslime lebten ihren Glauben zu Hause aus, oft im Untergrund.

Nach der Russischen Oktoberrevolution 1917 waren für Lenin und seine Mitstreiter alle Religionen „Opium fürs Volks.“ Klöster, Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel wurden als Kaufhäuser, Kindergärten, Lagerhäuser oder Pferdeställe zweckentfremdet

Mit dem Zerfall der UdSSR 1991 setze eine allmähliche Renaissance der Religionen im heutigen Russland ein. Die Muslime wollten im ehrwürdigen Kasaner Kreml wieder ein Gotteshaus besitzen. Anfangs stießen sie auf wenig Gegenliebe mit ihrem Ansinnen. Viele Bürger Kasans befürchteten, eine nachträglich erbaute Moschee im Ensemble des Kreml würde das Stadtbild stören. 1996 schließlich erfolgte die Grundsteinlegung. Im Jahre 2000 erklärte die UNESCO den Kasaner Kreml zum Weltkulturerbe. 2005 wurde die Kul-Scharif-Moschee im Kasaner Kreml eröffnet. Sie ist die zweitgrößte Moschee in Russland. Die Moschee hat 4 Minarette mit einer Höhe von 57 Metern . Der Kronleuchter im Gebetshaus stammt aus Böhmen und wiegt über 2 Tonnen. Heute ist die Kul-Scharif-Moschee nicht nur ein islamisches Gotteshaus. Sie ist ein Magnet für Touristen aus aller Welt.. In der Region Kasan zählt man nun wieder 50 Kirchen, die mehrheitlich zur Russisch-Orthodoxen Kirche gehören, und ebenso 50 Moscheen.

Heute ist Kasan eine der größten Industrie-, Wissenschafts-und Kulturzentren der Russischen Föderation Die über Tausendjährige Stadt verfügt über eine berühmte, fast 200 Jahre alte Universität, über 15 Hochschulen mit etwa 100.000 Studenten, drei Theater, ein staatliches Musikkonservatorium und etliche Museen. Der große Hafen von Kasan, der in den sechziger Jahren angelegt wurde, lädt im Sommer zu Passagierfahrten auf der Wolga ein.

Religiöse Auseinandersetzungen sind hier unbekannt und jeder „kann nach seiner Facon selig“ werden. Das Tatarstan sich sehr gerne seiner alten Zeitepoche erinnert, belegt eine Aussage der Tourismus-Verantwortlichen des Landes. „Visit Tatarstan“ , die das Land gern als „Tatarstan-Land of 1.001 Delights“ international bekannt machen will. „1.001 Freude“ ist nicht zufällig gewählt, hier standen natürlich die Geschichten von Aladin und seiner Wunderlampe sowie Sindbad dem Seefahrer aus dem morgenländischen Märchen 1.001 Nacht Pate. Und das ist durchaus passend, denn Tatarstan ist märchenhaft schön und einen Besuch bei sehr gastfreundlichen Menschen wert.

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