Jack’s Jacks – erste Europa-Ausstellung von Jack Whitten im Hamburger Bahnhof

Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, ist glücklich über die erste Ausstellung von Werken Jack Whittens in Europa. Foto: Ingrid Müller-MertensUdo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, ist glücklich über die erste Ausstellung von Werken Jack Whittens in Europa. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Katharina Zawadsky.

Die Nationalgalerie Berlin zeigt im Hamburger Bahnhof als erstes Museum in Europa Arbeiten des US-amerikanischen Malers Jack Whitten (1939-2018). Direktor Udo Kittelmann und Co-Kurator Sven Beckstette haben 30 Arbeiten aus der Zeit zwischen 1964 bis 2018 zusammengetragen, mitausgewählt noch von Whitten, der 2018 überraschend gestorben ist. Die Schau umfasst 30 Bilder aus allen Schaffensperioden seit den 1960er-Jahren.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

„Jack’s Jacks“ besteht aus Arbeiten, mit denen Whitten seinen Wegbegleitern, Bekannten oder persönlichen Helden huldigte. Kittelmann, der sich seit seiner ersten Begegnung mit dem Künstler im Jahre 2007 freundschaftlich verbunden fühlte, zeigt sich bei der Präsentation sichtlich gerührt. Er sieht in Whitten „einen der großartigsten Maler“, den er kennt. Eine große spirituelle Begabung von einer enormen emotionalen Kraft, die sich auch im Abstrakten überträgt und mitteilt.

Clocking for Stanley Kubrik (Ausschnitt). Foto: Ingrid Müller-Mertens

Clocking for Stanley Kubrik (Ausschnitt). Foto: Ingrid Müller-Mertens

Auffällig ist vor allem die Materialität der Malerei, mit der Whitten einen abstrakten Expressionismus umsetzte. Beim flüchtigen Betrachten der großformatigen Werke meint man zunächst Mosaike zu sehen. Viele Arbeiten wirken, als habe er mit Glas, Scherben, Plastik oder bunten Steinen gearbeitet. Tatsächlich setzen sich die Bilder nur aus Farbe zusammen, die Whitten zunächst auf Flächen aufbrachte, dann trocknen ließ und zu „Mosaiksteinchen“ zuschnitt.

Ein Puzzle, dass der Künstler dann in aufwendiger Handarbeit akribisch zusammenfügte. „Ich mache ein Bild, ich male kein Bild“, beschrieb Whitten selbst diesen Prozess. Auf diese Weise sind die Arbeiten optisch wie Mosaike zusammengesetzt und bekommen zudem die Erhabenheit eines Reliefs. In einem Video am Eingang der Ausstellung ist der Entstehungsprozess zu betrachten.

Whitten, dessen Werke in den USA überhaupt erst seit etwa 2008 Wertschätzung erfuhren, widmete viele Arbeiten seinen künstlerischen Förderern wie Willem de Kooning oder Norman Lewis, künstlerischen Wegbegleitern wie Louise Bourgeois, Andy Warhol oder Robert Rauschenberg. Als Jazz-Fan gestaltete er „Porträts“ von John Coltrane, B.B. King oder Prince, Duke Ellington. In seiner eigenen Sicht hatte Whitten als Afro-Amerikaner nie die Freiheit, in seinen Arbeiten unpolitisch sein zu können. Hatte er doch noch die Rassentrennung in den Südstaaten hautnah miterlebt. So finden sich auch Arbeiten, die Politikern wie Martin Luther King oder Barack Obama gewidmet sind.

Apps for Obama. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Apps for Obama. Foto: Ingrid Müller-Mertens

In seiner Malerei, hat Whitten gesagt, drehe sich alles um die „Leerstellen“ zwischen Form und Inhalt. Es geht bei Letzterem nicht um Bild-Erzählungen, nicht um Illustrationen, auch nicht um Symbolik, eher um Experimente und Prozesse.

Saint Louise AKA The Tittle Pianting for Luise Bourgeois. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Saint Louise AKA The Tittle Pianting for Luise Bourgeois. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Seine „Porträts“ sind keine realistischen Abbilder . Ihm geht es um die psychische Verfasstheit der jeweiligen Persönlichkeit, in die er sich hineinzudenken versucht und deren Wesen er ergründen und darstellen wollte – allerdings immer im Abstrakten. Whitten wollte den Spirit, die Seele einfangen, so wie er es empfunden hat. Um die Vorstellungskraft der Betrachter in die von ihm gewünschte Richtung zu leiten, gab er seinen Werken zumeist Titel.

Jack Whittens Wirwe uns Tochter. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Jack Whittens Wirwe uns Tochter. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Zum Teil formal reduziert, zum Teil von überbordender materieller und visueller Kraft, bieten die Werke Einblick in den kulturellen, politischen und spirituellen Kosmos, der Jack Whittens Denken und Schaffen geprägt hat. Sie sind Jack’s Jacks.

Jack Whittens Tochter Mirsini Whitten, die mit ihrer Mutter aus New York zur Ausstellungseröffnung angereist ist, meinte gerührt, von irgendwo würde Jack jetzt zusehen und sich sehr freuen, denn noch nie waren seine schönen Mosaik-Gemälde in Europa ausgestellt.

Jack Whitten: Jack’s Jacks

Bis 01.09.2019 im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart

Invalidenstraße 50, 10557 Berlin 

jackwhitteninberlin.de

Videobild Quelle SMB

 

 

 

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