Mozarts „Zauberflöte“ an der Staatsoper als verblüffendes Marionettentheater

Spektakuläre "Zauberflöte" in der Staatsoper Unter den Linden. Foto: Ingrid Müller-MertensSpektakuläre "Zauberflöte" in der Staatsoper Unter den Linden. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Katharina Zawadsky.

Die Königin der Nacht, Tuuli Takala Foto: Ingrid Müller-Mertens

Die Königin der Nacht, Tuuli Takala Foto: Ingrid Müller-Mertens

Wenn man sich darauf einlässt und das Ganze als Kasperletheater betrachtet, hat es durchaus seinen Reiz und viele spektakuläre Momente: „Die Zauberflöte“ an der Berliner Staatsoper.

Foto: Ingrid üller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Ein Spaß für die ganze Familie. Kindern wird es gefallen. Wer allerdings die klassische Mozart-Oper erwartet hat, wird zunächst einen mittleren Kulturschock erleiden.

An Seilen zappelnde Comicfiguren, Siamesische Drillinge mit Riesenbrüsten, Schattenspiele und allerlei Theaterdonner verblüffen und irritieren.

Dank der neuen spektakulären Technik des Hauses fliegen die Figuren in den phantasievollen bunten Kostümen des belgischen Modesigners Walter Van Beirendonck wie schwerelos an Fäden durch die plakativen Bühnenbild-Collagen von Mimi Lien.

Wie Kinder oder auch animierte Lego-Figuren treten sie der Welt völlig offen und vorurteilsfrei entgegen. Und so erzählen folgerichtig Kinderstimmen aus dem Off die Handlung und sprechen auch die Dialoge – was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, dann aber durchaus stimmig erscheint. Und vor allem den Vorteil deutlicher Verständlichkeit hat. Durch ihre Augen betrachtet Yuval Sharon das Stück und man stellt sich die Frage: Wer ist die unsichtbare Hand, die hier die Fäden zieht? Am Ende wird man es wissen.

Kwangchul Youn als Sarastro. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Kwangchul Youn als Sarastro. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Zu bewundern ist neben den Bühnentechnikern, die dieses digitale Spektakel souverän in Gang halten, vor allem das singende Personal. Alles schwebt, fliegt und wirbelt durch die Luft – dem edlen Sarastro wollte man das offenbar nicht zumuten. Eine immense Herausforderung für die Sänger, in schwindelnder Höhe an Seilen hängend auch noch den richtigen Ton zu treffen. Was im Allgemeinen gelingt.

Foto. Monika Rittershaus

Foto. Monika Rittershaus

 

Gut gefiel Julian Prégardien als kraftstrotzender, wenn auch etwas täppisch-kindlicher und weitgehend emotionsloser Tamino im Playmobil-Look.

Ebenso Serena Sáenz Molinero, die die Partie der Pamina für die erkrankte Anna Prohaska übernahm. Kwangchul Youn, erklärter Liebling des Staatsopernpublikums, entzückte einmal mehr als weiser Sarastro und Tuuli Takala als Königin der Nacht überzeugte gesanglich und gestisch.

papagena2

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Wie dereinst zur Uraufführung vor 228 Jahren, wird Papageno mit einem Schauspieler besetzt. Was dem Publikum offenbar missfiel. Florian Teichtmeister gibt seinem Volgelfänger vor allem mimisch und sprachlich beeindruckende Charakterzüge – der Gesang kommt dabei verständlicherweise zu kurz.

Auch die für den erkrankten österreichischen Stardirigenten Franz Welser-Möst kurzfristig eingesprungene mexikanische Dirigentin Alondra de la Parra kam offenbar nicht so ganz mit dem Orchester zurecht. Was angesichts der kurzen Vorbereitungszeit milde betrachtet werden sollte.

 

Am Ende setzt Regisseur Yuval Sharon noch einmal einen ebenso kräftigen wie verblüffenden Schlussakkord und verlegt das Happy End in eine spießige Einbauküche, wo er offenbar im Alltag zwischen Kochherd und Abwasch – also Feuer und Wasser – die eigentliche Prüfung für die Liebenden sieht. Ein interessanter Gedanke.

Alles in allem sicher eine Inszenierung die polarisiert. Aber – wie schon gesagt – wenn man sich darauf einlässt, eine durchaus bewusstseinserweiternde und amüsante Aufführung.

www.staatsoper-berlin.de

Kommentar hinterlassen zu "Mozarts „Zauberflöte“ an der Staatsoper als verblüffendes Marionettentheater"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*