„Wen die Götter strafen, dem erfüllen sie seine Wünsche“ – Händels „Semele“ in der Komischen Oper

"Semele" von Georg Friedrich Händel in der Komischen Oper. Foto: Ingrid Müller-Mertens"Semele" von Georg Friedrich Händel in der Komischen Oper. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Katharina Zawadsky.

So schaurig schön hat man ihn lange nicht mehr gehört: Den Theaterdonner. Der ohrenbetäubende Knalleffekt ist nicht nur Schall und Rauch, sondern eindrucksvolle Metapher für Auftritt und Agieren von keinem Geringeren als Jupiter, bekanntlich Herr über die römische antike Götterwelt. Blitz und Donner ist sein Markenzeichen. Weiblicher Schönheit unter den sterblichen Damen ist er ganz und gar nicht abgeneigt. Gattin Juno ist darüber alles andere als erfreut.

Nicole Chevalier als Semele, Katarina Bradic als ihre Schwester Ino und Ezgi Kutlu als Juno (von li.)

Nicole Chevalier als Semele, Katarina Bradic als ihre Schwester Ino und Ezgi Kutlu als Juno (von li.)

Nicole Chevalier, die zuletzt mit ihren Auftritten in „Les Contes d’Hoffmann“ und „Die schöne Helena“ die Köpfe der Männer- und Damenwelt verdrehte und das Publikum der Komischen Oper begeisterte, betört nun als Titelheldin Semele den Göttervater höchst selbst. Als Jupiter glänzt mit schmelzend-weichem Tenor Allan Clayton, der in Barrie Koskys Inszenierung „Castor et Pollux“ bereits Erfahrungen mit der antiken Götterwelt sammeln konnte.

Nicole Chevalier und Allan Clayton

Nicole Chevalier und Allan Clayton

Georg Friedrich Händels „Semele“, komponiert 1744, sollte eigentlich das Regiedebüt der Choreographin und Regisseurin Laura Scozzi an der Komischen Oper werden. Doch nach einer Woche musste die Regisseurin aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit abbrechen, und Hausherr Barrie Kosky übernahm kurzfristig, obwohl er das Stück, wie er sagt, „nicht wirklich“ kannte. Die szenische Idee, die Scozzi mit ihrer Ausstatterin Natacha Le Guen de Kerneizon entwickelt hatte, übernahm Kosky: Die „Semele“ spielt in einem ausgebrannten Barocksaal, schwarz, verkohlt, zerbröselt. Die Titelheldin entsteigt zu Beginn einem Aschehaufen – ihrer eigenen Asche.

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Die Handlung spult sich dann quasi als Retrospektive ab: Göttervater Jupiter entführt an ihrem Hochzeitstag die Königstocher Semele. Jupiters eifersüchtige Gattin Juno (Ezgi Kutlu) setzt alles daran, der hemmungslosen Affäre ein Ende zu setzen. Der Nebenbuhlerin erscheint sie als deren Schwester Ino (Katarina Bradic) und überredet sie in dieser Verkleidung, Jupiter dazu zu bringen, sich in seiner wahren göttlichen Erscheinung zu zeigen. So könne Semele die ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Semeles Ehrgeiz ist stärker als Jupiters männlicher Widerstand. So ist ihr Schicksal besiegelt: In den sengenden Strahlen des Gottes geht sie grausam zugrunde.   Eine Oper im Gewand eines Oratoriums könnte man Semele bezeichnen. Mit prächtigen Chören, knappen Rezitativen und ausdrucksstarken Arien musste das Werk nicht dem starren Schema des zeitgenössischen Opernstils der „ernsten“ italienischen Oper und wirkt bis heute frisch. Am Pult steht Barock-Spezialist Konrad Junghänel. Für ein fastenzeitliches Oratorium eher „ungewöhnlich“: die saftig-erotische, durchaus auch witzige Handlung.

Heute zählt Semele weltweit zu den beliebtesten Werken aus der Feder Georg Friedrich Händels. Barock-Spezialist Konrad Junghänel und Chefregisseur und Intendant Barrie Kosky setzen auf das menschliche Drama hinter den göttlichen Ränkespielen und zeigen klar auf: „Wen die Götter strafen, dem erfüllen sie seine Wünsche“.

Quelle: Komische Oper

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Weitere Termine: 26. Mai, 3.+15. Juni

www.komische-oper-berlin.de

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