„Wanderlust“ – spektakuläre Ausstellung in der Alten Nationalgalerie

Spektakuläre Bilder zum Thema Wandern im 19.Jahrhundert präsentiert die Alte Nationalgalerie in Berlin. Bild: Victor Paul Mohn, 1871Spektakuläre Bilder zum Thema Wandern im 19.Jahrhundert präsentiert die Alte Nationalgalerie in Berlin. Bild: Victor Paul Mohn, 1871

Von Klara Berger

„Das Wandern ist des Müller`s Lust, das Wandern ist des . . .“ – das fröhliche Marschlied ist vielleicht heute etwas in Vergessenheit geraten. Das besungene Wandern dagegen nicht. Oder modern ausgedrückt: Wandern boomt. In allen Formen, mit und ohne teure Hightech-Ausrüstungen und im adretten Outfit. Aber das war keineswegs immer so. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man sich in höheren Kreisen ausschließlich per Kutsche oder zu Pferde fortbewegte und das auch nur, um von A nach B zu kommen. Die normale Bevölkerung ging bis weit in das 19. Jahrhundert hinein zu Fuß ihrem Tagewerk nach und verließ ihre angestammte Gegend zumeist ein Leben lang nicht. Handwerksburschen gingen auf die Walz, Fromme pilgerten zu den heiligen Stätten.

Anselm Feuerbach, 1867

Anselm Feuerbach, 1867

Die Freude an der Bewegung und der Natur spielte dabei kaum eine Rolle. Das änderte sich erst gegen 1800. Mit Rousseaus Parole Zurück zur Natur! und Goethes Sturm-und-Drang Dichtung wird das Wandern nun zum Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Umbrüche seit der Französischen Revolution entwickelt sich in einer Gegenbewegung eine neue Form der entschleunigten Selbst- und Welterkenntnis, die auch in der heutigen schnelllebigen und zunehmend hektischeren Welt immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Passend zum bundesweiten Tag des Wanderns am 14. Mai präsentiert die Berliner Alte Nationalgalerie nun eine fulminante Schau zum Thema. Erstrangige Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museen sowie eine bedeutende Auswahl von Werken der Sammlung der Nationalgalerie werden in einer mehr als 120 Exponate umfassenden Großausstellung präsentiert.

Alfred Sisley, 1880

Alfred Sisley, 1880

Seit der Romantik erobern sich Künstler die Natur zu Fuß und unter neuen Aspekten. Dem Wandern wächst dabei in der Kunst die sinnbildliche Bedeutung der Lebensreise und der symbolischen Pilgerschaft zu. Die selbstbestimmte Fußreise eröffnet eine neue, intensive Art der Naturbegegnung und eine sinnliche wie auch körperliche Form der Weltaneignung.

Wer heute an das Wandern als Motiv in der Malerei denkt, der hat Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ vor Augen. Diese herausragende Leihgabe aus der Hamburger Kunsthalle bildet den Ausgangspunkt für die faszinierende Sonderausstellung in der Alten Nationalgalerie, die diesem für die Kunst überraschend zentralen Thema durch das gesamte 19. Jahrhundert bis hin zu Beispielen der klassischen Moderne nachspürt.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke von Meistern wie Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Karl Friedrich Schinkel, Johan Christian Dahl, Richard Wilson, Christen Købke, Gustave Courbet, Iwan Kramskoi, Ferdinand Hodler, Auguste Renoir, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix und Ernst Barlach verdeutlichen, wie wirkmächtig und fruchtbar das Motiv des Wanderns nicht nur in Deutschland, sondern von Frankreich, Großbritannien über Dänemark und Norwegen bis nach Russland war.

August Macke, Spaziergang in Blumen 1912

August Macke, Spaziergang in Blumen 1912

Die Ausstellung ist thematisch in verschiedene Kapitel gegliedert: Entdeckung der Natur, Lebensreise, Künstlerwanderung, Spaziergänge, Sehn-suchtsland Italien, Wanderlandschaften nördlich der Alpen. Und – ganz zeitgemäß – kommt auch die Wanderin gebührend zur Geltung.

•Jens Ferdinand Willumsen Bergsteigerin, 1912

• Jens Ferdinand Willumsen
Bergsteigerin, 1912

Gustave Courbet, der vielleicht berühmteste Vertreter des Realismus in der französischen Malerei, hat mehrere aufsehenerregende Gemälde gemalt. Herausragend ist sein Werk „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet“ von 1854, in dem sich Courbet als Wanderer in der Situation darstellt, in der er auf seinen von einem Diener begleiteten Mäzen Alfred Bruyas trifft. Zwanzig Jahre später, 1888, reiste Paul Gauguin gemeinsam mit Vincent van Gogh von der Provence nach Montpellier und besuchte im Musée Fabre auch die berühmte Sammlung von Alfred Bruyas. „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet“ hinterließ bei Gauguin einen tiefen Eindruck. Er setzte zu einer eigenen Replik an, die er 1889 als Ölgemälde vollendete und in Anlehnung nun „Bonjour Monsieur Gauguin“ nannte.

•Gustave Courbet Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet, 1854

• Gustave Courbet
Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet, 1854

Erstmals treffen diese beiden Gemälde nun in Berlin aufeinander: Im Saal zum Thema Künstlerwanderung hängen sie nebeneinander. Eine kleine museale Senstion.

•Paul Gauguin Bonjour Monsieur Gauguin, 1889

• Paul Gauguin
Bonjour Monsieur Gauguin, 1889

Leider kann Gauguins Bild nur kurze Zeit gezeigt werden, denn bereits Anfang Juni wird „Bonjour Monsieur Gauguin“ zu einer wichtigen Gauguin-Ausstellung nach Quimper in die Bretagne – nun ja – weiterwandern.

 

Quelle: Staatliche Museen zu Berlin

 

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

 

Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir bis 16.09.2018

Alte Nationalgalerie Staatliche Museen zu Berlin

www.wanderlustinberlin.de

Kommentar hinterlassen zu "„Wanderlust“ – spektakuläre Ausstellung in der Alten Nationalgalerie"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*