Klimagewalten – treibende Kraft der Evolution – 65 Millionen Jahre Erdgeschichte im Landesmuseum Halle

- Gletscherlandschaft mit Mammuten; Zeichnung Karol Schauer- Gletscherlandschaft mit Mammuten; Zeichnung Karol Schauer

Von Christina Widlok.

image001Von Halle nach New York war es eigentlich im Vergleich zu heute ein Katzensprung, landläufig zu erreichen in mehreren Tagen. Allerdings vor sehr langer Zeit im Devon bzw. vor geschätzt 370 Millionen Jahren. Das lässt sich sehr gut im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an einer zweiminütigen Computeranimation zur Kontinentalverschiebung der letzten 540 Mio Jahre nachvollziehen.

In bewährter Tradition setzt sich die neue Sonderausstellung „Klimagewalten – Kraft der Evolution“  im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle mit einem äußerst aktuellen Thema auseinander, dem globalen Klimawandel. Die Sonderschau, noch bis zum 21. Mai 2018 im Landesmuseum für Vorgeschichte zu sehen, betrachtet den Wandel des Klimas im Verlauf großer Zeiträume und versucht, neue Blickwinkel auf die aktuellen Probleme zu erschließen.

Hier werden die natürlichen Klimafaktoren, ihre Ursachen und Zusammenhänge in den letzten 65 Millionen Jahren Erdgeschichte nachvollzogen. Wie, wo und wann veränderte die Plattentektonik die Erdoberfläche? Wann wechselten Eiszeiten mit tropischem Klima und wie reagierte die Flora und Fauna darauf? Die Wissenschaftler des Landesmuseums fokussieren in dieser Ausstellung die Entwicklung der Säugetiere in den letzten 65 Mio Jahren. In wärmeren Zeitperioden entwickelte sich eine enorme Artenvielfalt, die in kühleren Zeitabschnitten verschwand und anderen Arten eine Chance bot.

Ausstellungsimpressionen. Fotos: LDA Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

Ausstellungsimpression. Fotos: LDA Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

 

Vor 65 Mio Jahren begann die Erdneuzeit, die Ära der Säugetiere und die Primaten-Evolution von den frühen Lemuren über die Hominiden-Entwicklung bis zur Entstehung der Menschenarten. Wurden Klimaveränderungen zur treibenden Kraft der Evolution? Die Ausstellung zeigt mit eindrucksvollen fossilen Funden und Nachbildungen die Strategie der Lebewesen auf die enormen Klimaschwankungen über große Zeiträume. Aus der vielschichtigen Entwicklung der Primaten ging der heutige Mensch hervor. Große Raubtiere wie die Riesenhyäne und die Säbelzahnkatze und auch Naturkatastrophen bedrohten sein Leben, doch der Mensch begann, die Umwelt nach seinen Bedürfnissen zu gestalten und verließ damit die rein biologische Evolution.Die Nutzung des Feuers, der Bau von Behausungen, Bekleidung und nicht zuletzt Werkzeuge und Waffen ließen ihn alle Klimaveränderungen überleben.

Nicht zufällig ist die erste Begegnung des Besuchers im Museum mit einem Mammutbullen. Sein Skelett wurde 1953 in Pfännerhall gefunden, sein Alter wird auf ca. 220.000 Jahre geschätzt.

Zentralinstallation. Foto: LDA Sachsen-Anhalt, Thomas Putkammer

Zentralinstallation. Foto: LDA Sachsen-Anhalt, Thomas Putkammer

Nur einige Meter entfernt fand man die Überreste eines Jungtieres. Nach gründlicher Reinigung und Untersuchung im vorigen Jahr steht nun dank Demoplastik das „Mammut von Pfännerhall“ in voller Größe mit zottigen Fall aus vergleichbarem und echtem Moschusochsenfell im Atrium des Museums.

Wohin tendiert unser Klima?

Große Diagramme über die Jahrmillionen bis in die Neuzeit zeigen den Wechsel von erheblich höheren Temperaturen als heute und mit größeren und kleineren Eiszeiten. Unsere Epoche, das Holozän, blieb seit 11.700 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit stabil. Unabhängig vom menschlichen Einfluss, so die Wissenschaftler, stiegen die globalen Temperaturen um 2 bis 2,5 Grad Celsius nach dem Ende der Kleinen Eiszeit im 19. Jh. Derzeit erwärmt sich das Erdklima in kürzester Zeit rapide. In längeren Zeiträumen ist jedoch durchaus auch eine bevorstehende Eiszeit denkbar. Der Kurator der Sonderausstellung, Dr. Puttkammer, zum „Klimahype“ unserer Tage: „Jederzeit gibt es natürliche Klimaveränderung. Das muss man verstehen. Daher ist das Klima von Haus aus nicht stabil. Hinzu kommt besonders in den letzten Jahrzehnten der Klimafaktor Mensch.“ Seinen hohen Einfluss streitet der Experte nicht ab, auch nicht die Verantwortung für unseren „ökologischen Fußabdruck“ – wohl aber ist auch er gegen jede „Klimahysterie“. „Wir können die Entwicklung unseres Klimas sehr wohl beeinflussen, unsere Ressourcen und das Recycling. Aber für die Erde als eigener ‚Organismus‘ ist das menschliche Zeitalter banal“, so Dr. Puttkammer, und entzieht jeder Spekulation gelassen den Boden.

Kaltzeit. Foto: LDA-Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

Kaltzeit. Foto: LDA-Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

In der Ausstellung werden dem Besucher zum Abschluss zwei hypothetische Szenarien für die Zukunft angeboten: die nächste Kaltphase oder die Erwärmung mit allen Konsequenzen.

Warmzeit. Foto: LDA-Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

Warmzeit. Foto: LDA-Sachsen-Anhalt, Andrea Hörentrup

„Doch egal, ob Warm- oder Eiszeit – beides wird künftige Generationen in naher Zukunft mit steigender Überbevölkerung vor enorme Herausforderungen stellen.“

www.landesmuseum-klimagewalten.de

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