Entdeckungen im Lutherjahr: Torgau

Torgau - die "Amme der Reformation". Foto Ingrid Müller-MertensTorgau - die "Amme der Reformation". Foto Ingrid Müller-Mertens

Wittenberg, die Wartburg, Eisleben – daran denkt man im Zusammenhang mit Luther. Aber Torgau? Ein Städtchen im nördlichen Sachsen, mit dem man vielleicht eher noch die weltpolitisch bedeutsame Begegnung der sowjetischen und amerikanischen Truppen auf der Elbbrücke im April 1945 verbindet.

Doch das ist nur eine Episode in der wechselvollen – mehr oder weniger glorreichen – Vergangenheit der Stadt an der Elbe. Mit Schloss Hartenfels wurde Torgau bereits im 16. Jahrhundert zur Hauptresidenz der ernestinischen Kurfürsten und ein wichtiges politisches Zentrum über lange Zeit.

„Wittenberg ist die Mutter, Torgau die Amme der Reformation“, heißt es treffend in den Annalen.

Ohne die damaligen Vorgänge und handelnden Personen in Torgau wäre die Geschichte der Reformation vielleicht anders verlaufen, denn die sächsischen Kurfürsten beschützten den Reformator und beförderten seine Ideen. Johann Friedrich der Großmütige (1532-1547) gilt als führender weltlicher Wegbereiter der Lehre Luthers.

Grabplatte von Katharina von Bora

Grabplatte von Katharina von Bora

Luther besuchte die Stadt häufig, auch mit seiner Frau Katharina von Bora. Im heute liebevoll restaurierten Haus seines Freundes Georg Spalatin (erbaut 1493) , dem sogenannten Steuermann der Reformation, traf er auch seine getreuen Mitstreiter. Spalatin hatte nach der Reichsacht gegen Luther 1521 mit Hilfe des Kurfürsten die Rettungsaktion auf die Wartburg organisiert.

Und noch eine ganz besondere Sehenswürdigkeit hat Torgau zu bieten: Das Sterbehaus von Luthers Ehefrau und damit die einzige Gedenkstätte für Katharina von Bora überhaupt.

apothekeMit soviel authentischem Luther-Ambiente wurde Torgau natürlich eine der vier zentralen Orte der Lutherdekade und somit  auf das Feinste herausgeputzt. Rund 500 ebenso beeindruckende wie seltene Baudenkmale der Spätgotik und Renaissance von internationalem Rang sind im Stadtzentrum zu bewundern.altstadt

 

Am besten erschließt man sich die Stadt bei einem Spaziergang mit der Lutherin höchstpersönlich. Stadtführerin Silvia Meinel  ist so verwachsen mit der historischen Person, dass man ihr hingerissen lauscht und sich in die Lutherzeit versetzt glaubt.

Silvia Meinel ist die Lutherin wie sie leibt und lebt

Silvia Meinel ist die Lutherin wie sie leibt und lebt

Eines der seltenen Renaissancerathäuser

Eines der seltenen Renaissancerathäuser

Beeindruckend eines der ganz seltenen Renaissance-Rathäuser, die aufwändig restaurierten Bürgerhäusern in der idyllischen Altstadt mit ihren schönen Giebeln und Erkern, die prächtige spätgotische Hallenkirche St.Marien,in der Luther häufig gepredigt hat und in der sich die Grabplatte Katharina von Boras befindet.

Denn als Luthers Witwe mit ihren jüngsten Kindern 1552 nach Torgau flüchtet, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen, verunglückte sie bei einem Kutschunfall und starb am 20. Dezember 1552in Torgau.

Im originalgetreu rekonstruierten Sterbehaus findet man in der Katharina-Luther-Stube zeitgenössische Gegenstände und die Lebensgeschichte jener Frau, deren Wirken und Bedeutung nie so wirklich gewürdigt wurde. Sie war – wenn man so will – die erste Feministin und bekam die volle Anerkennung ihres Mannes.

Gasthof "Herr Käthe".

Gasthof „Herr Käthe“.

Den Haushalt führte sie wie ein wirtschaftliches Unternehmen, um die Existenz der Familie zu sichern, nahm aber auch an vielen Gesprächen im Hause Luther teil und hatte für ihre Zeit als Frau eine außergewöhnliche Stellung. „Ich wollt meine Käthe nicht um ganz Frankreich und Venedig dazu hergeben, darum weil Gott sie mir geschenkt und mich ihr gegeben hat“, schwärmt Luther von seiner Gattin, die er als Ausdruck seiner ganz besonderen Hochachtung „Herr Käthe“ nennt. Eine Denkungsweise, die nicht mehr ganz nachvollziehbar ist.

Das hat Luther auch gern gegessen.

Das hat Luther auch gern gegessen.

In der gleichnamigen historischen Gaststube lässt es sich allerdings auch heute noch vortrefflich speisen.

 

Das prächtige Schloss Hartenfels gilt als das besterhaltene Schloss der Frührenaissance. Hier erwartet den Besucher ein ganz besonderes Kleinod: Der erste protestantische Kirchenneubau, gebaut nach Luthers Plänen und von ihm selbst am 5.Oktober 1544 geweiht.

Nach Luthers Grundsatz hat die Kanzel eine zentrale Stellung im Raum, denn das Wort Gottes steht im Mittelpunkt. „Salomo hat nirgends einen so schönen Tempel gebaut, als Torgau hat“, rühmte der Reformator sein Werk.

ausstellungIm Schloss erwartet uns dann eine sehenswerte Schau sächsischer Reformationsgeschichte. Unter dem Titel „Standfest. Bibelfest. Trinkfest. Johann Friedrich der Großmütige – der letzte Ernestiner Kurfürst“ wird Torgau als Machtzentrum der Reformation in den authentischen Räumen erstmalig wieder erlebbar gemacht. Die neue Dauerausstellung in den kurfürstlichen Gemächern und dem legendären Flaschenturm des Schlosses Hartenfels besticht durch eine ganz moderne, innovative Präsentation, multimedial und mit überraschenden Animationen. Hier werden Cranach-Bilder lebendig, der Kurfürst höchstpersönlich spricht uns an, die Kurfürstin erklärt die Räume. Originalinterieurs und Begebenheiten werden an die authentischen Wände gebeamt. Man ist mitten drin im historischen Geschehen und bekommt ein Gefühl für die Zeit und die handelnden Personen.

Also auf ins Mutterland der Reformation. Und halten wir es mit dem offenbar zur Euphorie neigenden Reformator: „Torgaus Bauten übertreffen in ihrer Schönheit alle aus der Antike, selbst der Tempel des Königs Salomo war nur aus Holz“. Martin Luther

 

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

www.tic-torgau.de

www.schloss-hartenfels.de

www.herrkaethetorgau.de

www.museum-torgau.de

www.sachsen-tourismus.de

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