„Das braucht kein Mensch“ – Werbungsverbot für Dickmacher gefordert

Dickmacher mit hohem Aufforderungscharakter für die junge Zielgruppe. Foto: DDGDickmacher mit hohem Aufforderungscharakter für die junge Zielgruppe. Foto: DDG

von Klara Berger.

Kinder sind nicht mehr nur Kinder, sie sind vor allem auch Konsumenten. Im Alter von zehn Jahren kennt ein Kind heute 300 bis 400 Markennamen. Schon zweijährige Kinder können inzwischen Mc Donald’s und Burger King auseinanderhalten. Kinder sind sozusagen von Marken umzingelt, überall dort, wo sie sich bewegen.

Foto:Foodwatch

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Die Unternehmen erreichen die Kinder mit ihrer Werbung heute auch dort, wo man sie in einem geschützten Raum wähnt: in der Familie, in der Schule, im Sportverein, in Sozialen Netzwerken im Internet. Zwar haben sich die großen Lebensmittelhersteller verpflichtet, keine Werbung für „unausgewogene Produkte“ an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Aber diese Regel missachten sie gerne und häufig. Zwar sind laut Jugendmedienschutz direkte Kaufappelle an Kinder verboten, „die deren Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit ausnutzen“ – aber Sanktionen bei Überschreitungen gibt es nicht. Kinder müssen Helme tragen, wenn sie Fahrrad fahren, das schreibt der Staat vor. Wenn sie sich mit zu süßen, zu fetten oder zu salzigen Lebensmitteln ihre Gesundheit mit lebenslangen Folgen ruinieren ist das offenbar Privatsache.

Eine große europäische Langzeitstudie hat nun den Beweis erbracht, dass insbesondere Fernsehwerbung bei Kindern den Konsum von zucker- und fettreichen Lebensmitteln erhöht und damit Übergewicht und chronische Krankheiten fördert.  „Es gibt kein einziges vernünftiges Argument, das Werbung für ungesunde Dickmacher rechtfertigen könnte, die sich an Kinder und Jugendliche richtet“, betont Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). TV-Spots für hochkalorische, übergewichtsfördernde Lebensmittel, die sich vor allem an Kinder richten sollten schnellstmöglich verboten werden.

Foto: Foodwatch

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Denn nach wie vor sind deutlich zu viele Kinder in Deutschland übergewichtig. Die Quote liegt bei 15 Prozent, wie das Robert Koch Institut ermittelte. „Beim Kampf gegen das Übergewicht kommt dem Umfeld eine Schlüsselrolle zu, dazu zählen vor allem auch die Eltern, die positiv Einfluss nehmen können“, so Gallwitz.

Werbung konterkariere diese Bemühungen jedoch. Sie bewirkt beispielsweise, dass Kinder ihre Eltern unter Druck setzen, ungesunde Dickmacher zu kaufen. „Verantwortungsbewusste Erziehungsberechtigte sehen sich dann einer Kaskade an ermüdenden Abwehrkämpfen ausgesetzt“, betont Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG. „Das braucht kein Mensch.“ Dass Werbung tatsächlich ein großes Wirkpotenzial entfaltet, belegt die I.Family Study, die 10.000 Kinder aus acht europäischen Ländern untersuchte: Der Nachwuchs greift nachweislich häufiger zu überzuckerten Softdrinks und hochkalorischen Speisen, nachdem TV-Spots geschaut wurden – sogar, wenn die Eltern von solchen Produkten abraten.

Direkte Folge dieses Konsumverhaltens ist Übergewicht, das wiederum chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauf-Leiden, Krebs und Atemwegskrankheiten fördert. „Kindermarketing für ungesunde Dickmacher ist aus unserer Sicht kommerziell motivierte, staatlich geduldete Verantwortungslosigkeit, die zu großem persönlichen Leid und hohen gesellschaftlichen Folgekosten führt“, so Garlichs. „Daher setzen wir uns für ein Verbot ein.“

115 Zuckerwürfel in 10 Cola-Sammeldosen. Foto: Foodwatch

115 Zuckerwürfel in 10 Cola-Sammeldosen. Foto: Foodwatch

Link zur Studie:

http://www.ifamilystudy.eu/i-family-study-final-conference/

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