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In Memoriam Papst Benedikt XVI.

VonRedaktion

Jan 2, 2023

Am 22.September 2011 besuchte Benedikt XVI. die deutsche Hauptstadt. Foto: Ingrid Müller-Mertens.

Während sich vor dem Petersdom in Rom Tausende Menschen versammeln, um von dem am Silvestertag im Alter von 95 Jahren verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. Abschied zu nehmen, erinnern wir mit Bildern noch einmal an seinen letzten Besuch am 22.September 2011 in Deutschland. Damals noch amtierendes Oberhaupt der Katholiken in aller Welt.

Benedikt XVI. war von seiner Wahl am 19. April 2005 bis zu seinem Amtsverzicht am 28. Februar 2013 Bischof von Rom und damit Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie das siebte Staatsoberhaupt im Vatikanstaat. Mit dem gebürtigen Bayern Joseph Ratzinger kam erstmals nach über 500 Jahren wieder ein deutscher Geistlicher auf den Heiligen Stuhl.

Schon vor seiner Wahl zum Papst galt Kardinal Joseph Ratzinger als einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Er war Präfekt der Glaubenskongregation und stand dem Konklave vor, das ihn schließlich zum 265. Papst der katholischen Kirche wählte. Er lebte seit seinem Rücktritt 2013 zurückgezogen auf dem Vatikangelände.

Empfang mit militärischen Ehren

Benedikt XVI. war ein Gelehrtenpapst, feinsinnig, belesen, rhetorisch geschliffen. Das Leitmotiv seines Pontifikats war, die Tradition des katholischen Glaubens in der Welt von heute intellektuell zu begründen. „Eine Vernunft, die dem göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen.“ Benedikt XVI.

Ehrengäste im Schlosspark

Doch mit dem Dialog tat sich der Papst schwer. Sein Pontifikat war von Skandalen überschattet, darunter das Bekanntwerden des Missbrauchsskandals 2010, die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson, dessen Exkommunikation Benedikt der XVI. aufgehoben hatte und die Regensburger Rede, die das Verhältnis zum Islam zeitweise stark belastete.

Hl. Messe im Olympiastadion

Bewundert wurde Benedikt XVI. dagegen für seine theologischen Schriften, in denen er auch schriftstellerische Qualitäten bewies. Seine Jesus-Trilogie wurde ein Bestseller. Die erste Enzyklika „Deus caritas est“ erfuhr Lob auch in den Feuilletons. Die machtbewusste Kurie in Rom bekam Benedikt XVI. dagegen nie in den Griff. Ein Beleg dafür: Der VatiLeaks-Skandal um verschwundene und veröffentlichte Dokumente vom päpstlichen Schreibtisch. Schließlich wurde es dem Papst zu viel.

„Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

Am 11. Februar 2013 kündigte er in einem bis dahin einmaligen Vorgang seinen Rücktritt als Pontifex an:

Der letzte Amtsverzicht eines Papstes lag fast 600 Jahre zurück . Für Kirchenhistoriker daher ein historischer Schritt : „Denn es kann sein, dass dadurch das Amt entmystifiziert wird – es gibt eben immer nur einen Papst.“

Nun gab es also erstmals zwei Päpste, den emeritierten und den amtierenden Papst Franziskus, der seit dem 13. März 2013 der 266. Bischof von Rom und damit Papst, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän des Vatikanstaats ist.

Benedikt lebte seitdem zurückgezogen in einem ehemaligen Kloster auf dem Vatikangelände, vertieft in seine Studien. Das Verhältnis zu Franziskus galt offiziell als herzlich, wurde allerdings überschattet durch gelegentliche provozierende Wortmeldungen des Emeritus. Unter anderem mit der verstörenden These, der liberale Zeitgeist der 68er-Bewegung sei der entscheidende Grund für die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche gewesen. Massive Kritik erfuhr er jüngst nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens, das ihm, dem ehemaligen Erzbischof, deutliche Fehlverhalten im Umgang mit vier Missbrauchstätern attestierte.

Einmal noch besuchte er im Juni 2020 seine alte Heimat, um sich in Regensburg von seinem todkranken Bruder Georg zu verabschieden. Sein Pontifikat wird als konservativ in die Geschichte eingehen – als Gelehrter hat er das Papstamt dennoch revolutioniert.

In seinem geistlichen Testament, das Benedikt XVI. bereits 2006 verfasst hatte, heißt es: „Alle, denen ich irgendwie unrecht getan habe, bitte ich von Herzen um Verzeihung“. Und er bat darin die Gläubigen, für ihn zu beten, „damit der Herr mich trotz all meiner Sünden und Unzulänglichkeiten in die ewigen Wohnungen einlässt“.

Die Beerdigungsfeier von Benedikt XVI. ist für Donnerstag, den 5.Jamuar, geplant. Nach Wunsch des Verstorbenen soll sie feierlich, aber schlicht ausfallen. Papst Franziskus wird das Requiem leiten. Zur Trauerfeier werden rund 60.000 Menschen erwartet, darunter Kardinäle und Staatsoberhäupter. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich angekündigt.

Fotos: Archiv Berliner Umschau/Ingrid Müller-Mertens

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