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Magische Spiegelungen – Johann Erdmann Hummel

VonRedaktion

Dez 8, 2021

Originellen Spiegelungen, räumlichen Verschachtelungen und raffinierten Beleuchtungen – die Alte Nationalgalerie in Berlin widmet dem bis heute trotz seiner Bedeutung wenig wahrgenommenen Maler Johann Erdmann Hummel (1769 – 1852) eine längst fällige Ausstellung.

In seiner Zeit war Hummels Schaffen einzigartig. Kein anderer Künstler hat sich damals ähnlich komplexen Lichtphänomenen und Raumkonstruktionen gewidmet. Seine mitunter rätselhaft und überrealistisch erscheinende Kompositionen zeichnen sich durch nüchterne Sachlichkeit und Detailfreude aus. Bildnisse sind ebenso Teil seines umfangreichen Werks wie Figurenszenen in Innen- und Außenräumen, Landschaften und Naturstudien.

In Kassel geboren und ausgebildet, zog Hummel 1800 nach Berlin, wo er über fünf Jahrzehnte äußerst produktiv wirken sollte.

1809 erhielt er an der Akademie der Künste eine Professur für Perspektive, Optik und Architektur. Die finanzielle Unabhängigkeit erlaubte es ihm, neue künstlerische Strategien zu entwickeln. Seine Lehrtätigkeit und seine Publikationen zu den Gesetzen der visuellen Wahrnehmung wurden national und international richtungsweisend.

Zwischen 1802 und 1848 präsentierte der Künstler regelmäßig Werke auf den Berliner Akademieausstellungen. Sein 1814 gezeigtes Gemälde „Gesellschaft in einer italienischen Locanda (Die Fermate)“ faszinierte das Publikum. Nicht ohne Humor schilderte Hummel in der detailreichen Szene einen musikalischen Vortrag. Der Berliner Romantiker E. T. A. Hoffmann widmete dem Gemälde seine Novelle »Die Fermate«; dieser Titel ist inzwischen auf das Bild übergegangen.

Hummels wohl berühmtestes Werk „Die Granitschale im Berliner Lustgarten“ (1831) zeigt die Begeisterung des Künstlers für optische Phänomene. In seiner Darstellung monumentalisierte er die aus der Nahsicht riesenhaft wirkende Schale, in deren polierter Außenwand sich die städtische Umgebung und die umstehenden Besucher spiegeln. Das Gemälde macht das innovative Potential und die Modernität seiner Bildfindungen deutlich – eine Tatsache, die in der Ausstellung durch die Gegenüberstellung mit dem Werk „Your reversed Berlin Sphere“ (2015) von Olafur Eliasson hervorgehoben wird.

Die umfassende Werkschau mit insgesamt 45 Gemälden und 50 Zeichnungen entdeckt den trotz seiner Bedeutung wenig wahrgenommenen Ausnahmekünstler aufs Neue.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Magische Spiegelungen – Johann Erdmann Hummel

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin , noch bis 20. Februar 2022

www.smb.museum

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