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Vandalismus im Museum Barberini

VonRedaktion

Okt 24, 2022

Ausstellungsansicht im Museum Barberini mit dem attackierten Gemälde von Claude Monet „Getreideschober“. Photo: Museum Barberini, David von Becker.

Eine Frau und ein Mann der Klimaschutz-Protestgruppe „Letzte Generation“ haben am Sonntag (23.Oktober 22) im Potsdamer Museum Barberini ein Bild des französischen Impressionisten Claude Monet mit Kartoffelbrei überschüttet. Auf einem Video ist zu sehen, wie sich zwei Personen in orangenen Westen im Anschluss an die Aktion vor dem Gemälde „Getreideschober“ an der Wand festkleben.

Die beiden wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Gegen beide werde wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch ermittelt.

Die „Letzte Generation“ ist vor allem durch Autobahnblockaden bekannt. Mittlerweile wählt die Gruppe auch andere Protestformen. Zuletzt lösten Mitglieder Feueralarme in Gebäuden des Bundestags in Berlin aus. Mitte Oktober hatten zwei Mitglieder der britischen Gruppe „Just Stop Oil“ in der Londoner Nationalgalerie das Bild „Sonnenblumen“ des Niederländers Vincent van Gogh mit Tomatensuppe beworfen.

Bei dem attackierten Werk handelt es sich um ein Bild aus der weltberühmten, 25-teiligen Serie „Meules“ (Getreideschober), die Monet im Winter 1890/91 malte. Es zeigt vier „Heuhaufen“ hintereinander im Licht der untergehenden Sonne. SAP-Gründer, Mäzen und Kunstsammler Hasso Plattner, der mit seiner Stiftung das Museum Barberini errichten ließ und es betreibt,erwarb das Gemälde 2019 für 111Millionen Dollar. Es ist dauerhaft in Potsdam ausgestellt. 

„Da das Bild verglast ist, hat es der umgehenden konservatorischen Untersuchung zufolge keinerlei Schäden davongetragen“. Teilte das Museum inzwischen mit. Bereits am Mittwoch, 26. Oktober, werde das Werk wieder in den Ausstellungsräumen zu sehen sein. 

„Ich bin erleichtert, dass das Bild keine Schäden davongetragen hat und wir das Werk bald wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Bei allem Verständnis für das drängende Anliegen der Aktivisten angesichts der Klimakatastrophe bin ich erschüttert über die Mittel, mit denen sie ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen suchen. Gerade in den Werken der Impressionisten sehen wir die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur. Die vielen Landschaftsgemälde in der Sammlung Hasso Plattner können Besucherinnen und Besuchern auch dazu Anstoß geben, ihre Beziehung zur Umwelt zu reflektieren und zu hinterfragen.“ Erklärte die Direktorin des Museums Barberini, Ortrud Westheider.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) kritisierte den Angriff auf das Gemälde scharf. „Das ist Kulturbarbarei und keine politische Meinungsäußerung“, sagte der Rathauschef. Auch Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) verurteilte die Aktion. „Die Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss, aber auch die Unterstützung für die Mammutaufgabe Klimaschutz? Nein. Damit erweisen die Aktivisten dem Thema einen Bärendienst und zerstören willentlich unsere Kulturschätze“, schrieb die Ministerin auf dem Kurznachqrichtendienst Twitter.

Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sowie Ursula Nonnemacher (Grüne), Vize-Ministerpräsidentin und Gesundheitsministerin in Brandenburg, verurteilten die Attacke. Solche Aktionen seien „durch kein noch so nobles Anliegen zu rechtfertigen“, schrieb Buschmann am Montag bei Twitter. „Aktionen, die fremdes Eigentum beschädigen, sind nicht nur eine Dummheit, sondern auch kriminell.“ Wenn sie sich gegen unersetzliche Kulturgüter richteten, machten sie „besonders fassungslos“.

Die beiden Täter hätten nach dem Angriff „relativ problemlos von der Wand gelöst werden“ können, sagte eine Museumssprecherin. Die Polizei sei sehr schnell vor Ort gewesen. Der Raum, in dem das Monet-Gemälde hängt, wurde für Besuchende gesperrt. Der Museumsbetrieb lief weiter. Das Barberini zeigt seit Samstag neben der Dauerausstellung eine neue Schau zur Kunst des Surrealismus.

Inzwischen hat sich die Museumsleitung für eine kurzzeitige Schließung des Museums bis zum 30. Oktober 2022 entschieden. Hintergrund ist der Wunsch des Museumsstifters Hasso Plattner, die Situation mit nationalen und internationalen Museumspartnern und leihgebenden Institutionen zu analysieren und die durch die jüngsten Angriffe offen gelegten Risiken zu diskutieren. In Anbetracht wiederholter Übergriffe sollen die Anforderungen für eine langfristige und nachhaltige Bewahrung der Kunst im internationalen Museumsbetrieb neu evaluiert und vor Ort angepasst werden. 

museum-barberini.de

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