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„Orfeo ed Euridice“ in der Komischen Oper gefeiert

VonRedaktion

Feb 9, 2022

Von Klara Berger

Orpheus‘ Gesang rührt die wilden Tiere, verführt Bäume und Felsen zum Tanzen. Durch die Kraft und Schönheit seiner Stimme besänftigt der Dichter und Sänger nach der griechischen Mythologie die Heerscharen der Unterwelt, Und so gelingt es ihm auch, dem Hades seine geliebte verstorbene Gattin Eurydike zu entreißen. Unter einer Bedingung: Auf dem Weg aus der Unterwelt zurück ins Leben darf er Eurydike nicht ansehen. Sonst wird diese endgültig sterben.

Auf der Grundlage der Metamorphosen des klassisch-antiken Dichters Ovid schufen Christoph Willibald Gluck und sein Librettist Ranieri de’ Calzabigi an der Schwelle zwischen Barock und Klassik 1762 die Neufassung eines Sujets, das bereits am Anfang der Gattung Oper als Vorlage für gleich mehrere Werke, darunter auch Claudio Monteverdis erste Oper, gedient hatte. Das nimmt kaum Wunder, steht im Mittelpunkt des Mythos doch der Gesang selbst: Die Kunst, die Musik, der Gesang vermögen im Namen der Liebe die Schrecken des Todes zu bezwingen.

Nach der legendären „Orpheus“-Produktion von Harry Kupfer in der Komischen Oper 1987 mit Jochen Kowalski in der Titelrolle, gelingt nun dem italienischen Regie-Star Damiano Michieletto wiederum eine Inszenierung dieser vielleicht schmerzlich-schönsten und tragischsten Liebesgeschichte der Opernliteratur, die Maßstäbe setzt für die heutige Interpretation und Relevanz von Barock-Opern und nach der Premiere zu Recht mit enthusiastischer Begeisterung gefeiert wurde.

Szenenbild mit Carlo Vistoli. Foto. Ingrid Müller-Mertens

Dafür steht Michieletto allerdings auch mit Carlo Vistoli ein Countertenor zur Verfügung, dessen darstellerische und einzigartige stimmliche Präsenz das Publikum förmlich von den Sitzen reißt. Der 34jährige Italiener ist glücklich, seine erste deutsche Produktion an einem der für ihn „interessantesten Opernhäuser in Europa“, singen zu dürfen. In „Orfeo ed Euridice“ gibt Vistoli jetzt den Titelhelden, der zur Rettung seiner Geliebten (Nadja Mchantaf) in die Hölle hinabsteigt und mit seiner Stimme Dämonen besiegt. David Bates, dessen musikalische Interpretation die anspruchsvolle Gluck-Partitur in allen Facetten auslotet, wird wirkungsvoll unterstützt durch das Vocalconsort Berlin. Das steril weiße Bühnenbild und Interieur von Paolo Fantin lässt nicht nur die eisige Atmosphäre zwischen Orfeo und Euridice zu Beginn geradezu körperlich fühlen, auch der Kampf mit den gesichtslosen, amorphen Furien der Unterwelt und Euridices Metamorphosen gestalten sich in diesem Rahmen mit seltener emotionaler Eindringlichkeit.

Weitere Vorstellungen: 12./25. Februar, 6. März
sowie 3. und 7. Juli 2022

Orfeo ed Euridice

(Orpheus und Eurydike) von Christoph Willibald Gluck

www.komische-oper-berlin.de

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