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Endlich wieder Messe in Berlin – Impressionen von der FRUIT LOGISTICA

VonRedaktion

Apr 7, 2022

Messe-Präsentation der Ukraine auf der FRUIT LOGISTICA 2020 . Foto: Volkmar Otto © Messe Berlin GmbH

Von Ronald Keusch

Die Freude über die Eröffnung der Fachmesse für den globalen Fruchthandel ist am ersten Messetag rund um das Messegelände an der Masurenallee und Jafféstraße mit Händen zu greifen. Erzeuger und Händler, Einkäufer, Fachbesucher unterschiedlicher Colour und natürlich auch einige Journalisten strömen erwartungsvoll und heiter zum Haupteingang in der Jafféstraße. Aussteller aus 87 Ländern sind hier vertreten und jede Menge internationales Publikum wird erwartet. Hier kann sich Berlin endlich mal wieder sehr eindeutig als internationale Metropole präsentieren.

Botschafterin für das gelbe Gold aus Ecuador. Foto: Ronald Keusch

Auf der online Pressekonferenz am Vortag der Eröffnung war das laute Aufatmen der Messe-Manager deutlich zu vernehmen. „Wir veranstalten die erste große Messe in Deutschland ohne Restriktionen“, betont mit etwas stolz Kai Mangelberger, derzeit Projektleiter der diesjährigen FRUIT LOGISTICA. Das erste Treffen nach mehr als zwei Jahren könne für alle Aussteller und Fachbesucher so stattfinden, sagt Mangelberger, wie sie es gewohnt sind, ohne den Nachweis erbringen zu müssen, dass sie getestet, genesen oder geimpft sind.

Foto: Ronald Keusch

Es hat sich ausgezahlt, den geplanten Termin im November 2021 auf April 2022 zu verschieben. Und sein erstes Resümee: „Gerade für unsere internationalen Teilnehmer stellt der Wegfall der komplizierten Zutrittsregelungen eine enorme Erleichterung dar. Schon jetzt haben Besucher aus über 100 Ländern ihre Tickets gekauft.“ Nach der Zwangspause sind immerhin mehr als 2000 Aussteller unter dem Funkturm versammelt. Die Zahl von 3300 Ausstellern aus dem Jahr 2020 konnte ohnehin mit dem Neustart nicht erreicht werden. Nun kann das langersehnte Wiedersehen mit Kollegen, Freunden und natürlich mit Berlin stattfinden. Auch werde die Bedeutung der Fachmesse durch das große Interesse der Politik verdeutlicht. „Insgesamt haben 40 Minister aus der ganzen Welt ihren Besuch angemeldet“, so Mangelberger. Ein neuer Rekord für diese Messe.

Doch das Corona-Virus und die Pandemie-Maßnahmen haben auch ihre Spuren hinterlassen. Es gibt keine Tageskassen und alle Tickets sind ausschließlich online im Ticketshop zu erwerben. Dauerkarten kosten in diesem Jahr 85 Euro, Tageskarten 45 Euro. Die 2014 eröffnete multifunktionale Messearena, der CityCube, der Stolz der Messe Berlin sowie auch einige andere Messehallen bleiben geschlossen, auch Zugänge zum Messegelände wie der Eingang neben dem CityCube. Wenngleich die Maskenpflicht in den Messehallen aufgehoben ist, empfehlen die Veranstalter ausdrücklich das freiwillige Tragen einer Maske, insbesondere auf den Gangflächen und in den Eingangsbereichen. Weit weniger als 10 Prozent von Ausstellern wie Besuchern, so meine Beobachtung, halten sich an diese Empfehlung. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Deutschen (nach Umfragen wollen etwa Zweidrittel von ihnen die Maske freiwillig weitertragen) hier auf dem Messegelände (wie auch in der Welt) eine Minderheit darstellen.

Die Häppchen der Aussteller für die Besucher machen sich rar, aber es gibt sie, die Kostproben von dunkelhäutigen Tomaten aus Spanien, eine Apfelsorte aus Italien, die man als Cider trinken kann, Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren in Kombination aus Frankreich oder ein Glas Rotwein aus argentinischen Trauben zu hochwertigen Rosinen aus Argentinien und Chile. Und aus Vietnam kommt eine Neuheit, die der gesalzenen und gerösteten Knabber-Welt Konkurrenz machen kann: Getrocknete Banane und Kokosnuss sowie Jackfruit Chips, vakuumfrittiert, knusprig mit exotischen Aromen.

Foto: Ronald Keusch

Zur bunten Messewelt gehören auch Volksmusik und eine exotische Tänzerin in einem glitzernden Kostüm am großen Messestand von Ecuador. Aus diesem Land präsentieren sich große Bananen-Farmen. Und sie rufen den Besuchern ins Gedächtnis, wie spottbillig in Westeuropa einschließlich Deutschland die Bananen sind und wie wenig davon dann bei den Produzenten ankommt.

Eine kleine Wanderung durch die Hallen und die bunte Welt kann in den Hallen 25 und 11.2 auch sehr informativ und aufklärerisch sein. Hier finden sich einige Dutzend Fachzeitschriften, einige wenige auch in deutscher Sprache. Dazu zählt auch eine Broschüre mit dem Titel: „European Statistics Handbook“. Sie enthält von den Europäischen Ländern einschließlich von Deutschland eine Sammlung von Schlüsselproduktionen, Import- und Export-Informationen, Markt Trends und Handelsstrukturen und -ströme in der EU. Und nicht ganz überraschend: Kein Land der EU hat eine solch negative Außenhandelsbilanz für Obst und Gemüse, wie Deutschland. Dem Export von Waren in Höhe von 1,125 Milliarden Euro stehen Importe im Wert von 11,307 Milliarden Euro im Jahr 2020 gegenüber.

Nachbarländer wie Polen oder Belgien warten da mit deutlich besseren Zahlen auf und die Niederlande hat sogar eine positive Außenhandelsbilanz. Es bleibt die Frage, wann und wie Deutschland so gründlich seine Position verspielt hat, sich zumindest annähernd selbst zu versorgen.

Hier wäre ein weites Feld für immergrüne Politiker, die sich mit statistischen Fakten für ihr Regieren ausrüsten könnten, um den Obst- und Gemüseanbau effektiv zu fördern und zu stärken. Während andere statistische Zahlen und Fakten zur Energiewende oder der Corona-Pandemie buchstäblich auf offener Straße zu finden sind, liegt hier das Zahlenmaterial gut geordnet und geheftet in den Regalen der FRUIT LOGISTICA. Einfach ein paar Millionen Beraterhonorare sparen und dafür mit dem Team Tickets für die FRUIT LOGISTICA lösen.

Quelle: www.keusch-reisezeiten.de

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