Ein total entspanntes Wochenende im Spreewald

Brauchtum und regionale Küche im Hotel "Zum Stern" in Werben. Bild: Ingrid Müller-MertensBrauchtum und regionale Küche im Hotel "Zum Stern" in Werben. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Mit einem überaus leckeren Kürbispunsch fängt es an, das total entspannte Spreewälder Wochenende. Und zwar im idyllischen Hotel „Zum Stern“ in Werben bei Burg mit seiner über 400-jährgen Familientradition. Bei Wirtin Antje Schlodder-Franke fühlt man sich sofort wie zuhause.

Wirtin Antje Schlodder-Franke kredenzt leckeren Kürbispunsch. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Wirtin Antje Schlodder-Franke kredenzt leckeren Kürbispunsch. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Im familiären, gemütlichen Ambiente genießt man herzliche Gastfreundschaft und eine bodenständige, gesunde Küche. Dafür zuständig ist Hotelwirt Peter Franke, über dessen Kräuter-Manufaktur noch zu reden sein wird.

Bevor man sich zum üppigen Abendessen mit regionalen Spezialitäten begibt, empfiehlt sich ein Rundgang. Das Angerdorf Werben, zählt zu den ältesten Ansiedlungen im Spreewald. Namhafte Adelsfamilien, aus denen unter anderem auch der Dichter Heinrich von Kleist hervorging, hatten hier ihren Sitz.

Sehenswert auch die spätgotische wendische Backsteinkirche mit ihren  einzigartigen Deckenmalereien von Obst, Blumen und Gemüse, die seit über 700 Jahren die Bedeutung des Feldbaus in der Region deutlich machen.

taufengel

Taufengel. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Man weiß nicht so recht, was beim anschließenden „Spreewaldabend mit Spreewald-Originalen“ dann beeindruckender ist: Das optisch wie kulinarisch überzeugende Menü der Küchenmannschaft oder die besonderen Gäste in ihren farbenfrohen, reich bestickten Trachten und den typischen Hauben.

Leckeres aus regionalem Anbau. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Leckeres aus regionalem Anbau. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Insbesondere Marga Morgenstern, die 81-jährige Heimatdichterin, zieht uns sofort in ihren Bann und man könnte ihren authentischen Berichten und tiefsinnigen Lebensweisheiten noch stundenlang lauschen. Mit Herzblut kämpft sie für die Pflege und Erhaltung der wendischen Tradition und Bräuche ihrer Vorfahren. Trachtenschneiderin Christa Dziumba und ihr Ehemann, der die traditionellen Stickereien meisterhaft beherrscht, geben einen spannenden Einblick in die Spreewälder Trachtentradition .

Marga Morgenstern. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Marga Morgenstern. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Und natürlich erfuhren wir alles über die berühmte Spreewaldgurke. Die leider immer stärker durch die Industrialisierung des Anbaus an Qualität verliert, was  auch  die Existenz der heimischen Gemüsebauern gefährdet. So wie die Region nach Ansicht der Einheimischen überhaupt viel mehr tun sollte, um Handwerk und Tradition zu erhalten. Stattdessen verdrängen moderne Luxushotels und Wohnsiedlungen die alten historischen Gehöfte und bieten der Jugend wenig Perspektive. Eine 3000 Jahre alte Siedlungsgeschichte verschwindet immer mehr aus dem Bewußtsein. Für die regionalen Produkte gibt es leider keine Lobby und kaum EU-Mittel. Auch die Touristenabgaben werden vorwiegend für die Verwaltung eingesetzt und nicht für die Erhaltung von Brauchtum und Kulturlandschaft.

Werben ist ein idealer Ausgangsort für Touren per Auto, Rad oder auch zu Fuß in das wendische Siedlungsgebiet mit seinen verträumten Ortschaften, Auen und Sümpfen, den unzähligen verzweigten Fließen. Das UNESCO Bioshärenreservat mit seinen 18.000 Pflanzen und Tierarten ist auch – und vielleicht gerade – in der stillen, nebelumhüllten Herbst- und Winterzeit von ganz eigenem, ja mystischem Reiz. Und so wartet im benachbarten Burg am Sonnabend ein Erlebnis der besonderen Art: Auf einem typischen Spreewaldkahn mit einem Kamin  entspannt und in totaler Stille durch die Kanäle zu gleiten.

Kahnfahrt mit Kamin. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Kahnfahrt mit Kamin. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Erwärmt von außen durch das flackernde Feuer, von Innen mit einem zünftigen Glühwein. Bei Minusgraden kann man auf den Kanälen auch über das Eis wandern oder mit dem Stoßschlitten und auf Schlittschuhen durch die malerische, entrückte Landschaft gleiten.

Unabhängig von der Jahreszeit ist ein Besuch in der Kräutermanufaktur bei Burg von Peter Franke wohl immer der Höhepunkt eines Spreewaldwochenendes. Der inzwischen weit über die Grenzen hinaus bekannte Spreewaldkoch – auch aus Japan kamen schon Gäste – weiß alles über die regionalen Feldfrüchte, Kräuter, Obst- und Getreidesorten. Man kann mit ihm auf einem Spaziergang Wildkräuter sammeln und viel über ihre Wirkung lernen.

Peter Franke in seinem Reich. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Peter Franke in seinem Reich. Bild: Ingrid Müller-Mertens

In seiner gemütlichen Küche im historischen Doppelstubenhaus von 1804 flackert schon anheimelnd das Herdfeuer und in einem Kessel brodelt die Rinderbrühe. Kochen müssen dann die Gäste allerdings selber und das macht einen Heidenspaß.

Da wird unter Peter Frankes geduldiger und unaufgeregter Anleitung Gemüse geschnippelt, werden Kräuter gehackt, in kleine Fläschchen diverse Essigspezialitäten gefüllt, getrocknete Kräuter eingetütet, Etiketten beschriftet und leckere Marmelade kreiert.

Rote Bete/Aronia-Marmelade - lecker, Bild: Ingrid Müller-Mertens

Rote Bete/Aronia-Marmelade – lecker, Bild: Ingrid Müller-Mertens

Der gebürtige Sachse wurde inzwischen zu einem populären Botschafter für die Marke Spreewald. Er setzt sich ganz entschieden für das regionale Gemüse und den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen ein und vermittelt mit viel Humor und ohne erhobenen Zeigefinger Grundsätze der gesunden Küche und alle Geheimnisse der heimischen Wildkräuter.

Ohne Fleiß kein Preis in Peter Frankes Kräutermanufaktur Bild: Ingrid Müller-Mertens

Ohne Fleiß kein Preis in Peter Frankes Kräutermanufaktur Bild: Ingrid Müller-Mertens

Eine Lehrstunde, die allen Teilnehmern unvergesslich bleiben wird. Zumal dann mit großem Appetit das gemeinsame Werk fröhlich verzehrt wird und jeder noch eine große Tüte der selbstgemachten Köstlichkeiten mit nach Hause nehmen kann.

 

Derartig tiefenentspannt machen wir uns dann auf dem Weg ins nahe Cottbus, um zum Abschluss die spannende Frage zu klären : Wer war der Mörder?“ .

Spielfreudiges Krimi-Ensemble. Bild: Hans-Peter Gaul

Spielfreudiges Krimi-Ensemble. Bild: Hans-Peter Gaul

Beim exquisiten Viergänge-Menü im schönen Bankettsaal des Hotels Radisson Blu lassen wir uns beim Krimi-Dinner kulinarisch verwöhnen und von spielfreudigen Darstellern kriminalistisch herausfordern. Nein, der Mörder war nicht der Gärtner. Mehr wird nicht verraten.

Am Sonntag lässt man dann das ereignisreiche Wochenende bei einem ausgiebigen Frühstück im Radisson Blu Hotel mit Spreewälder Spezialitäten ausklingen. Bevor man sich auf dem Heimweg begibt, sollte unbedingt noch Zeit sein, für einen Besuch des komfortablen Spa-Bereichs im Hotel und eine Runde im Swimming-Pool mit Blick über die Dächer der Stadt.

Schwimmbad im Radisson Blu Hotel Cottbus

Schwimmbad im Radisson Blu Hotel Cottbus

Marga Morgenstern hat uns in wendischer Mundart ihre Lebensweisheit mit auf den Weg gegeben: „Ich treeme von Friedn und Zärtlichkeit, treemen is Sunntag des Denkens bei diese Zeit. Ich winsche eich Glick, keen Hass und keen Streit, nee, imma bloß Zufriedenheit.“

Das Wochenende im Spreewald jedenfalls war rundum zufrieden.

www.hotel-stern-werben.de

www.spreewaldoriginale.de/morgenstern.html

www.trachtenstickerei.de

www.spreewald-kraeutermanufaktur.de

www.rb-hotel-cottbus.de

 

2 Kommentare zu "Ein total entspanntes Wochenende im Spreewald"

  1. Kaum eine kulinarische Spezialität im Spreewald ist so bekannt wie die Spreewaldurke! Mit Recht aber wir haben mehr zu bieten! Anlass für mich Danke zu sagen an Frau Ingrid Müller Mertens die ein wunderbares Bild über uns gezeichnet hat…Ihr Peter franke

  2. Ein schöner Artikel, der Spreewald hat seinen Reiz auch wenn die „Bleiche“/ 17fuufzig soeben den Michelinstern verloren hat.
    Jens Hoffmann
    Travel-Food-Art

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