Luther in 3D

Lebensecht: Luther in 3D. Foto: Landesamt für Denkmalpflege und ArchäologieLebensecht: Luther in 3D. Foto: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Vielleicht wird er nicht jedem gefallen, der dreidimensionale lebensechte Martin Luther. Auf den bekannten Porträts von Lucas Cranach jedenfalls sieht der Reformator wesentlich gefälliger, freundlicher – kurzum – sympathischer aus. Sie gelten seither als die kanonische Grundlage für die bildliche Vorstellung, wurden sozusagen zur „Marke Luther“

Aber es geht hier nicht um Attraktivität und Sympathie. Es geht um höchstmögliche historische Wahrheit. Und der ist man dank der Möglichkeiten modernster digitaler Technik ein großes Stück näher gerückt. Vielleicht zu 99 Prozent, meinen Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra und der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Prof. Harald Meller bei der Präsentation in der Berliner Landesvertretung.

Gerade in Sachsen-Anhalt fühlt man sich zum 500-jährigen Reformationsjubiläum verpflichtet, Neues zur Lutherforschung und nun auch zum Luther-Bild beizutragen. Kulturminister Rainer Robra verwies auf das exklusive kulturelle Erbe, über welches Sachsen-Anhalt mit seinen authentischen Lutherstätten verfüge. „Sachsen-Anhalt ist das Ursprungsland der Reformation, in Eisleben erblickte Luther 1483 das Licht der Welt und dort starb er auch. In Wittenberg befinden sich die zentralen Gedenkorte der Reformation. Insgesamt gibt es im Land noch 60 weitere Orte in 35 Städten und Gemeinden, an denen sich Luther aufhielt oder die auf andere Weise mit dem Reformator verbunden sind.

Wann und wo sich Luther aufhielt, wie er lebte und wirkte – alles akribisch erforscht. Über 1000 Ausstellungen werden das zum Jubiläum von allen Seiten beleuchten. Eine Frage blieb bisher offen, bzw. man stellte sie sich gar nicht: Wie sah Luther wirklich aus?

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hatte eine Idee. Warum nicht anhand aller vorhandenen bildlichen Quellen den Versuch wagen, ein dreidimensionales, ideologiefreies, also möglichst authentisches Bild Luthers zu entwickeln?

Man gewann Mitstreiter für das spektakuläre Projekt. Die international renommierte Hallenser Firma MotionWorks nahm sich mit Begeisterung der Herausforderung an Ausgangspunkt war die Wittenberger Kopie der in der Marktkirche in Halle aufbewahrte Totenmaske Luthers. Wenngleich nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, ob sie von Luther stammt, so ergab das Morphing – eine spezielle computergesteuerte Bildverarbeitungstechnik – mit den Altersbildnissen Cranachs des Älteren und anderen Künstlern eine erstaunliche Übereinstimmung. „Deswegen wagten wir diesen Versuch“, so Prof. Harald Meller vom Landesamt. „Verschiedene Wissenschaftler trugen dabei ihr Wissen zusammen, selbst den renommierten Gerichtsmediziner Prof. Dr. Manfred Kleiber haben wir einbezogen“, schilderte er die Arbeit eindrucksvoll. Anzumerken ist, dass alle Wissenschaftler an dem Projekt unentgeltlich mitgewirkt haben und auch die Mitarbeiter der Produktionsfirma sich mit großem Engagement eingebracht haben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Noch nie blickte uns Martin Luther so lebensnah an. Aber dabei kamen nun auch die genauen Details, wie Leberflecke, Falten und das vom Grauen Star erblindete linke Auge zum Vorschein. Ein von Alter und dem Leben gezeichneter Reformator, der mir großer Wahrscheinlichkeit so ausgesehen haben dürfte. Frei von tendenziösen „Hübschungen“. Wie gesagt: Nicht jeden wird es freuen. Aber wenn man sich in den zunächst etwas verstörenden Anblick vertieft, bemerkt man ein leichtes Lächeln. Eine gewisse Abgeklärtheit, Ambivalenz und – ja – Ironie. Der große Reformator war eben auch nur ein Mensch.

2 Kommentare zu "Luther in 3D"

  1. Auf dieses Jubiläum im nächsten Jahr können wir gespannt sein, nachdem sich die evangelische Kirche nun offenbar bemüßigt fühlt, sich mehr oder weniger von Luther zu distanzieren.

  2. Luther sieht schon ziemlich gruselig aus. Mutig! Aber ziemlich spannend.

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