„Neubeginner“ – Maschine allein unterwegs

Dieter "Maschine" Birr - Neubeginn mit 72. Bild: Ingrid Müller-Mertens -Dieter "Maschine" Birr - Neubeginn mit 72. Bild: Ingrid Müller-Mertens -

Kaum sind die letzten Kabel der Puhdys-Abschiedstour-Anlage zusammengerollt, kaum ist der ECHO ins Regal gestellt, kaum sind die letzten Seufzer verklungen, da scharrt schon wieder einer mit den Hufen. Mit 72 Jahren hat Dieter Birr – Jeans, Lederjacke, Sonnenbrille, Ohrring – besser bekannt als „Maschine“, keine Lust auf Rockerrente.

So richtig verwundert zeigt sich allerdings keiner: Hatte jemand ernsthaft erwartet, dass diese Maschine, die seit Jahrzehnten mit bestgeölten Zylindern kraftvoll geradeaus stampft, so einfach rechts ranfahren und anhalten würde? Gas weg, Motor aus, Plane drüber? Unvorstellbar. Dieter „Maschine“ Birr, der in 47 Jahren Puhdys über 22 Millionen Tonträger verkaufte und mehr als 4500 Konzerte spielte, kriegt keiner so einfach eingefangen

„Neubeginner“ heißt sein neues Album. Es fängt selbstbewusst mit dem programmatischen Song „Neubeginn“ an, mit dem er auch seine Konzerte auf der Tour im nächsten Jahr eröffnen wird: „Neubeginn im neuen Leben / neue Meere überqueren / endlos viele neue Ziele / alles für mein zweites Leben“. Es ist das dritte Solowerk in seiner langjährigen Karriere und das erste, bei dem sich der Dieter Birr ausschließlich auf neues Songmaterial konzentriert.

Dabei werden textlich und musikalisch eine ganze Reihe ungewohnter Töne angeschlagen, Themen gewälzt, Sounds gefunden. Die Kompositionen stammen bis auf zwei Ausnahmen alle von Maschine. Doch bei den Texten tauchen unerwartete, wenn auch vertraute Namen auf: Heinz Rudolf Kunze und Gisela Steineckert.

Da geht es schon mal in philosophische Tiefenschichten, die man vom Kumpeltyp Maschine bisher nicht kannte. Doch keine Angst, es bleibt noch genügend Platz für den Birr, den wir kennen und lieben, der mit nur wenigen Worten oft genau ins Schwarze trifft: Etwa, wenn er in dem gleichnamigen Song „Mein Zug ist abgefahren“ trotzig ein selbstzufriedenes „…doch ich sitz´ immer noch drin!“ hinzu fügt. Oder wenn er die Idole seiner Jugend beschwört (wer Nostalgie bespöttelt, hat einfach noch kein Leben gelebt) oder kurz und trocken mal wieder von seinem Berlin schwärmt: „Kennedy war ein Berliner, wie gut, dass auch ich einer bin.“

Maschine muss keinem mehr was beweisen. Seine Stimme ist nicht von makellosem Wohlklang, aber es kennt sie jeder im Land. Seine Riffs sind nicht gefeilt, sondern eher geschmiedet. Denn sie rocken Stadien. Es ist längst ein offenes Geheimnis, dass dort, wo in den letzten Jahren „Puhdys“ drauf stand, im Wesentlichen Birr drin war. Maschine ist in der Lage, seine Alben nahezu allein einzuspielen. Dennoch holte er sich wieder Kollegen wie Uwe Hassbecker (Silly) an der Gitarre und Felix Lehrmann (The Flower Kings) am Schlagzeug, die schon am Vorgänger beteiligt waren, ins Studio. Wie ein Kind freut er sich auf die Live-Tour. Start am 20.Januar 1017 in Leipzig. Zum Abschluss dann am 12. Februar 2016 das Heimspiel in Berlin.

Natürlich ist auch der versierte Profi ein bisschen aufgeregt. Schließlich muss er nun erstmalig „seine Haut allein zu Markte tragen“ – er möchte sich nicht blamieren. Und er ist gespannt auf das Urteil der anderen Puhdys. „Wir haben eine richtig schöne Zeit gehabt – es war ein wichtiger Teil meines Lebens. Aber das Kapitel ist abgeschlossen“, sagt Birr. Vielleicht stehe ja in fünf Jahren mal wieder einer der Kollegen mit auf der Bühne. Jetzt freut er sich erstmal auf die Tour, seine Tour. „Klar gab es auch manchmal Zweifel“, sagt Maschine aber wichtig sei, dass man „dran bleibt“. Und wie gefällt ihm selber sein Album? „Ich find´s richtig jut“, sagt der unverkennbare Berliner.

MASCHINE „Neubeginner“ , Verkaufsstart am 30.09.2016 Label: Heart of Berlin

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