Yayoi Kusama: A Bouquet of Love I Saw in the Universe

Erstmalig in Deutschland zeigt der Gropius Bau in Berlin in einer umfassenden Retrospektive Werke von Yayoi Kusama. Für den Lichthof schuf die 93jährige japanische Künstlerin diese überdimensionale Installation. Foto: Luca GirardiniErstmalig in Deutschland zeigt der Gropius Bau in Berlin in einer umfassenden Retrospektive Werke von Yayoi Kusama. Für den Lichthof schuf die 93jährige japanische Künstlerin diese überdimensionale Installation. Foto: Luca Girardini

Yayoi Kusamas gehört zu den bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Gegenwart. Der Gropius Bau Berlin präsentiert nun erstmals in Deutschland eine umfassende Retrospektive, die die zentralen Schaffensperioden der heute 92jährigen aus über 80 Jahren künstlerischer Arbeit würdigt aber auch das Leben dieser Ausnahmekünstlerin ausführlich vorstellt.

 Yayoi Kusama, Portrait  YAYOI KUSAMA, Courtesy: Ota Fine Arts, Victoria Miro & David Zwirner


Yayoi Kusama, Portrait
YAYOI KUSAMA, Courtesy: Ota Fine Arts, Victoria Miro & David Zwirner

Ein wesentliches Anliegen der Ausstellung ist es, die Entwicklung von Kusamas Schaffen von frühen Gemälden und akkumulativen Skulpturen hin zu immersiven Erlebnisräumen nachzuzeichnen und insbesondere ihre bislang wenig beachtete künstlerische Aktivität in Deutschland und Europa aufzuarbeiten.

Dabei rückt auch die Rolle Kusamas als Pionierin des „Personal Branding“ ins Blickfeld, also die bewusste Inszenierung un Vermarktung der eigenen künstlerischen Person.

Infinity Nets

In den späten 1950er begann Yayoi Kusama, Infinity Net Gemälde zu malen, die in einer unverkennbare Bildsprache, die Illusion der Endlosigkeit vermitteln. Die Vorstellung von Unendlichkeit spielt in Kusamas Ästhetik und Denkweise bis heute eine grundlegende Rolle.

Die Technik und der Stil dieser Bilder weisen auf Kusamas Halluzinationen hin, die im Alter von ungefähr zehn Jahren einsetzten und seither nie aufgehört haben. Sie sah Lichtblitze und Punktfelder und spürte förmlich, wie diese Muster aus ihrem Geist in die sie umgebende Welt übergingen. Zu diesem Zeitpunkt begann sie sich für die Idee der Selbstauflösung zu interessieren – die Übergabe ihres Körpers an den sie umgebenden Raum.

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Kusama beschrieb, wie ihr Malen in obsessiven Phasen ablief, geprägt von der Verschmelzung ihrer Haut mit Objekten: „Ich übersäte eine Leinwand mit Netzen und malte diese dann auch auf den Tisch, auf den Boden und schließlich auf meinen eigenen Körper. […] Die Netze begannen sich ins Unendliche auszudehnen. Ich habe mich selbst vergessen, als sie mich umhüllten.”

My Eternal Soul

Von ihrem unverkennbaren Stil der Netze und Punkte ausgehend, begann Yayoi Kusama 2009 mit der Arbeit an My Eternal Soul – eine bis heute andauernde Serie von Gemälden, die mit Acryl auf Leinwand gemalt werden. Pulsierende Farben umranden halbfigürliche, biomorphe Formen, die sowohl Hieroglyphen als auch Pflanzen oder Phalli sein könnten. Amöben treffen auf gezackte Zähne, Augen wiederholen sich in Gesichtern im Profil, dunkle Kreise schweben im amorphen Raum und alles deutet auf Tod und Unfruchtbarkeit hin, aber auch Leben, Freude und das unbekannte Jenseits.

Yayoi Kusama: Installationsansicht, 2021, Gropius Bau Foto: Luca Girardini

Yayoi Kusama: Installationsansicht, 2021, Gropius Bau
Foto: Luca Girardini

Ursprünglich sollte die Serie hundert Arbeiten umfassen, doch inzwischen sind es weit über siebenhundert. Kusamas täglicher Schaffensprozess scheint kein Ende zu nehmen. Im Gropius Bau sind 62 Werke der Serie ausgestellt.

 Yayoi Kusama, Infinity Mirror Room – Phalli’s Field, 1965 Installation, YAYOI KUSAMA, Courtesy: Ota Fine Arts, Victoria Miro


Yayoi Kusama, Infinity Mirror Room – Phalli’s Field, 1965
Installation, YAYOI KUSAMA, Courtesy: Ota Fine Arts, Victoria Miro

„Yayoi Kusamas künstlerische Position zeichnet sich durch revolutionäre Interventionen aus, die sowohl von dem Wunsch einer vollkommenen Vereinigung von Körper und Kunstwerk als auch einer Neudefinition der Rolle der Frau in der Kunst getragen werden“, sagt Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Baus und Kuratorin der Ausstellung zur Eröffnung. Die raumgreifende Arbeit „A Bouquet of Love I Saw in the Universe“ (2021) wurde von Yayoi Kusama eigens für den historischen Lichthof des Gropius Bau entworfen, der für die Dauer der Ausstellung in einem Meer aus großformatigen, wogenden Tentakeln versinken wird.

Die Ausstellung beinhaltet neben umfangreichem Archivmaterial acht weitere Ausstellungsrekonstruktionen aus den Jahren 1952 bis 1983. Der Schwerpunkt liegt auf Kusamas bisher wenig erforschter Aktivität in Europa und hebt den performativen Charakter ihres Werkes hervor. Innovative Selbstinszenierungs- und Partizipationsstrategien innerhalb ihrer Arbeiten können als Vorläufer heutiger Tendenzen der sozialen Medien gelesen werden.

Yayoi Kusama: Eine Retrospektive, Installationsansicht, 2021, Gropius Bau Foto: Luca Girardini

Yayoi Kusama: Eine Retrospektive, Installationsansicht, 2021, Gropius Bau
Foto: Luca Girardini

Das Bestreben der Künstlerin, die Rolle der Frau in der Kunst neu zu definieren, liegt im Zentrum ihrer vielfältigen Tätigkeiten. „Ich freue mich sehr, dass meine Retrospektive im wunderbaren Gropius Bau stattfinden wird. Dies ist eine Ausstellung, an die ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, mit Liebe und Hoffnung.“ – Yayoi Kusama.

Yayoi Kusama, „Anti-War“ nacktes Happening und Fahnenverbrennung auf der Brooklyn Bridge, 1968

Yayoi Kusama, „Anti-War“ nacktes Happening und Fahnenverbrennung auf der Brooklyn Bridge, 1968

Ergänzt wird diese Chronologie durch dokumentarisches Foto- und Filmmaterial, das die performative Dimension von Yayoi Kusamas Arbeiten aufzeigt und eine umfassende Kontextualisierung ihres Schaffens ermöglicht. Dabei wird auch der revolutionäre Charakter von Kusamas Fusion aus Mode, Kunst sowie Performance und Happening deutlich.

 

Yayoi Kusama: A Bouquet of Love I Saw in the Universe

23. April bis 15. August 2021

Gropius Bau
Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin

Der Gropius Bau bleibt ab dem 24. April 2021 geschlossen

Aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens und des veränderten Infektionsschutzgesetzes, das am 22. April 2021 vom Bundesrat gebilligt wurde, bleibt der Gropius Bau temporär geschlossen bis das Infektionsgeschehen die weitere Öffnung erlaubt.

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