Claudia Skoda. Dressed to Thrill

Claudia Skoda ist  eine Schlüsselfigur und Ikone der West-Berliner Undergroundszene der 1970er- und 80er-Jahre und revolutionierte mit ihren außergewöhnlichen Designs das Verständnis von Strickmode.  Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar KatzClaudia Skoda ist eine Schlüsselfigur und Ikone der West-Berliner Undergroundszene der 1970er- und 80er-Jahre und revolutionierte mit ihren außergewöhnlichen Designs das Verständnis von Strickmode. Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Klara Berger.

Claudia Skoda posiert auf dem Dach der fabrikneu in ihrer Kollektion „Shake Your Hips“, unbekannter Fotograf, ca. 1975, © Claudia Skoda

Claudia Skoda posiert auf dem Dach der fabrikneu in ihrer Kollektion „Shake Your Hips“, unbekannter Fotograf, ca. 1975, © Claudia Skoda

Als eine der wenigen Designerinnen aus Deutschland erlangte Claudia Skoda, Jahrgang 1943, in den 70er Jahren Weltruhm.  Mit ihren außergewöhnlichen Designs revolutionierte sie das Verständnis von Strickmode; ihre spektakulären Modenschauen sorgten international für Aufsehen. Aber erstaunlicherweise wird einer der Schlüsselfiguren und Ikone der West-Berliner Undergroundszene der 1970er Jahre erst jetzt in ihrer Heimatstadt Berlin eine Ausstellung gewidmet.

Von links: Claudia Skoda, Tabea Blumenschein & Jenny Capitain, 1977/78, © Ulrike Ottinger

Von links: Claudia Skoda, Tabea Blumenschein & Jenny Capitain, 1977/78, © Ulrike Ottinger

Die multimediale Schau im Berliner Kulturforum präsentiert rund 200, zum Teil noch nie gezeigte Arbeiten von Claudia Skoda und Wegbegleitern wie Martin Kippenberger, Luciano Castelli, Ulrike Ottinger, Tabea Blumenschein, Kraftwerk, Jim Rakete und vielen mehr. Der Fokus liegt auf den 70er- und 80er Jahren. Damals lebte und arbeitete sie zusammen mit Gästen aus der internationalen Kunst-und Musikszene in ihrer legendären Kreuzberger Fabriketage „fabrikneu“. Darunter David Bowie und Iggy Popp.

Für die Zeitschrift Elle ist sie neben Coco Chanel, Vivienne Westwood und Madonna eine der Frauen, die den Look des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Bis heute arbeitet Claudia Skoda mit Kreativen verschiedenster Disziplinen zusammen – und bleibt zugleich die Königin ihres eigenen Metiers: Das Stricken, bevorzugt auf der Maschine.

Die Sonderausstellung im Kulturforum nähert sich dem Werk und Leben von Claudia Skoda in thematischen Kapiteln:

fabrikneu: Frühe Jahre

Im Kapitel „fabrikneu“ werden die frühen Jahre Skodas und ihre ersten Modeschauen in Kreuzberg thematisiert, wie „Shake Your Hips“ (1975), „Neues Spiel“ (1976) und „Pablo Picasso“ (1977). Der damals noch unbekannte Martin Kippenberger kreierte einen Fußboden mit rund 1.300 Fotografien von sich, Ulrike Ottinger und Esther Friedman – „Eine Woche aus dem Intimleben der Fam. Skoda und Bekanntenkreis“, so der Titel des Werks.

In der aktuellen Ausstellung ist der Fußboden und auf ihm eine Auswahl an frühen Strickdesigns von Claudia Skoda zu sehen. Parallel lassen Super-8-Filme, Dias und Fotografien die fabrikneu-Modenschauen wieder aufleben. Einige der ungewöhnlichen Wollkleider, die Claudia Skoda bekannt machten, sind zu bewundern.

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Ausstellungansicht. Foto: Kulturforum

Verhältnis zur Musik

Im nächsten Kapitel wird das besondere Verhältnis Claudia Skodas zur Musik erörtert: Es gehörten nicht nur zahlreiche Musiker*innen zu ihrem Kundenkreis – u. a. David Bowie, Malaria!, Tangerine Dream, die Neonbabies, Donna Summer, Cher, Tina Turner und Rufus Wainwright – ihre Kollektionen sind auch voller Anspielungen auf verschiedenste Musikrichtungen – Jazz, Glamrock, Disco, Punk, Elektro.

Extravagante Modenschauen

Ein weiteres Kapitel widmet sich Claudia Skodas extravaganten Modenschauen, vor allem „Laufsteg“ (1978), „Big Birds“ (1979), „Trommelfeuer“ (1982) und „Veit Fights“ (1983). Skoda setzte sich für jede dieser Shows ein Thema, das konsequent als Konzept in Choreographie, Styling, Musik und Plakatgestaltung bis zu einem Grad verfolgt wurde, wie es zu dieser Zeit noch nicht in der Modebranche üblich war. Mit diesen multidisziplinären Gesamtkunstwerken wurde sie zur Vorreiterin in der künstlerisch kontextualisierten Modepräsentation.

Zu „Big Birds“ beispielsweise gab es keinen Laufsteg, stattdessen wurde der Raum mit Absperrgittern durchtrennt und nur von einzelnen starken Scheinwerferkegeln beleuchtet.

Das australische Performance-Duo Emu schlüpfte zu Beginn der Schau aus einem großen Ei. Parallel dazu lief ein Film mit Pinguinen in der Antarktis. Performer schwangen sich fast nackt und am ganzen Körper geschminkt auf einem Hochtrapez über die Models, die sich wie Vögel zu Elektrobeats bewegten. Skoda hatte sie zuvor in den Zoologischen Garten geschickt, um das Verhalten von Vögeln zu studieren.

Self-made Woman

Von Anbeginn arbeitete Claudia Skoda eigenständig. Die ausgeklügelte Formgebung einzelner Kollektionsteile ist wegen ihrer Komplexität für die Herstellung in größeren Serien unrentabel. Dazu  wählt sie nicht selten Garne, die von der Industrie gar nicht verarbeitet werden können. „Leute, die meine Sachen sammeln, sind nach wie vor meine Hauptklientel“, sagt sie bei der Ausstellungseröffnung. Zu Vielen hätte sie einen guten Kontakt und so stammen einige der Exponate aus Privatbesitz. Im Vorfeld der Ausstellung sei sie im eigenen Archiv auf um Teil 40 Jahre alte Entwürfe gestoßen, die sie nun in ihre neuen Kreationen einfließen lassen wird.

Auch in der Werbung und im Vertrieb war Claudia Skoda unkonventionell: Bis 1982 nutzte sie fabrikneu als Strickatelier, promotete ihre Mode ausschließlich auf Messen und Modenschauen und belieferte einzelne ausgewählte Boutiquen in Düsseldorf, Paris, London oder New York mit einzelnen Kollektionsteilen. Ihren ersten eigenen Laden eröffnete sie – nach Rat von David Bowie – in SoHo in New York.

1988 holte der West-Berliner Senat sie in ihre Geburtsstadt zurück, um die Eröffnungsgala zur Kulturstadt Europas zu organisieren. Mit „Dressater – Dressed to Thrill“ kuratierte Skoda eine multidisziplinäre Schau und lud dazu innovative Modedesigner*innen aus der ganzen Welt ein. Als die Mauer ein Jahr später fiel, fiel auch Skodas Entscheidung zu bleiben. Es folgten Läden auf dem Ku’damm, der Linienstraße und der Alten Schönhauser Allee.

Die  70er/80er Jahre sieht die Designerin heute als besonders produktiv. „Diese Zeit war auf jeden Fall freier als heute“, sagt sie. „Wir haben vieles gar nicht hinterfragt, sondern einfach gemacht“. Daraus habe sich ein besonderer Fleiß ergeben und es wurde „wahnsinnig viel Kreatives produziert“. Wovon man sich in dieser bemerkenswerten Ausstellung überzeugen kann.

Claudia Skoda. Dressed to Thrill,

Kulturforum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Der Besuch ist nur mit einer FFP2-Gesichtsmaske, einem tagesaktuellen, negativen PCR- oder Schnelltestergebnis sowie einem vorab online gebuchten Zeitfenster-Ticket möglich. Bereits geimpfte Personen können die Museen ab dem 15. Tag nach Erhalt der finalen Corona-Schutzimpfung ohne Vorlage eines negativen Testergebnisses besuchen. Einen entsprechenden Nachweis legen geimpfte Besucher*innen am Einlass vor.

Der Besuch ist nur mit einem Zeitfensterticket möglich, das ausschließlich online gebucht werden kann: www.smb.museum/tickets.

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