Kinderpredigt und Kastanien im Glas –Weihnachtstraditionen auf Malta

Das katholisch geprägte Malta wartet am Christfest mit sehr farbenfrohen, traditionellen Gewohnheiten auf, Foto: Julian CassarDas katholisch geprägte Malta wartet am Christfest mit sehr farbenfrohen, traditionellen Gewohnheiten auf, Foto: Julian Cassar

Was hat das eigentümliche weiße Kraut an der Weihnachtskrippe zu suchen? –Dies fragt man sich unweigerlich, wenn man zum Weihnachtsfest auf Malta ist. Die kugelförmige Futterpflanze ist unverzichtbarer Bestandteil der Weihnachtsdekoration auf dem Mittelmeerarchipel: „The growing of vetches“ (Das Wachsen von Wicken) bezeichnet den Brauch, Samen der Futterwicke Anfang Dezember auf Watte vorzukeimen, regelmäßig zu wässern und im Dunkeln ruhen zu lassen.

Foto: Martin Frendo

Foto: Martin Frendo

Pünktlich zu Heiligabend entwachsen den Wattekugeln weißglänzende, grasähnliche Triebe, die entfernt an Spaghetti erinnern. „Ġulbiena”(sprich: Dschulbjena) nennen sich die drolligen Pflanzen, die auf Malta dann Altäre, Krippen und Christbäume in den Wohnzimmern schmücken.

 

Honigringe ohne Honig

Foto: Jeffrey Powell

Foto: Jeffrey Powell

Doch nicht nur in dekorativer, auch in kulinarischer Hinsicht hat Malta zum Weihnachtsfest einiges zu bieten:„Qagħqa tal-Għasel“, oder auf Englisch „Treacle Rings“, sind ein besonderes maltesisches Dessert. Die deutsche Übersetzung „Honigringe“ trügt allerdings, denn das süße Gebäck enthält gar keinen Honig –sondern eine dunkle Füllung, die unter anderem aus Melasse, Zitrusfrüchten und Aromen wie Vanille, Anis und Rosenwasser zubereitet wird. Auch typisch maltesische Heißgetränke gibt es zur Feier des Tages: So wird „Imbuljuta tal-Qastan“ traditionell nach der mitternächtlichen Christmesse gereicht. Es erinnert an heiße Schokolade, die durch Esskastanien und allerlei winterliche Gewürze, wie Orangenschalen, Zimt und Nelken, ergänzt wird. In aller Regel genießt man den köstlichen Trank zu maltesischem „pudina tal-Milied“, einem „Christmas Pudding“der vor Jahrhunderten Einzug auf der Insel hielt. Das Besondere der winterlichen Küche des Mittelmeerarchipels sind die zahlreichen internationalen Einflüsse, die sich in vielen schmackhaften Rezepten in Variationen wiederfinden: So stehen italienische Panettone Seite an Seite mit britischen „Mince Pies“ oder französischen „Bûches de Noel“.

Religiöse Brauchtümer

oto: viewing malta

Foto: viewing malta

Das katholisch geprägte Malta wartet am Christfest mit buchstäblich himmlischen Gewohnheiten auf, die selbst nicht religiöse Menschen berühren: In den Fenstern der Wohnhäuser werden Krippen ausgestellt, die je nach individuellem Geschmack mit Kerzen, Blumen oder Steinen geschmückt sind. In den „Presepjun“, den Krippen, befinden sich lebensechte Figuren, die „Pasturi“, der Heiligen Familie einschließlich Jesuskind, sowie Hirten, Schafe und Engel. In der Christmette am Heiligabend um null Uhr trägt üblicherweise ein Kind die Predigt vor – eine Tradition, die bereits seit 1883 als „the Sermon of the Child“ oder „Il-Priedka tat-Tifel“ zum maltesischen Weihnachtsrepertoire gehört.

Im Anschluss daran brechen die Kinder normalerweise als feierliche Prozession in die beleuchteten Straßen der Stadt auf. Diese Festbeleuchtung hat bei den Maltesern übrigens einen besonders hohen Stellenwert: In Vallettas Gassen blinkt und strahlt es in allen Farben, Lichter schmücken Bäume, Gebäude und Straßenzüge. Und über das weihnachtliche Leuchten können sich auch in diesem Jahr wieder alle freuen.

viewing malta

Foto:viewing malta

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